„Umweltfreundliche Technologien werden auf Jahre hinaus wachsen“

12. Februar 2021 Drucken
„Umweltfreundliche Technologien werden auf Jahre hinaus wachsen“
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Technologie und speziell umweltfreundliche Technologien waren die Börsenthemen schlechthin im letzten Jahr. Durch die klaren politischen Vorgaben hält der Aufwärtstrend bei diesen Aktien an. Dieter Kerschbaum, Communications Specialist Österreich bei Erste Asset Management hat mit dem Senior Professional Fondsmanager Clemens Klein über das abgelaufene Jahr, die Bewertungen und Zukunftsaussichten von Aktien der Umwelttechnologie gesprochen.

Die beiden Umweltfonds ERSTE WWF STOCK ENVIRONMENT sowie ERSTE GREEN INVEST bzw. ERSTE GREEN INVEST MIX konnten im abgelaufenen Jahr (Stand Ende Dezember 2020) eine erfreuliche Entwicklung verzeichnen – mit überdurchschnittlichen Wertzuwächsen für die Inhaber von Fondsanteilen.

Das Jahr 2020 ist für die Umweltaktienfonds und nachhaltige Investitionen generell sehr positiv gelaufen. Worauf führen Sie die Entwicklung zurück?

Aktien aus dem Technologie-Bereich standen im Fokus der Anleger. Der Bereich der Umwelttechnologie mit seinen vielen Innovationen war dabei federführend. Wenn man die einzelnen Segmente betrachtet, so standen Aktien der Solarenergie an der Spitze der Wertzuwächse. Aber auch alles, was mit Wasserstoff und Windenergie zu tun hatte, verzeichnete ein positives Jahr. Weniger stark zeigte sicher der Bereich Mobilität und vor allem das Thema Wasser, das deutlich hinter der Gesamtmarktentwicklung zurück blieb.

Man konnte also nicht viel falsch machen?

Sagen wir so: Die Kapitalströme sind trotz der weltweiten Pandemie nicht „abgerissen“. Die AnlegerInnen zeigten sich wenig beeindruckt und sehen die Umwelttechnologie als klare Zukunftsinvestition. Aber ja: Schiefgehen kann immer etwas – zum Beispiel, wenn man alles auf eine Karte setzt. Wenn man sein Geld in Aktien der Umwelttechnologie anlegen möchte, so empfiehlt sich eine Streuung über möglichst viele verschiedene Aktien und Geschäftszweige.

Und diese Aufgabe erfüllt nun einmal ein Fonds hervorragend. Klar man sich auch selbst schlau machen und sich einige Titel herauspicken, die man selbst als chancenreich erachtet. Aber unter all den investierbaren Aktien – da sprechen wir immerhin von mehreren hundert Unternehmen, mag sich das eine oder andere befinden, das möglicherweise die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllen kann. Wenn es dann möglicherweise rasch zu einem Kursverfall kommt, so können in einem Fonds die anderen Titel, die sich gut bzw. hervorragend entwickeln, den gefallenen Wert “auffangen“ Von daher ist ein Fonds auch immer unter dem Aspekt der Risiko-Streuung zu sehen. Abgesehen davon brauchen wir uns mit der Wertentwicklung nicht verstecken.

Welche Aktien liefen besonders gut in den Umwelttechnologie-Fonds?

Die Auswahl der Titel, die „richtige“ Selektion – wenn man so will „ein gutes Händchen“ – spielt eine entscheidende Rolle. Das gelingt nicht in jedem Jahr, aber wir freuen uns, dass wir zum wiederholten Male mit der Auswahl der Titel eine überdurchschnittliche Wertentwicklung für unsere KundInnen generieren konnten.

Im Solarbereich war die Aktie Enphase Energy der Top-Performer. Aber auch andere Titel wie Sunrun, Sunpower Daqo oder Sunnova lieferten wesentliche Beiträge zur Performance der Fonds (Quelle: Bloomberg). Daneben zeigten Titel aus dem Bereich Brennstoffzellen/Wasserstoff (Plug Power, Ceres Power, Nel ASA, Ballard Power) sowie Spezialwerte im Bereich E-Mobilität (Workhorse, Niu Technologies) und Windenergie (TPI Composites) deutliche Zugewinne.

Wie sind die Zukunftsaussichten für den Bereich Umwelttechnologie? Warum könnten die Aktien weiter steigen?

Die Aussichten für Investments in den Bereichen Ökologie und Umwelttechnologie bleiben auch für 2021 unverändert positiv. Der Wahlsieg Joe Bidens in den USA wird, neben dem European Green Deal, für zusätzlichen politischen Rückenwind in vielen Bereiche der Umweltbranche sorgen. Im Fokus stehen dabei Themen wie Elektromobilität, Energieeffizienz, Wasserstoff sowie Erneuerbare Energie. So sollen allein in Europa bis 2025 zwei Millionen Ladestationen installiert werden, um den Umstieg auf Elektroautos voran zu bringen. In den USA sieht der Klimaplan des neuen Präsidenten die Sanierung von 4 Millionen Gebäuden vor: mit den Schwerpunkten Beleuchtung, Wärmedämmung sowie Heizung und Klimatisierung.

Und auch in Europa soll die Renovierungsrate von Altbauten verdoppelt werden. Sowohl in den USA als auch in Europa aber vor allem in China werden in den kommenden Jahren hunderte Milliarden Euro in den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur investiert. Und natürlich bleibt Erneuerbare Energie weltweit eines der bestimmenden Themen im Umweltbereich. Wir haben in den vergangenen Monaten unsere Gewichtungen in allen angeführten Themen erhöht, um diese politischen Maßnahmen verstärkt abzubilden.

Aber man sagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Letztendlich muss sich das am Ende „rechnen“ – klarerweise für die Umwelt- und Klimabilanzen und die Investoren. Werden dabei beide Seiten auf ihre Rechnung kommen?

Neben der politischen Unterstützung sind es zunehmend aber vor allem auch wirtschaftliche Gründe, die für die positiven langfristigen Perspektiven von Investitionen in umweltfreundliche Technologien sprechen. In vielen Teilen der Welt ist die Solarenergie heute eine der billigsten Formen der Stromerzeugung, wodurch Subventionen überflüssig werden. Das ist insgesamt sehr positiv zu bewerten.

Der deutliche Rückgang der Batteriepreise in den letzten Jahren (minus 80 Prozent seit 2010, minus 50 Prozent seit 2015) verhilft nicht nur der E-Mobilität zum Durchbruch, sondern wird in absehbarer Zeit dazu führen, dass Sonnen- oder Windenergie einschließlich der Speicherung die billigste Form der Stromerzeugung sein werden. Dies wird unweigerlich zu einer weiteren Beschleunigung der Nachfrage führen. Aber auch andere Bereiche der Fonds wie Recycling (Stichwort: Kunststoffe) oder Wasser werden in vielen Teilen der Welt immer wichtigere Themen und sollten deshalb auf Jahre hinaus deutlich überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen.

Fazit

Die Kursentwicklung von Aktien der Umwelttechnologie wird auch im Jahr 2021 stark davon abhängen, wie sich die internationalen Aktienmärkte entwickeln. In einem anhaltend freundlichen Umfeld sind auch die Aussichten für den ERSTE GREEN INVEST und den ERSTE GREEN INVEST MIX positiv einzuschätzen. Angesichts der gestiegenen Bewertungsniveaus an den Börsen sind zwischenzeitliche Korrekturen jederzeit möglich und „gesund“. Die überdurchschnittlichen Wachstumsraten der „grünen Unternehmen“ sollten sich langfristig in besseren Ertragsmöglichkeiten für Fonds mit einem Fokus auf Ökologie und Umwelttechnologie niederschlagen.