Zweiter Lockdown trifft Österreichs Haushalte hart

09. November 2020 Drucken
Zweiter Lockdown trifft Österreichs Haushalte hart
© AdobeStock/Mariia Korneeva

Die Verschnaufpause zwischen den Lockdowns war für die meisten heimischen Haushalte zu kurz, mehr als jeder dritte kämpft weiter mit Einkommenseinbußen. Zudem kann sich jeder siebente Freiberufler seine Fixkosten derzeit nicht leisten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage von durchblicker.

Die österreichischen Haushalte haben den finanziellen Schock aus der ersten Corona-Welle kaum verdaut. 43 Prozent der Haushalte haben nach dem ersten Lockdown Einkommenseinbußen erlitten. Davon hat sich jeder sechste Haushalt in der Zeit bis zum nunmehrigen zweiten Lockdown wieder erfangen. Für den Rest der Betroffenen war die Verschnaufpause zu kurz: Weit mehr als ein Drittel der Haushalte (36 Prozent) kämpft weiterhin mit deutlichen Einbußen, zeigt eine wiederholte Umfrage von durchblicker, bei der im Frühjahr und im Oktober 1.200 Österreicher befragt wurden.

Im Durchschnitt hatten die betroffenen Haushalte im Oktober zuletzt 565 Euro weniger zur Verfügung als vor der Coronakrise – ein Einkommenseinbruch um rund 18 Prozent (verglichen mit dem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen 2019 laut Statistik Austria). Vor allem Selbstständige, Arbeitssuchende und Arbeiter bekommen die anhaltende wirtschaftliche Ausnahmesituation besonders zu spüren.

„Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass die Zeit seit der ersten Welle für die meisten Haushalte nicht ausgereicht hat, um sich wieder zu erfangen. Der zweite Lockdown und seine negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft bedeuten für die Haushalte jetzt eine zusätzliche Verschlechterung. Das bemerken wir auch im Sparverhalten der Leute bei ihren laufenden Fixkosten. Die Nutzung unserer Tarifvergleichsrechner hat seit dem Lockdown im Frühjahr deutlich zugenommen und liegt derzeit in den meisten Bereichen auf Rekordniveau“, sagt Reinhold Baudisch, Geschäftsführer von durchblicker.

Jeder zweite betroffene Haushalt (49 Prozent) führt als Grund für die Reduktion Kurzarbeit an, bei rund jedem Sechsten spielen Faktoren wie der Wegfall von Überstunden, die Kündigung oder Umsatzrückgang bei selbstständiger Arbeit eine Rolle.

Lockdown: Salzburg, Tirol und Oberösterreich finanziell am stärksten betroffen

Regional leiden aktuell Salzburger Haushalte am meisten an den finanziellen Folgen der Coronakrise (44 Prozent), gefolgt von Tirol (41 Prozent) und Oberösterreich (40 Prozent). Wie bereits im April beklagen in der Bundeshauptstadt mit einem Drittel (33 Prozent) die wenigsten Menschen Einkommensverluste. Das Ausmaß der Reduktion ist mit durchschnittlich 806 Euro in Kärnten am höchsten, gefolgt von Salzburg mit Einbußen von 618 Euro pro betroffenem Haushalt. Wien liegt mit 593 Euro im Mittelfeld.

Sorgen bei Selbstständigen, neuen Arbeitssuchenden und Arbeitern

Fixkosten stellen für die meisten eine hohe monatliche Belastung dar. Als unabhängiges Tarifvergleichsportal wollte durchblicker deshalb auch wissen, wie es um die wiederkehrenden monatlichen Zahlungen steht. Hier geben vor allem freie Dienstnehmer (14 Prozent), neue Arbeitssuchende (10 Prozent) und Arbeiter (9 Prozent) an, ihre Fixkosten aufgrund des reduzierten Einkommens nicht mehr decken zu können.

Etwa jeder Zehnte (13 Prozent) hat die Krise bisher zum Anlass genommen, seine Fixkosten zu optimieren und dadurch Geld zu sparen. “Fixkosten sind jener Lebensbereich, wo man mit einem Anbieterwechsel oft schnell die Geldbörserl entlasten kann, ohne dabei zurückstecken zu müssen. Vor allem im Bereich Versicherungen und Finanzen nützen die betroffenen Haushalte hier zunehmend das Sparpotenzial”, so Baudisch. In Summe lassen sich bei Versicherungen, Finanzen, Telefon, Internet, Strom und Gas je nach Haushalt bis zu 2.650 Euro im Jahr einsparen.