Smart City: Laut Studie würden viele ihren Lebensraum verlassen

29. Juli 2020 Drucken
Smart City: Laut Studie würden viele ihren Lebensraum verlassen
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40 Prozent würden wegen digitaler Mängel ihre Stadt verlassen. Die Stadtverwaltungen setzen bei Maßnahmen laut einer Umfrage andere Prioritäten als Bürger. Eine nachhaltige Entwicklung für höhere gefühlte Lebensqualität in den Städten wird daher zunehmend wichtiger.

Städte erfüllen die gestiegenen Erwartungen ihrer Bewohner im digitalen Zeitalter nicht vollständig. Für viele Bürger ist es demnach eine Option, in eine digital fortschrittlichere Stadt abzuwandern: Durchschnittlich 40 Prozent von ihnen können sich etwa vorstellen aufgrund verschiedener Schwachpunkte, einschließlich digitaler Mängel, ihre Stadt zu verlassen. Zugleich ist ein Drittel bereit, für bestimmte Smart City-Maßnahmen zu zahlen. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie „Street Smart: Putting the Citizen at the Center of Smart City Initiatives“, für die 10.000 Bürger und über 300 städtische Beamte in zehn Ländern befragt wurden.

Insgesamt sehen Bürger in einer Smart City und den entsprechenden Maßnahmen Vorteile: Mehr als die Hälfte halten Smart Cities für nachhaltig (58 Prozent) und meinen, dass deren städtischen Leistungen ein höhere Qualität besitzen (57 Prozent). Ein Drittel ist daher bereit, für Mehrwerte im urbanen Raum auch mehr zu bezahlen. Zugleich nennen städtische Führungskräfte insbesondere Fragen zur Finanzierung und Datennutzung als gravierende Hemmnisse bei der Einführung neuer digitaler Leistungen. Nur jeder zehnte von ihnen attestiert seiner Stadt bei der Umsetzung eines umfassenden Smart-City-Konzeptes ein fortgeschrittenes Stadium. Knapp ein Viertel (22 Prozent) weltweit hat überhaupt erst mit der Einführung von Smart-City-Maßnahmen begonnen.

Smart City: Über 10.000 Bürger wurden befragt

Für die Studie befragte Capgemini in zehn Ländern über 10.000 Bürger und mehr als 300 städtische Führungskräfte aus 58 Städten. Als Einsatzfelder für Smart-City-Maßnahmen wurden die Bereiche Transport & Mobilität, Healthcare, öffentliche Sicherheit, Wasser- und Stromversorgung, Bürgerservices, Abfallmanagement und nachhaltige Entwicklung untersucht. Der Bedarf an intelligenten Maßnahmen spiegelt sich im Interesse der Bürger und der Einschätzung wider, dass die Anzahl an Megastädten mit über 10 Millionen Einwohnern bis 2030 von 33 auf 43 steigt und zwei Drittel der Weltbevölkerung im Jahr 2050 in einer Stadt leben werden.

Die Finanzierung stellt laut 70 Prozent der Führungskräfte städtischer Verwaltungen eine Herausforderung dar. Für 68 Prozent ist es schwierig, die nötigen digitalen Plattformen für Smart-City-Initiativen auszubauen oder Zugang zu ihnen zu erhalten. Hinzu kommt, dass 63 Prozent der Bürger den Schutz persönlicher Daten höher gewichten als verbesserte städtische Leistungen. 54 Prozent von ihnen meinen zudem, dass die großen Technologiekonzerne im Vergleich bessere Services als die aktuell verfügbaren zu bieten haben.

Für die urbane Gesellschaft gewinnt Nachhaltigkeit an Bedeutung: 42 Prozent der Bürger nennen die aus der Umweltverschmutzung entstehenden Herausforderungen als ein wesentliches Problem, 36 Prozent die geringe Anzahl an Nachhaltigkeitsinitiativen. Unter den städtischen Beamten erkennen 42 Prozent einen Mangel an Nachhaltigkeitsmaßnahmen innerhalb der letzten drei Jahre. Wenn die Einführung digitaler Technologien ausbleibt fürchten 41 Prozent von ihnen zudem, dass ihre Stadt in den nächsten fünf bis zehn Jahren weniger nachhaltig sein wird.

Smart-City-Maßnahmen führen laut der Studie nicht nur zur messbaren Ergebnissen, sondern auch zu einer größeren Zufriedenheit der Stadtbewohner mit ihrem Lebensumfeld. Demnach sind beispielsweise 73 Prozent der Bürger, die auf Smart-City-Angebote zurückgreifen, zufriedener mit ihrer Lebensqualität in Hinblick auf gesundheitlich relevante Faktoren wie der Luftqualität; bei denjenigen, die solche Angebote nicht nutzen, sind es 56 Prozent.

Smart City-Anwendungen steigern Resilienz und zahlen sich in der Corona-Krise aus

68 Prozent der städtischen Beamten geben an, dass Apps beim Management der Corona-Krise geholfen haben, indem sie beispielsweise Bürger mit Gesundheitseinrichtungen verbinden oder die Beobachtung von Patienten aus der Ferne ermöglichen. So nutzt etwa das Flughafenpersonal in Rom mit Augmented Reality und Thermo-Scannern ausgestattete Helme, um mehrere Passagiere gleichzeitig zu überprüfen und den Sicherheitsabstand einzuhalten.

Für die Umsetzung innovativer Technologien ist die Zusammenarbeit zentraler Akteure wie der lokalen Verwaltung, den Bürgern sowie Dritten, einschließlich Start-Ups, Bildungseinrichtungen und Risikokapital-Fonds, wichtig. Hierzu empfiehlt Capgemini städtischen Verwaltungen ein drei-stufiges Vorgehen:

  • Die Erstellung eins umfassenden Smart-City-Konzeptes, basierend auf den Eckpfeilern Nachhaltigkeit und Resilienz
  • Die Befähigung der städtischen Beamten als Entrepreneure zu agieren und gleichzeitig das Vertrauen und den Datenschutz sicherzustellen
  • Eine Kultur für Innovation und Zusammenarbeit mit Bürgern und externen Organisationen zu schaffen