Klimaberichterstattung der Unternehmen nach wie vor verbesserungswürdig

15. Dezember 2020 Drucken
Klimaberichterstattung der Unternehmen nach wie vor verbesserungswürdig
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Laut einer Analyse von PwC berichten zwar bereits 95 Prozent der untersuchten börsennotierten Unternehmen in der DACH-Region über Klimathemen, es fehlt aber zumeist eine konkrete Roadmap zur Messung und Erreichung der kommunizierten Klimaziele.

Die gute Nachricht vorweg: Mehr als 95 Prozent der börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz berichten mittlerweile über Klimathemen. Die schlechte Nachricht: Angesichts der gewaltigen Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt, lassen die Tiefe und Qualität der Klimaberichterstattung zu wünschen übrig. So kommunizieren die meisten Unternehmen zwar über ihre Klimaziele, aber nur wenige haben einen konkreten Plan mit Meilensteinen und einer Roadmap entwickelt, der im Detail beschreibt, wie sie diese Ziele erreichen und die Fortschritte messen wollen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von PwC, für die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft die Klimaberichterstattung von 130 Unternehmen im deutschen DAX 30 und MDAX sowie im österreichischen ATX 20 und im Schweizer SMI 20 analysiert hat.

„Der Klimawandel ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts und das beherrschende Thema in Politik und Gesellschaft. Umso enttäuschender ist es, dass die Klimaberichterstattung börsennotierter Unternehmen dieser Bedeutung noch nicht gerecht wird. Der Wille, sich mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen ist zwar da, aber bei der Umsetzung bzw. transparenten Darstellung der Fortschritte hapert es zuweilen noch“, sagt Birgit Haberl-Arkhurst, Sustainability Expertin bei PwC Österreich.

Klimaszenarioanalysen selten genutzt

Über alle drei untersuchten Länder hinweg berichten mehr als zwei Drittel der Unternehmen über klimabezogene Risiken. Die Chancen, die sich aus Klimaveränderungen ergeben können, werden aber bisher nur von etwa der Hälfte der untersuchten Unternehmen betrachtet. Und nur weniger als jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) nutzt im Reporting Klimaszenarioanalysen, um zu zeigen, wie klimabedingte Risiken und Chancen identifiziert und gesteuert werden. „Obwohl es mittlerweile viele konkrete Anhaltspunkte und Methoden gibt, wie Unternehmen extern über ihre Klimaauswirkungen berichten können, zeigt unsere Analyse: Insbesondere der Umgang mit Klimarisiken und -chancen steckt bei zahlreichen Unternehmen noch in den Kinderschuhen“, so die Einschätzung von Haberl-Arkhurst.

Und auch bei der konkreten Umsetzung der gesteckten Klimaziele besteht noch Luft nach oben: Nur knapp 40 Prozent der analysierten Unternehmen verknüpfen ihre Klimaziele mit einer spezifischen Roadmap, die konkrete Meilensteine, Zwischenziele und Maßnahmen aufzeigt. „Ein Großteil der Unternehmen scheint noch keine Klarheit darüber zu haben, welche Kennzahlen für das Messen des Fortschritts im Rahmen der Klimaberichterstattung genutzt und berichtet werden sollen. Die gesteckten Ziele erscheinen dadurch weniger glaubwürdig und greifbar“, so Haberl-Arkhurst.

Klimaberichterstattung verbesserungswürdig

Dazu kommt: Nur weniger als jedes dritte Unternehmen setzt verwendete klimabezogene Kennzahlen zu etablierten Finanzkennzahlen oder operativen Steuerungsgrößen ins Verhältnis – analysiert die Emissionen also beispielsweise im Verhältnis zum Umsatz. „Wenn diese Informationen jedoch nicht transparent dargestellt werden, ist es für die Stakeholder schwierig, die Bedeutung der jeweiligen Kennzahl für das Unternehmen zu verstehen, zu vergleichen und kritisch zu würdigen“, so das Fazit von Birgit Haberl-Arkhurst.

Die untersuchte Berichterstattung der Klimagovernance lässt vermuten, dass bei einigen Unternehmen Steuerungsfunktionen nicht klar definiert sind. Zumindest aber fehlt häufig die Transparenz über die Verankerung im Management. Das erschwert es Investoren und anderen Stakeholdern einzuschätzen, ob sich die Geschäftsleitung angemessen mit den Folgen des Klimawandels befasst und ob das Unternehmen anpassungsfähig genug aufgestellt ist, um den erwarteten Herausforderungen Herr zu werden.

Ergänzt wurde die inhaltliche Analyse durch eine KI-gestützte Textanalyse der Universität Hamburg. Durch diese konnten die Wissenschaftler fundiert aufzeigen, wie intensiv Unternehmen die relevanten Klimabegriffe in die Berichterstattung integrieren. “Sowohl bei der Integration als auch beim Umfang klimabezogener Informationen gab es in der Berichterstattung deutliche Unterschiede – und das über die Indizes hinweg”, so Prof. Kerstin Lopatta von der Universität Hamburg. Interessant ist, dass Unternehmen es auch schaffen können, über mehrere Berichtsformate hinweg “integriert” und konsistent zu berichten, solange der rote Faden erkennbar ist.

„Building Public Trust Award 2020“ verliehen

Es gibt aber bereits Vorreiter, die in vorbildlicher Art und Weise über Klimaziele und ihre erzielten Fortschritte auf dem Weg zur Zielerreichung berichten. Um diese Unternehmen zu würdigen, verleiht PwC jährlich den „Building Public Trust Award“. Eine Fachjury bestehend aus Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Investoren, Aufsichtsräten und einer Rating-Agentur wählte in diesem Jahr die fortgeschrittensten Unternehmen mit Blick auf eine konsistente und glaubwürdige Klimaberichterstattung aus.

Im österreichischen ATX setzte sich Lenzing durch. Das Unternehmen, das sich auf die Produktion und den Vertrieb von Fasern für die Textilindustrie fokussiert, beeindruckte mit seiner ganzheitlichen klimabezogenen strategischen Ausrichtung und klaren Zielvorgaben, welche mit aussagekräftigen spezifischen Kennzahlen untermauert sind.