Nachhaltigkeit bringt wirtschaftliche Vorteile

09. Oktober 2020 Drucken
Nachhaltigkeit bringt wirtschaftliche Vorteile
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Energie- und Versorgungsunternehmen mit fortschrittlichen Nachhaltigkeitsinitiativen erwirtschaften höhere Einnahmen, verbessern Marken- und Unternehmensbewertungen und werden von Investoren, Aufsichtsbehörden und Kunden positiver wahrgenommen. Zu diesem Schluss kommt die Studie „Powering Sustainability: Why energy and utility companies need to act now and help saving the planet“ von Capgemini.

Durch Maßnahmen-Pakete wie dem europäischen Green Deal sowie bevorstehende kohlenstoffbezogene Regulierungsfristen wird es immer teurer, in Punkto Nachhaltigkeit nicht zu handeln. Angesichts dessen gehen insbesondere große Unternehmen voran, indem sie klare, ambitionierte Ziele zur Reduzierung oder Eliminierung von Kohlenstoffemissionen aus der Wertschöpfungskette ihres Unternehmens festlegen. Große europäische Versorgungsunternehmen sind dabei führend. Capgemini befragte 600 leitende Manager in 300 Unternehmen der Branche und stellte fest, dass Energie- und Versorgungsunternehmen Nachhaltigkeit zunehmend nicht mehr rein als gesellschaftliche Pflicht, sondern als Chance auf Wachstum durch nachhaltige Geschäftsmodelle betrachten. Sie bemühen sich darum, bei der Transformation zu erneuerbarer Energie eine entscheidende Rolle zu spielen.

International sagen fast zwei Drittel (64 Prozent) der Unternehmen mit Nachhaltigkeitsinitiativen, dass sie durch einen nachhaltigen Betrieb bzw. ein nachhaltiges Angebot ihre Umsätze gesteigert haben. Mehr als die Hälfte dieser Organisationen hat in mindestens sechs saubere Einnahmequellen investiert, etwa in grünen Wasserstoff (59 Prozent weltweit) und Services für eine höhere Energieeffizienz (international 63 Prozent). Ein weiterer Gewinn nachhaltiger Investitionen ist ein steigender Markenwert durch die positivere Wahrnehmung der Umwelt- und Sozialverantwortung sowie der Unternehmensführung.

Fortschrittsbarrieren bestehen weiterhin

Trotz dieser Fortschritte tun sich Energie- und Versorgungsunternehmen noch immer schwer, Vorsätze in die Tat umzusetzen. Zwar verfolgen weltweit 57 Prozent der Unternehmen ausgereifte Nachhaltigkeitskonzepte und haben entsprechende Initiativen regional umfassend in ihrer Organisation eingeführt, sodass sie auch auf die Umweltbilanz ihrer Kunden einzahlen. Allerdings können sie bislang kaum Skaleneffekte erzielen, denn nur drei Prozent der Unternehmen haben Initiativen in mehreren Ländern skaliert oder eine umfassende globale Initiative aufgebaut.

Hinsichtlich der Emissionsreduktion zeigt die Studie, dass international weniger als die Hälfte der Unternehmen (42 Prozent) über ausgereifte Maßnahmen zur Reduzierung der Scope-1-Emissionen verfügen. Nur 3 Prozent der Unternehmen weltweit haben ausgereifte Maßnahmen zur Senkung der Scope-3-Emissionen entwickelt.

Die anhaltende Covid-19-Krise stellt eine weitere Herausforderung dar. Zwar hat die Pandemie den weltweit schnellsten Rückgang der CO2-Emissionen (um 2,4 Gigatonnen) seit 2010 ausgelöst. Allerdings müssten diese um weitere 60 Prozent gesenkt werden, um sicherzustellen, dass der Temperaturanstieg bis 2050 unter 1,5 bis 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau gehalten wird. Als Folge der Coronakrise gaben jedoch international 37 Prozent an, dass sie das Tempo der Nachhaltigkeitsinvestitionen erheblich verlangsamt haben. Weltweit sechs Prozent haben sie gar ausgesetzt.

Kurskorrekturen zum Klimaschutz

Im Hinblick auf die Begrenzung der Erderwärmung stellt die Studie fest, dass international bisher nicht einmal jedes zehnte Unternehmen (sieben Prozent) ein im Sinne des Pariser Abkommens wissenschaftlich validiertes Emissionsreduktionsziel hat. Etwa zwei Drittel der Unternehmen international (63 Prozent) lassen derzeit ihre Ziele validieren.

Auf dem Weg, dem Pariser Abkommen gerecht zu werden, befinden sich weltweit derzeit sechs Prozent der Energie- und Versorgungsunternehmen. Fast jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) hat zumindest eine Strategie, um seinen Kurs in Kürze zu korrigieren. Drei von fünf Unternehmen weltweit geben an, dass sie die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreichen werden oder dahingehend unsicher sind.

„Unternehmen müssen und wollen deutlich mehr tun als bisher, um die Klimaerwärmung gemäß dem Pariser Abkommen zu begrenzen“, so Kristin Kiri Trier, Expertin für Nachhaltigkeit, Innovation und Strategie bei Capgemini Invent. „Sie sollten dringend – gerade auch in der aktuellen Krise – einen realistischen Nachhaltigkeitsplan entwickeln und konkrete Schritte zur Energiewende unternehmen. Dazu brauchen sie geeignete Führungsstrukturen sowie technologische Lösungen und müssen eng mit ihren Stakeholdern zusammenarbeiten.“

Nachhaltigkeit: Transformation der Geschäftsmodelle nötig

Die Studienautoren geben Empfehlungen, wie Energie- und Versorgungsunternehmen eine nachhaltige Zukunft gestalten sollten. In erster Linie sollten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle radikal verändern: Investitionen in Geschäftsfelder, die auf fossilen Brennstoffen basieren, zunehmend kürzen, einen Fahrplan für die schrittweise Ablösung bestehender emissionsintensiver Anlagen aufstellen und das Kapital für erneuerbare Energien und emissionsarme Geschäftsbereiche stark aufstocken. Sie müssen zudem die Nutzung erneuerbarer Energien maximieren und neue Technologien einsetzen, um schneller nachhaltig zu werden und ihren Kunden saubere oder emissionsarme Energielösungen anbieten. So können sie Scope-3-Emissionen reduzieren und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit steigern.

Die Unternehmen der Energie- und Versorgungsbranche wissen, dass Technologie erheblich zum Erreichen der anspruchsvollen Nachhaltigkeitsziele beitragen kann. Entsprechend investieren sie bereits in eine Kombination innovativer und digitaler Spitzentechnologien wie IoT, Automatisierung, Datenanalyse, Wasserstoff- und Speichertechnologien, Elektrifizierung von Nutzeinrichtungen sowie Künstliche Intelligenz bzw. maschinelles Lernen. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Unternehmen hat mit etablierten Technologiefirmen zusammengearbeitet, um neue Ideen und Methoden auf ihre Nachhaltigkeitsagenda zu setzen. Doch trotz des potenziellen Nutzens haben globale Unternehmen technologiebasierte Anwendungsfälle bislang kaum skaliert.

„Es ist eine grundlegende, klimagerechte Transformation der Energie- und Versorgungsunternehmen erforderlich. Unternehmen, die nicht mit der gebotenen Dringlichkeit handeln, müssen mit Einnahmeverlusten rechnen und könnten Investoren abschrecken. Sie riskieren zudem ihre gesellschaftliche Akzeptanz. Die etablierten Energie- und Versorgungsunternehmen sollten ihren CO2-Ausstoß jetzt entschlossen reduzieren. Zu langsames Handeln wird sie vieles kosten; jetzt aber die richtigen Schritte zu unternehmen, kann ihre Geschäftsmodelle auf Jahrzehnte zukunftssicher machen“, so Trier.