Europaweite Lösung für die Datenwirtschaft der Zukunft

07. September 2020 Drucken
Europaweite Lösung für die Datenwirtschaft der Zukunft
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Der Datenaustausch prägt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft Europas und birgt enorme ökonomische und soziale Potenziale, ist aber auch mit Risiken und Bedenken verbunden. Das EU-Projekt TRUSTS – Trusted Secure Data Sharing Space wurde ins Leben gerufen, um rechtliche, ethische und technische Herausforderungen grenzüberschreitender Datenmärkte zu identifizieren und zu überwinden.

Damit Europa im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz mit Big Tech und globalen Lieferketten mithalten kann, ist eine funktionierende europäische Datenwirtschaft unerlässlich. Europäische Organisationen und Unternehmen werden datengetriebene Innovationen und digitale Transformation umsetzen müssen, um im internationalen Wettbewerb und in globalen Lieferketten bestehen zu können – und zwar auf der Basis europäischer Werte. Dazu zählen Chancengleichheit, Mitbestimmung und Persönlichkeitsrechte wie Datenschutz. Das Wettbewerbsrecht, das Recht des geistigen Eigentums sowie das Datenschutzrecht regeln wichtige Aspekte einer solchen föderierten Plattform, die einen zentralen Zugriff auf verschiedene unabhängige, getrennt gespeicherte Datenmärkte bietet. Themen wie Plattformregulierung, Standardisierung und Kompatibilität zwischen spezifischen nationalen Rechtssystemen, Data Ownership etc. müssen dafür geklärt werden. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil liegt schließlich in der Fähigkeit, grenzüberschreitend in der Europäischen Union tätig zu sein. Die siebzehn Partnerorganisationen des Projekts sind aus Österreich, Belgien, Zypern, Deutschland, Griechenland, Israel, den Niederlanden, Rumänien und Spanien.

Alexandra Garatzogianni, Projektkoordinatorin von TRUSTS und Leiterin des Wissens- und Technologietransfers (TIB) der Leibniz Universität Hannover erläutert, dass „sich das H2020-Projekt TRUSTS mit einem breiten Spektrum an Herausforderungen über die gesamte Daten-Wertschöpfungskette hinweg befasst. Dazu gehören beispielsweise der Mangel an vertrauenswürdigen Plattformen und datenschutzbewussten Analysemethoden für den sicheren Austausch personenbezogener Daten sowie unterschiedliche technische und rechtliche Standards, die das Wachstum der Datenwirtschaft bremsen. Unser Ziel ist es daher, dass Unternehmen langfristig auf sichere Datenmärkte setzen. Dafür ermöglichen wir einen voll funktionsfähigen und DSGVO-konformen europäischen Datenmarktplatz für personenbezogene und industrielle Daten im Finanz- und Telekommunikationssektor und fördern gleichzeitig die Integration und Übernahme künftiger Plattformen.“

Fundierte Referenzarchitektur für die Datenwirtschaft

Das Projekt wird mehrere Zukunftstechnologien integrieren. Zum Beispiel wird der europäische Datenmarkt TRUSTS auf der Referenzarchitektur von International Data Spaces (IDS) aufbauen. Die IDS-Architektur gilt als der De-facto-Standard für die Schaffung und den Betrieb von Daten-Ökosystemen. Ihr Ansatz besteht darin, Interoperabilität durch semantische Datenbeschreibungen zu ermöglichen, Vertrauen zwischen den Teilnehmer*innen durch zertifizierte Sicherheitsfunktionen zu schaffen und Governance-Regeln für die Datennutzung und den Datenfluss aufzustellen. Die IDS-Architektur gewährleistet die Datensouveränität für diejenigen, die Daten in Daten-Ökosystemen zur Verfügung stellen.

Alle Entwicklungen innerhalb des Projekts werden von rechtlichen und ethischen Faktoren bestimmt, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse mit den aktuellen und zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen vereinbar sind. Ein wesentliches Ergebnis des Projekts wird eine Analyse der Anforderungen an die Konformität der entwickelten technologischen Lösungen sowie Empfehlungen für politische Entscheidungsträger*innen und Interessenvertreter*innen in diesem Bereich sein.

„Die Kommodifizierung von Daten stellt den bestehenden Rechtsrahmen auf den Kopf. Deshalb müssen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie das Recht mit den entstehenden Datenmärkten interagieren sollte – also einerseits sie in ihrem Wachstum zu fördern, andererseits sie in geordnete Bahnen zu lenken, damit sie dem öffentlichen Wohl dienen“, sagt Charlotte Ducuing, Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholieke Universiteit Leuven (KU Leuven).

Anwendungsfälle: von Anti-Geldwäsche bis Marketing

In einer Zeit, in der sich Technologien rasant entwickeln, müssen zunächst die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden – darin sieht das TRUSTS-Konsortium seine primäre Aufgabe. Im Rahmen des TRUSTS-Projekts werden die aktuellen Herausforderungen identifiziert und in realistischen Szenarien erprobt. TRUSTS bringt Technologieanbieter zusammen, die bereits intensiv an zwei bestehenden großen nationalen Datenmarktprojekten (Data Market Austria und International Data Spaces) beteiligt waren, um einen europäischen Datenmarkt zu schaffen, der auf einem sicheren und vertrauenswürdigen Datenaustausch basiert. Diese Integration wird von sechs Unternehmen im Rahmen von drei Anwendungsfällen im Finanz- und Telekommunikationssektor in der Praxis getestet: Compliance auf dem Gebiet der Anti-Geldwäsche, agiles Marketing durch Datenkorrelation und verbesserte Kund*innenbetreuung durch Datenerfassung. Die TRUSTS-Technologie und die Anwendungsfälle werden ständig von unternehmerischen Überlegungen begleitet, die sicherstellen, dass die Ergebnisse des Projekts über die Dauer der Finanzierung hinaus nachhaltig sind.

Das 7-Mio.-Euro-Projekt wird vom Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union finanziert (Zuschussvereinbarung Nr. 871481).