Coronavirus: Nach Erkrankung zumindest monatelanger Schutz

15. Januar 2021 Drucken
Coronavirus: Nach Erkrankung zumindest monatelanger Schutz
©APA (dpa)

Fast 390.000 Menschen haben sich in Österreich seit Beginn der Coronavirus-Pandemie labormäßig bestätigt mit SARS-CoV-2 infiziert bzw. deren Infektion wurde im Rahmen von Krankheitssymptomen nachgewiesen.

Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass sie danach zumindest sechs bis acht Monate immun gegen das Coronavirus bleiben. Dies erklärte auch Daniela Weiskopf vom La Jolla Institute for Immunology (USA) bei einem AGES-Online-Expertengespräch. „Nach einer Infektion besteht je nach Verlauf mindestens sechs Monate eine Immunität. Ein ‚Immun-Gedächtnis‘ ist (bisher; Anm.) bis zu acht Monate nach einer SARS-CoV-2-Infektion nachweisbar“, hatte auch vor kurzem der Wiener Reise- und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch, einer der österreichischen Doyens im Impfwesen, bei einer Ärzte-Fortbildungsveranstaltung festgestellt. Bei Impfstoffknappheit könne deshalb eine Impfung von Ex-Covid-19-Patienten „gefahrlos“ um sechs Monate zurückgestellt werden. „Sie sind geschützt“, sagte der Experte.

Die Angelegenheit rund um eine „natürlich“ erworbene Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung hat in zweifacher Hinsicht enorme Bedeutung: Erstens müssten sich Regelungen für „Raus-“ oder „Reintesten“ bei Ex-Covid-19-Patienten sachlich fundiert auch an deren Immunstatus orientieren, andererseits geben Erkenntnisse über eine potenziell bleibende Immunantwort gegen SARS-CoV-2 auch einen Hinweis für die Optimierung von Vakzinen und Impfstrategien.

Daniela Weiskopf präsentierte Daten aus mehreren Studien. Sie betrafen alle Aspekte der Immunantwort auf Covid-19: zur Antikörperbildung durch B-Zellen (Immungobulin A – IgA; Immunglobulin M – IgM; Immunglobulin G – IgG, zu T-Zellen), CD4-positive Zellen) und zu Killer-Zellen (CD8-Zellen). Dabei stellte laut der Expertin folgendes heraus: „Alle Covid-19-Patienten zeigen spezifische Antikörper – IgA, IgM und IgG.“ Immunglobulin A-Antikörper sind besonders wichtig für die Erstabwehr einer erneuten Infektion, weil sie in den Schleimhäuten der Atemwege auftreten. IgG vermittelt quasi „inneren“ Schutz.

Coronavirus: „Gute B- und T-Zellantworten“

T-Helferzellen (CD4-positive Zellen) sind von entscheidender Bedeutung für die Antikörperreaktion. CD8-positive T-Killerzellen töten bereits von Viren infizierte Zellen im Körper ab. „Alle Covid-19-Patienten haben eine gegen SARS-CoV-2 spezifische CD4-Zellantwort. Die Mehrheit der Betroffenen zeigt auch eine spezifische CD8-Zellantwort. Wir haben gute B- und T-Zellantworten bei Covid-19-Patienten in der Genesungsphase dokumentiert“, stellte Daniela Weiskopf fest.

Die Wissenschafter untersuchten das bei 188 Covid-19-Patienten im Alter zwischen 19 und 81 Jahren. 90 Prozent davon hatten eine milde Verlaufsform der Erkrankung (drei Prozent moderat, vier Prozent schwer, zwei Prozent asymptomatisch). Der Verlauf der Immunantwort wurde bisher bis zu acht Monate lang nachbeobachtet.

Einige der Erkenntnisse laut der Expertin: „Auch nach acht Monaten haben die Coronavirus-Patienten noch IgG-Antikörper gegen das Spike-Protein des Virus im Blut. Nach einer Konzentrationsspitze geht das in ein Plateau über.“ Auch die IgA-Antikörper, die gegen das erneute Eindringen von SARS-CoV-2 über die Schleimhaut des Atemtraktes schützen, zeigten „eine sechs bis acht Monate dauernde“ Antwort.

Bei einer Abwehrreaktion auf Krankheitserreger kommt es längerfristig auch auf das immunologische Gedächtnis an. Auch dafür haben die Wissenschafter Hinweise bei den von Covid-19 wieder gesundeten Personen gesammelt: „Spezifische B-Gedächtniszellen für das Spike-Protein des Virus stiegen innerhalb der ersten 150 Tage an und erreichten dann ein Plateau.“ Das war bis zu acht Monate lang zu beobachten. Damit würden die B-Gedächtniszellen im Falle einer Neuinfektion sofort wieder spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 produzieren.

„Mehr als sechs Monate nach einer Covid-19-Erkrankung zeigte sich, dass 90 Prozent der Patienten noch immer positiv für drei von fünf Immungedächtnis-Antworten waren“, erklärte die Expertin. Es gibt offenbar auch eine Kreuzreaktion des Immunsystems von Menschen, die zwar eine Infektion mit anderen seit langem in der Weltbevölkerung als harmlose Erkältungserreger zirkulierenden Coronaviren hatten, aber nicht mit SARS-CoV-2 infiziert wurden. Genaue Erkenntnisse über die Bedeutung dieser Fakten stehen aber noch aus.

Sehr wenige „mögliche Reinfektionen“

Was Daniela Weiskopf darstellte, wird durch eine aktuelle und noch nicht nach Peer Review publizierte Studie der englischen Gesundheitsbehörden unterstützt. Von 6.614 infizierten Beschäftigten von Public Health England (Juni bis November 2019) gab es nur bei weniger als einem Prozent (44 Fälle) „mögliche Reinfektionen“. Nur bei zwei der Betroffenen wurde eine Reinfektion überhaupt als „wahrscheinlich“ klassifiziert, erklärte Susan Hopkins von „Public Health England“ bei einer Pressekonferenz in London.

„Eine Reinfektion ist ziemlich unwahrscheinlich. Das ist die gute Nachricht. Aber man sollte (als Ex-Covid-19-Betroffener) deshalb nicht ohne Maske herumlaufen“, erklärte dazu John Wherry (Universität von Pennsylvania/USA) gegenüber der Wissenschaftszeitschrift „Nature“. (APA/dpa)

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