Handwerkspreis: Spitzenleistungen des Handwerks ins Rampenlicht

29. September 2020 Drucken
Handwerkspreis: Spitzenleistungen des Handwerks ins Rampenlicht
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Die Sieger des Salzburger Handwerkspreises 2020 stehen fest. Lehre- und Meister-Ausbildungen sollen weiter aufgewertet werden, die Konjunktur dringend mit öffentlichen Maßnahmen angekurbelt werden, so der Tenor bei der Veranstaltung.

Bereits zum 30. Mal wird heuer der Salzburger Handwerkspreis verliehen. Diesmal nicht im „Haus für Mozart“ im Salzburger Festspielbezirk, sondern in Corona-gerechter kleiner Runde beim Steinmetzmeisterbetrieb Erich Reichl in Hallein. „Es ist natürlich sehr schade, dass wir auf die große Feier unserer Preisträger im Rahmen der ‚Festspiele des Handwerks‘ im Haus für Mozart verzichten müssen. Dennoch war es uns ein Anliegen, die Sieger des heurigen Jubiläums-Handwerkspreises persönlich zu würdigen und der Öffentlichkeit vorzustellen. Denn gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, auf die großartigen Leistungen unserer Unternehmen und den Stellenwert der Wirtschaft als Basis für Staat und Gesellschaft hinzuweisen“, betonte Spartenobmann KommR Josef Mikl bei der Preisverleihung in Hallein.

„Ich gratuliere allen Siegern des Salzburger Handwerkspreises zu ihren hervorragenden Projekten. Der Salzburger Handwerkspreis ist einer der renommiertesten Wirtschaftspreise des Landes und zeigt Jahr für Jahr, zu welch meisterlichen, kreativen und innovativen Leistungen Salzburgs Gewerbe- und Handwerksbetriebe fähig sind“, ergänzte WKS-Präsident KommR Peter Buchmüller.

„Der Handwerkspreis ist ein starker Beleg für die Vielfalt, Innovationskraft und den hohen Qualitätsstandard der Salzburger Gewerbe- und Handwerksbetriebe“, sagte Mikl anlässlich der Bekanntgabe der Sieger. Die Bandbreite der Einreichungen war auch heuer groß: Sie reichte von technisch aufwändigen Sanierungen über innovative Neuentwicklungen bis hin zu traditionellen Handwerksarbeiten. Die Basis für diese „Top-Qualität made in Salzburg“ ist das hochwertige duale Ausbildungssystem. „Dieses auf der ganzen Welt anerkannte Berufsbildungssystem ist unser großer Schatz, den es zu erhalten gilt“, unterstrich Mikl.

Handwerkspreis: Lehre und Meisterausbildung weiter aufwerten

Gerade dabei könne die Wirtschafskammer auf große Erfolge in der jüngsten Vergangenheit verweisen. Seit 2019 ist der Meister dem akademischen Bachelor gleichgestellt und seit 21. August dieses Jahres dürfen Handwerksmeister ihren Titel offiziell führen und in Dokumenten eintragen lassen. „Es ist bemerkenswert, wie rasch die Aufwertung des Meisters in der Gesellschaft angekommen ist. Ein schöner Erfolg, durch den wir uns in unserer Initiative bestätigt sehen.

Und ein gutes Signal für den Wirtschaftsstandort: Wir brauchen mehr Meister, um das Land und die Regionen zu stärken“, sagte Mikl. Dass der Meistertitel in den vergangenen Jahren noch attraktiver geworden ist, belegen auch die Zahlen der Meisterprüfungsabsolventen in Salzburg: Lag deren Zahl 2015 noch bei knapp 250, so konnten im Vorjahr bereits über 300 Absolventen ihre Meisterbriefe in Empfang nehmen.

„Die WK Salzburg wird auch in Zukunft alles unternehmen, dass Lehrlings- und Meisterqualifikation auf dem gewohnt hohen Niveau erhalten bleiben“, unterstrich Buchmüller. Das neueste Projekt der WKS in diese Richtung ist die „Duale Akademie“, mit der man vor allem Maturanten für die Fachkräfteausbildung gewinnen möchte. Damit erfährt das Erfolgsprojekt „Lehre mit Matura“, das in Salzburg bereits äußerst gut läuft und von 17,5% aller Lehrlinge angenommen wird, eine wichtige Ergänzung. „Ich bin überzeugt davon, dass viele AHS-Maturanten den direkten Berufseinstieg einem Studium den Vorzug geben. Mit der Dualen Akademie und dem vorgestaffelten Karriere-Check für Maturanten steht dafür ein maßgeschneidertes Angebot zur Verfügung“, sagte Buchmüller.

Gedämpfte Konjunkturlage in Salzburg

Was die aktuelle Konjunkturlage betrifft zeigt sich, dass Handwerksbetriebe bislang besser durch die Krise gekommen sind als andere Branchen. 2019 erwirtschaftete die Sparte bundesweit 103 Mrd. €, heuer werden es laut KMU Forschung Austria um 11 Mrd. € weniger sein. In Salzburg sollten die Umsätze von 7,3 Mrd. € auf 6,5 Mrd. € zurückfallen. „Von wirtschaftlicher Normalität sind wir noch weit entfernt. Deshalb sind Konjunkturimpulse wie der Handwerkerbonus, der Reparaturbonus und ein rascher Start der angekündigten Investitionspakete im Sinne der Nachhaltigkeit dringend notwendig“, betonte Mikl. Denn nur mit der Belebung der öffentlichen und privaten Nachfrage könne die drastische Umsatzlücke reduziert werden.

Angesichts der schwierigen Umstände ist es umso bemerkenswerter, wie gewissenhaft die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe ihrer Ausbildungstätigkeit nachgehen. Ende August 2020 standen in Salzburg insgesamt 7.737 Lehrlinge in Ausbildung, was einem Plus von 0,4% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gewerbe und Handwerk verzeichneten als größter Lehrlingsausbilder in Salzburg mit 3.799 Lehrlingen ein Plus von 1,5%. Bei den Lehranfängern (1.108) konnte sogar eine Steigerung von 4,6% registriert werden.

„Ich bin stolz darauf, dass überdurchschnittlich viele Betriebe auch in der Corona-Zeit Lehrlinge aufgenommen haben. Auf das Handwerk und Gewerbe ist eben Verlass“, freute sich Mikl. Und WKS-Präsident Buchmüller ergänzte: „Ich bedanke mich bei den Salzburger Betrieben dafür, dass sie weiter zur Ausbildung der Jugend stehen und damit nicht nur ihre wirtschaftliche Zukunft absichern, sondern auch eine enorme gesellschafts- und beschäftigungspolitische Leistung erbringen. Corona hat keinen negativen Einfluss auf die Lehrlingsausbildung. Das ist eine der guten Nachrichten in dieser schwierigen Zeit. Die viel zitierte Lehrlingskrise findet in Salzburg nicht statt!“

Die Sieger des Salzburger Handwerkspreises 2020

Zum Siegerprojekt beim Handwerkspreis wurde die Restaurierung der Außenfassade der Franziskanerkirche in Salzburg gekürt. Sie war ein Gemeinschaftsprojekt der Erich Reichl GmbH aus Salzburg (Steinmetz) und der Paradeiser GmbH aus Dorfbeuern (Spengler). In den Erhalt der historischen Bausubstanz, einer Konglomeratfassade, wurden rund 7.000 Arbeitsstunden investiert. Alte Handwerkstechniken wie das Verbleien von Stein zur Verbesserung der Wasserführung kamen zum Einsatz.

Die Behebung von statischen Problemen wurde unter anderem durch Verankerungen unter der Oberfläche, Unterfangungen der Balustraden und der Neuherstellung kaputter Profilelemente bewerkstelligt. Durch eine Harmonisierung der Nullflächen schaffte man es, auch die speziellen Architekturelemente der Gotik wieder zum Vorschein zu bringen. Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie unterschiedliche Gewerke wie Steinmetz und Spengler harmonisch zusammenarbeiten können.

Den zweiten Platz holte sich die Gschaider Metalltechnik GmbH aus Obertrum mit dem Projekt „Satisfy“. Satisfy wurde entwickelt, um die Sanitärhygiene auf Baustellen zu verbessern. Es ist eine kompakte Sanitäreinheit aus Edelstahl, das neben WC und Pissoir auch über ein Waschbecken mit Warmwasser, eine Heizung sowie eine Entlüftung verfügt. Das Abwasser wird in einer im Fußboden integrierten Wanne gesammelt und in die örtliche Kanalisation eingeleitet. Damit entfallen die laufende Entleerung eines Sammelbehälters und die damit verbundenen Lkw-Fahrten. Die Sanitäreinheit ist zudem optisch sehr gelungen. Durch eine moderne 3D-Rohrlaseranlage ist eine kosteneffiziente Herstellung in größerer Stückzahl möglich.

Mit dem dritten Platz beim Handwerkspreis wurde die Rohrmoser & Hettegger GmbH aus St. Veit im Pongau ausgezeichnet. Das Unternehmen reichte die Komplettsanierung eines Audi Quattro aus dem Jahr 1986 ein. Das Fahrzeug zeichnet sich durch seine einmalige Ausstattung wie Leder, Klimaanlage oder elektrische Fensterheber aus. Im Rahmen der Restaurierung wurde das Fahrzeug bis zur letzten Schraube zerlegt. Die Karosserie wurde chemisch entlackt, entrostet und nach Spachtel-und Schleifarbeiten neu lackiert. Im Wageninneren wurden Dämmmatten und Schaumstoffe ausgetauscht und alle Leitungen neu verlegt. Beim Motor wurden u. a. das Getriebe und der Antriebsstrang komplett zerlegt, neu lackiert, gelagert und abgedichtet. Nicht mehr beschaffbare Ersatzteile wurden nach Maß neu hergestellt. Die Endlackierung stellte aufgrund sehr weicher Kunststoffteile wie der Stoßstange oder dem Heckspoiler eine besondere Herausforderung dar.

Mit Anerkennungspreisen wurden schließlich noch Johanna Gimpl aus Fuschl für ihre Modlstutzen, die A&S Bau GmbH aus Großarl für den Neubau eines Stallgebäudes und die BHS Datensysteme GmbH aus Eugendorf für ihr vollautomatisches Computerschanksystem samt Schankroboter ausgezeichnet.