Armutskonferenz: Zwei Grad Klimaerwärmung heißt 50 Prozent mehr Hitzetote

12. August 2020 Drucken
Armutskonferenz: Zwei Grad Klimaerwärmung heißt 50 Prozent mehr Hitzetote
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Im vergangenen Jahr gab es in Österreich 198 Hitzetote. Zwischen 2013 und 2019 waren es insgesamt 3.701 Todesfälle. Die Risken für die Bevölkerung sind jedoch sehr ungleich verteilt. Eine weitere Erderwärmung könnte dramatische Konsequenzen haben.

Sommerliche Hitzeperioden sind ein Gesundheitsrisiko. In der Hitzewelle sterben Menschen, besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Personen, Kinder und Patienten mit Herz-Kreislaufproblemen – und da Haushalte in Vierteln mit geringem Einkommen. Davor warnt die Armutskonferenz. Zwischen 2013 und 2019 verzeichnete Österreich insgesamt 3.701 Hitzetote, für letztes Jahr weist die Agentur für Gesundheit & Ernährungssicherheit (Ages) 198 Todesfälle aus.

In den Jahren 2013, 2015, 2017 und 2018 sind sogar mehr Menschen durch Hitze als im Straßenverkehr gestorben. „Zwei Grad Klimaerwärmung heißt 50 Prozent mehr Hitzetote“, so die Armutskonferenz. Allein ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um zwei Grad führt in Europa zu 50 Prozent mehr hitzebedingten Todesfällen. Bei drei oder vier Grad im Schnitt mehr würde sich die Zahl der Todesfälle sogar vervierfachen. Die Risken sind ungleich verteilt: Menschen, die von Armut betroffen sind, sterben in Österreich um mehr als 10 Jahre früher als der Rest der Bevölkerung.

Armutskonferenz: Corona Lockdown und Hitzeperiode

„Besonders zu bekämpfen sind die städtischen Hitzespots“, regt die Armutskonferenz vorbeugende Maßnahmen an. Was wäre, wenn der Corona- Lockdown in die Hitzeperiode gefallen wäre, die Menschen in den heißen Wohnungen säßen, Kinder einkommensschwacher Familien sich in ihren beengten Räumen aufhalten müssten, sich Einsamkeit, Alter und Hitzebelastung verstärken?

In ländlichen Gebieten wirken Bäume und andere Pflanzen, aber auch Oberflächenwasser wie natürliche Klimaanlagen. Da fließt ein Bach, da liegt ein See. Sie kühlen die Umgebung in erster Linie durch die Verdunstung von Wasser. In den städtischen Zentren verhindert die bebaute Fläche diese Hitzeregulierung. Regenwasser wird unterirdisch abgeleitet, der Beton und Asphalt macht Verdunstung unmöglich, heizt sich besonders gut auf und strahlt diese Hitze wieder ab.

Auch die stark erhöhte Oberfläche durch die Gebäude und das Vermindern der Luftzirkulation tragen zur Hitze bei. Dazu kommen künstliche Wärmequellen wie Autos, Industrie oder Abwärme von Klimaanlagen. So kann es in Städten zu bis zu zwölf Grad höheren Temperaturen als in der Umgebung kommen.

Wasser, Grünraum, Öffentlicher Verkehr, Wohnbau

Grünraum und Wasser in der Stadt verbessert das Klima im Grätzel, zeigt gesundheitlich positive Auswirkungen, bietet Bewegungsraum für Jung und Alt, begünstigt als Sozialraum das Gespräch und die Begegnung. Wichtige Schritte sind strategische Maßnahmen auf der Ebene von Flächenwidmungen, Raumplanung und Wohnbau. Die Anlage von Straßenbegleitgrün, grüne Wandelemente, Fassaden- und Dachbegrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement oder auch die Freilegung von verrohrten Gewässern.

Weiters ist der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel hilfreich Hitzespots zu verringern. Baulich sind Maßnahmen notwendig wie zum Beispiel Außenjalousien montieren, Wärmedämmungen anbringen, Fassaden- und Hofbegrünung. Angesichts von Klimawandel und Hitzetoten gibt es einiges zu tun“, so die Armutskonferenz, deren soziale Initiativen über 500.000 Hilfesuchende im Jahr beraten, unterstützen und begleiten.

Sag mir wo Du wohnst, und ich sage Dir wann Du stirbst

Ärmere Bevölkerungsgruppen gehen statistisch gesehen häufiger Berufen nach, die körperlich anstrengend und der Hitze ausgesetzt sind (z.B. Bauarbeiter, Reinigungskräfte). Sozial benachteiligte Gruppen leben meist in Wohnungen mit schlechter Bausubstanz (z.B. keine Wärmedämmung) und schlechter Ausstattung (z.B. keine Außenjalousien, keine Klimaanlagen) sowie weniger Raum pro Kopf. Aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten können sie sich auch seltener energetische Wohnraumsanierungsmaßnahmen leisten, um sich an höhere Temperaturen im Sommer anzupassen.

Zudem wohnen Ärmere häufiger in Mietwohnungen, in denen nur wenig Möglichkeit zur Gebäudesanierung besteht. Qualitative Untersuchungen weisen darauf hin, dass Ärmere weniger oft und weniger weit in kühlere Bereiche ausweichen können (z.B. Zweitwohnsitz etc.). Sie weisen einen schlechteren Gesundheitszustand auf, welcher gegenüber Hitze verwundbarer macht. Von Hitze besonders stark betroffen sind ältere Menschen, weist die Armutskonferenz auf die empirischen Zusammenhänge hin.