Wie österreichische Arbeitnehmer mit der Krise umgehen

13. August 2020 Drucken
Wie österreichische Arbeitnehmer mit der Krise umgehen
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Die Karriereplattform StepStone untersucht seit dem ersten Tag der Covid-19-Maßnahmen in Österreich die Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt und das Befinden der Angestellten. Die aktuelle Umfrage unter knapp 1.500 Teilnehmern wollte von den Beschäftigten in Österreich geradeaus wissen: „Wie geht es Ihnen?“

Die Motivation, wichtiger Indikator für Zufriedenheit, war vor der Krise für den österreichischen Arbeitnehmer bemerkenswert: Ganze 88 Prozent waren „sehr“ oder „eher motiviert“. Auch jetzt sind immerhin noch 64 Prozent motiviert – allerdings mit Einschränkungen. „Ich war eine von vier Mitarbeitern, die jeden Tag im Büro waren und dann allen im Home-Office noch helfen mussten“, bringt es eine Befragte auf den Punkt.

Demgegenüber gibt es aber auch Arbeitnehmer, die dem Arbeiten während dem Lockdown positive Effekte aufs Wohlbefinden abgewinnen können: „Ich habe mir schon vor der Krise zuhause ein ruhiges Büro eingerichtet“, gibt etwa ein Umfrageteilnehmer an, eine weitere Befragte hat „während Corona mehr selbst gekocht, gesünder gegessen, und viel mehr Sport betrieben, mehr gelesen und die Zeit bewusster wahrgenommen.“

Manche erlebten die Maßnahmen sogar als regelrechten Glücksfall: „Corona war wie ein Urlaub für mich. Ich konnte mich auf Dinge besinnen, die ich schon lange machen wollte und habe mich befreit von meinen Ansprüchen an mich gefühlt.“ Andere stehen der Erfahrung wiederum ambivalent gegenüber: „Anfänglich war alles wirr, dann aber immer mehr eingespielt und entspannt.“

Unsicherheit und Zukunftsängste

Entsprechend sind im Lauf der Krise die Stresslevel der Befragten deutlich gesunken. Waren vor der Krise noch 62 Prozent sehr oder eher gestresst, waren es während der Krise nur mehr 58 Prozent aller Befragten.

„Aktuell steigt der Wert zwar wieder etwas an“, sagt Barbara Oberrauter-Zabransky, Studienleiterin bei StepStone. „Das liegt aber weniger an der Umstellung auf digitale Zusammenarbeit oder der familiären Doppelbelastung. Vielmehr stressen Unsicherheit und Zukunftsängste österreichische Arbeitnehmer.“ Das stresst die Österreicher im Zusammenhang mit der Covid19-Krise besonders:

  • Unzufriedenheit, Sorgen und Zukunftsängste 44 Prozent
  • Bewegungsmangel 33 Prozent
  • Kaum oder gar keine Erholung 24 Prozent
  • Leistungsdruck und Termindruck 21 Prozent
  • Doppelbelastung durch Beruf und Familie 18 Prozent
  • Dauererreichbarkeit durch die Digitalisierung 18 Prozent
  • Überzogene Anspruchshaltung gegenüber sich selbst 16 Prozent
  • Konflikte in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Familie 15
    Prozent
  • Multitasking 13 Prozent
  • Ungesunde Ernährung 13 Prozent
  • Gezwungene Umstellung auf digitale Zusammenarbeit 9 Prozent
  • Kinderbetreuung und Home-Office

Job und Kinderbetreuung für Arbeitnehmer nicht immer vereinbar

Die gute Nachricht zuerst: Obwohl beinahe jeder zweite Umfrageteilnehmer (48 Prozent) im Home-Office gearbeitet hat, sagen 85 Prozent, dass sie keine Probleme mit der Vereinbarung von Job und Kinderbetreuung hatten. Weitere zwei Drittel geben an, dass sie ihr Leben während des Lockdowns ganz wie bisher weiterführen konnten, und 62 Prozent haben ihr Leben auch während des Lockdowns weitgehend normal weitergeführt.

Allerdings belegen Aussagen einzelner Umfrageteilnehmer, dass während der Krisenzeit Job und Kinderbetreuung nicht immer einfach zu vereinbaren waren: „Die Kinder sind daheim, und beide Eltern arbeiten im Home-Office. Wenig Platz, Lärm, allem gerecht werden und alles schaffen müssen – und gleichzeitig nicht raus können. Dann noch kein persönlicher Kontakt nach außen: Es war wirklich hart.“

Krisenmanagement: Arbeitgeber gefragt

Aktuell scheint sich die Lage der österreichischen Arbeitnehmer in zwei Lager zu teilen: Während jeder Fünfte „recht entspannt“ ist (20 Prozent), haben 21 Prozent auf der anderen Seite „mehr zu tun als vor der Krise“. Mehr als jeder Zehnte (12 Prozent) muss auch vieles aufarbeiten, was während der Krise liegen geblieben ist, und immerhin 13 Prozent fühlen sich im Büro nicht mehr ganz so wohl wie vor der Krise.

Oberrauter-Zabransky rät Arbeitgebern angesichts dieser Zahlen, sich um eine gute Arbeitsatmosphäre zu kümmern: „Die digitale Arbeitswelt erfordert mehr Teamwork denn je. Umso wichtiger ist ein gutes Verhältnis unter den Mitarbeitern und Unterstützung seitens der Führungskräfte. Immerhin geht es darum, den Neustart gut zu bewältigen – und das funktioniert nur mit verlässlichen Abläufen und entspannten, leistungsfähigen Mitarbeitern.“