Andreas Treichl ist neuer Präsident des Europäischen Forums Alpbach

13. November 2020 Drucken
Andreas Treichl ist neuer Präsident des Europäischen Forums Alpbach
© APA (Fohringer)

Andreas Treichl, ehemaliger langjähriger Vorstandsvorsitzender der Erste Group, ist in einer außerordentlichen Sitzung der Generalversammlung zum neuen Präsidenten Europäischen Forums Alpbach (EFA) gewählt worden. Treichl folgt in dieser Funktion dem ehemaligen EU-Kommissar Franz Fischler nach, der seit 2012 an der Spitze des Forums Alpbach stand.

Als Vizepräsidentinnen fungieren künftig Marie Ringler, Europachefin von Ashoka, Katja Gentinetta, Schweizer Politikphilosophin und Universitätsdozentin, Geopolitik-Expertin und Militärsoziologin Florence Gaub, die Direktorin der European Academy of Diplomacy in Warschau und Programmdirektorin des Warsaw Security Forums Katarzyna Pisarska und Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation an der Medizinischen Universität Wien. Die bereits bisher im Vorstand des Europäischen Forums Alpbach (EFA) vertretene Direktorin des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), Shalini Randeria, bleibt Vorstandsmitglied. Magenta-Chef Andreas Bierwirth wird ab Jänner Finanzreferent. Bereits seit 1. Oktober im Amt ist der neue Generalsekretär Werner Wutscher.

„Im Jahr 2020 müssen wir alle in Sorge um die Zukunft der Europäischen Union sein. Vor 20 Jahren wuchs die EU und ihre Bedeutung in der Welt. Heute schrumpft sie und genauso nimmt ihr Einfluss ab. Daher müssen wir in unserem eigenen Interesse die Energie und den Mut finden, diesen Prozess umzukehren und Europas Platz in der Welt wieder zu festigen“, unterstrich Treichl in einer Aussendung. In diesem Zusammenhang sei das Europäische Forum Alpbach 2021 genauso wichtig wie 1945. „Demokratie, Offenheit, Diskussionskultur und eine ausgeglichene Gesellschaft sind der Schlüssel zu einem besseren Leben für alle. Diese Botschaft gilt es, in die Herzen zu pflanzen und in die Welt hinauszutragen“, so der neue Forums-Präsident. Gleichzeitig brauche es konkrete Initiativen, um die Stellung Europas in Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Kultur in einer Vielzahl von Themenfeldern zu unterstützen.

Konzentration auf Europa

Treichl plant für die Zukunft der seit 1945 bestehenden Konferenz eine noch „stärkere Konzentration auf Europa mit einer stärkeren Rolle der jungen Teilnehmer“, wie der frühere Erste Group-Chef im Gespräch mit der APA sagte. „Ich glaube, dass wir uns jetzt einmal für die nächsten Jahre noch näher als in der Vergangenheit am Namen des Forums orientieren sollten.“ Gerade die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten gezeigt, „dass die Welt dringend ein starkes Europa benötigt, das aufgrund seiner wissenschaftlichen Bildung und wirtschaftlichen Kapazitäten in der Lage ist, seine Stimme in der Welt zu erheben. Europa ist mit allen Unzulänglichkeiten, die wir haben, wahrscheinlich noch immer der Kontinent mit der ausgewogensten Gesellschaft auf dieser Welt, und das in sich selber ist ein sehr starker Sicherheitsfaktor“, betonte Treichl. „Ich glaube, dass es für die nächsten Jahre sehr, sehr gut wäre, wenn die Stimme Europas wieder stärker wird.“

Ein weiteres Anliegen sind dem neuen Präsidenten interdisziplinäre Gespräche. „Es hängt alles zusammen: Wenn wir in Alpbach über den Green Deal reden, dann hätte ich gerne, dass alle Beteiligten anwesend sind – das hat eben nicht nur mit Green Technology zu tun, das hat sehr viel mit Politik zu tun, hat sehr viel auch mit Finanzierung zu tun und mit den Auswirkungen auf die Wirtschaft.“ Beim Green Deal könnten die Gesundheitsgespräche ebenso „einen Platz haben“ wie die Technologiegespräche, die Wirtschaftsgespräche, die Politischen Gespräche und die Rechtsgespräche. „Wir würden es gerne mehr themenbezogen machen und weniger in Silos arbeiten, als es zum Teil in der Vergangenheit der Fall war.“

Seit Jänner Aufsichtsratsvorsitzender der Erste Stiftung

Treichl studierte Volkswirtschaft an der Universität Wien und startete seine Bankkarriere 1977 als Kreditanalyst in der Chase Manhattan Bank in New York, für die er später in verschiedenen Managementpositionen in Brüssel, Athen und Wien tätig war. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Ersten Österreichischen Spar-Casse und hatte ab Juli 1997 bis Ende 2019 mehr als 22 Jahre lang den Vorstandsvorsitz der Ersten inne. Treichl initiierte auch die Gründung der Erste Stiftung, deren Vorsitzender er von 2003 bis 2012 war und die sich der Förderung von sozialer Innovation, europäischem Zusammenhalt und Demokratie sowie zeitgenössischer Kultur in Zentral- und Osteuropa widmet. Seit Jänner ist Treichl Aufsichtsratsvorsitzender der Erste Stiftung.

Das seit 1945 bestehende Europäische Forum Alpbach ging heuer aufgrund der Corona-Pandemie vorwiegend online über die Bühne. Auch nächstes Jahr soll die Konferenz zum gewohnten Zeitpunkt im Spätsommer stattfinden. Generalthema 2021 ist „The Great Transformation“. (APA/red)