FWF muss Förderschienen aussetzen

18. Februar 2021 Drucken
FWF muss Förderschienen aussetzen
© APA (Gindl/Symbolbild)

Der Wissenschaftsfonds FWF muss aus Geldmangel drei Förderschienen aussetzen. Es handelt sich dabei um die Programme „Zukunftskollegs“, „doc.funds“ und „#ConnectingMinds“.

Zudem müssen die Förderprogramme „Forschungsgruppen“ und „Spezialforschungsbereiche“ reduziert werden. Grund dafür ist der Wegfall der Mittel aus der Nationalstiftung, teilte der FWF mit.

Seit Monaten warnen Institutionen der österreichischen Forschungslandschaft vor dem Ausfall der Nationalstiftungs-Mittel und fordern eine rasche Umsetzung des im Regierungsprogramm geplanten „Fonds Zukunft Österreich“. Sogar ÖVP-Forschungssprecherin Therese Niss hat eine entsprechende Petition in den Nationalrat eingebracht.

Hintergrund der Besorgnis ist das Auslaufen von zwei Finanzierungsquellen der Forschungsförderung mit Ende 2020: Dabei geht es einerseits um die 2017 beschlossene Sonderdotierung der Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung mit jährlich 100 Mio. Euro, andererseits um den – aus den Einnahmen aus dem erhöhten Steuersatz von 55 Prozent gespeisten – Österreich-Fonds mit Ausschüttungen in Höhe von jährlich rund 33 Mio. Euro. Zusammen mit ebenfalls über die Nationalstiftung vergebenen ERP-Zinserträgen geht es insgesamt um rund 140 Mio. Euro jährlich, die ab 2021 nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bewilligungsquoten stagnieren auf niedrigem Niveau

Der FWF hatte zwischen 2018 und 2020 von der Nationalstiftung rund 25 Mio. Euro jährlich erhalten, das sind rund zehn Prozent seines Förderungsbudgets. Nach dem Wegfall dieser Mittel bleibe „die budgetäre Situation in der wettbewerbsorientierten Forschungsförderung angespannt, die Bewilligungsquoten stagnieren auf niedrigem Niveau, zu viele exzellent bewertete Forschungsanträge müssen weiterhin aus Geldmangel abgelehnt werden“. Nach Ansicht des FWF wird das positive Signal in der von der Regierung kurz vor Weihnachten beschlossenen neuen Forschungsstrategie, die für den Grundlagenforschungsbereich mehr Förderungsmittel vorsieht, durch diesen Wegfall stark getrübt.

FWF-Ausfall trifft Doktoranden

Der FWF hat aufgrund der Situation nun beschlossen, die Programme „Zukunftskollegs“, „doc.funds“ und „#ConnectingMinds“ im laufenden Jahr nicht auszuschreiben. Ohne Weiterfinanzierung könnten sie auch 2022 nicht fortgesetzt werden. Mit den „Zukunftskollegs“ förderte der FWF innovative, interdisziplinäre Teams von Nachwuchsforschern nach der Promotion. Der Wegfall von „doc.funds“ trifft vor allem Doktoranden, mit der Förderung wurden Doktoratsprogramme unterstützt. Das erst vor einem Jahr gestartete Programm „#ConnectingMinds“ wollte wissenschaftsferne Akteure in Teams einbinden, die wissenschaftliches und gesellschaftliches Wissen verbinden.

Eine Schwächung des Forschungsstandortes durch das Aussetzen der Förderschienen ortet SPÖ-Forschungssprecherin Sonja Hammerschmid. Da diese vor allem auf Nachwuchswissenschafter ausgerichtet waren, werde Österreich für diese Altersgruppe unattraktiver, so Hammerschmid in einer Aussendung. Der Ausfall der Mittel der Nationalstiftung sei lange bekannt gewesen. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) habe über Monate versprochen, sich der Sache anzunehmen. „Nichts ist passiert. Er lässt die nationale Forschungsförderung einfach aushungern“, so Hammerschmid. (APA/red)