Skigebiete: Tourismus bangt um Millionen Winterurlauber

01. Dezember 2020 Drucken
Skigebiete: Tourismus bangt um Millionen Winterurlauber
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Beim Vorstoß Italiens und Deutschlands, die europäischen Skigebiete coronabedingt bis in den Jänner hinein geschlossen zu halten, steht für die heimischen Touristiker viel auf dem Spiel. Vergangenen Winter beherbergten diese fast 16 Millionen Gäste.

Der Aufruf aus Deutschland, die Skigebiete über Weihnachten und Neujahr geschlossen zu halten, empört viele in Österreich und der Schweiz. Sie wollen sich das Weihnachtsgeschäft mit den Wintertouristen nicht vermasseln lassen – auch wenn die Infektionszahlen in beiden Ländern zurzeit deutlich höher sind als etwa in Deutschland. Auch Italien und Frankreich sind für eine Öffnung der Skigebiete erst im Jänner. „Rund 70 Prozent der Urlauber im Winter entfallen auf den alpinen Raum, die Lifte- und Gondelregionen, sind also Skifahrer“, sagte der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Martin Stanits. Der Rest seien Städtetouristen oder Besucher der Thermenregionen, der allergeringste Anteil entfalle auf Geschäftsreisende, ergänzte der Branchensprecher unter Verweis auf eine entsprechende geografische Erhebung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo).

In normalen Jahren steigerten sich die Buchungen der Wintersportler dem Hotelierssprecher zufolge ab Mitte November bis inklusive Februar ständig – mit einer leichten Zwischenabflachung im Jänner. „Der Februar ist der stärkste Monat“, ergänzte er. Da schlugen bisher immer die Semesterferien durch.

Nur ein Viertel der Touristen kommt aus Österreich

Das Gros der Winterbuchungen kommt von den Deutschen und von den Österreichern selbst. Von den in Summe knapp 16 Millionen Österreich-Urlaubern im vergangenen Winterhalbjahr 2019/20 (November 2019 bis April 2020) reisten laut Statistik Austria 11,5 Millionen aus dem Ausland an. Nur 4,5 Millionen kamen aus Österreich – also nur ein Viertel aller Touristen. In den westlichen Bundesländern Tirol und Vorarlberg ist der Inlandsanteil sogar noch wesentlich geringer.

Die Coronapandemie hat das Winterhalbjahr 2019/20 bereits spürbar beeinträchtigt, da der erste Lockdown vom März/April noch in diese Periode fiel. Unter dem Strich lag die Urlauberzahl dadurch um fast ein Viertel (24 Prozent) unter dem Jahr davor. Der aktuelle Winter ist im November angesichts der hohen Infektionszahlen gleich mit geschlossenen Hotels und Pisten gestartet. Wann die Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie wieder uneingeschränkt öffnen dürfen, hoffen sie am Mittwoch im Zuge der erwarteten Ankündigungen der Bundesregierung zu erfahren.

„So schnell wie möglich öffnen“

Über den optimalen Zeitpunkt für die Wiederöffnung herrscht bei den Hoteliers Uneinigkeit. Knapp die Hälfte (46,5 Prozent) der Betriebe will spätestens bis Weihnachten aufsperren dürfen, etwas über die Hälfte danach, wie aus einer Umfrage der Hoteliervereinigung hervorgeht, die der APA exklusiv vorliegt.

„So schnell wie möglich“ öffnen möchten 23,5 Prozent, vor Weihnachten – sprich ab dem 20. Dezember – aufmachen wollen weitere 23 Prozent. Mitte Jänner starten wollen 43 Prozent; knapp nach Weihnachten – am 26. Dezember – loslegen, also versuchen, auch das Silvestergeschäft noch mitzunehmen, wollen weitere 10 Prozent. Knapp ein Viertel aller Befragten betonte aber zugleich, dass für das Aufsperren „alleine die Infektionszahlen entscheidend“ seien.

Skigebiete: Betriebe mit Sicherheitsmaßnahmen vertraut

Fast neun Monate nach Einsetzen des Corona-Schocks sind die heimischen Tourismusbetriebe jedenfalls mit den entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen vertraut. Neben den österreichweit bereits etablierten Regeln – dem Abstandhalten, Maskentragen und Händewaschen – gibt es noch eine Reihe von zusätzlichen Maßnahmen, die in dieser Wintersaison auf der Tagesordnung stehen, um den Aufenthalt der Urlauber möglichst sicher zu gestalten.

Das Après-Ski in der gewohnt-geselligen Form ist gestrichen. Der Konsum von Speisen und Getränken darf – auch in den Außenbereichen – nur im Sitzen erfolgen. Abseits der Pisten kann in der Gastronomie im Freien auch im Stehen konsumiert werden – etwa an Imbiss- und Punschständen auf Weihnachtsmärkten und bei Würstelständen. Der Betreiber hat dabei aber sicherzustellen, dass das Essen und Trinken nicht in unmittelbarer Nähe der Ausgabestelle erfolgt.

Online-Petition der Seilbahner

Kurz vor dem Ende des harten Lockdown in Österreich und zu Beginn der Adventszeit richten sich die Österreichischen Seilbahnbetreiber mit einem Hilfeschrei an diejenigen, die in den letzten Tagen eine unfaire Kampagne gegen Wintersport und Skiurlaub realisiert haben. Dazu der Sprecher Österreichischen Seilbahnwirtschaft Franz Hörl: „Die Seilbahnwirtschaft und die Tourismuswirtschaft im gesamten Alpenbogen hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten verantwortungsbewusst gezeigt. Wir in Österreich haben umfassende von Experten geprüfte und vom Gesundheitsministerium für gut befundene Sicherheitskonzepte erarbeitet und umgesetzt. So wie in der Schweiz möchten wir aber unserer Aufgabe nachkommen und öffnen – auch wenn wir wissen, dass wir anfangs der Saison sicher viel Geld verlieren, weil wir immer noch mit einer Flut an Reisewarnungen und teils unfairen Angriffen konfrontiert sind. Aber die Menschen, unsere internationalen Freunde und Stammgäste wollen Winterferien machen und wir können dies in einem maximal sicheren Umfeld auch anbieten.“

Um diese Bemühungen zu unterstreichen wurde ein offener Brief an die Regierenden der Alpenländer verfasst und in vier Sprachen versandt. Zudem startet die Fachvertretung der Österr. Seilbahnen eine Online-Petition für einen fairen Umgang mit dem alpinen Wintersport und eine maßvolle Öffnung der Seilbahnanlagen. (APA/red)

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.