Öffnungsplan: Enttäuschung bei Gastronomie, Hotellerie und Tourismusbranche

02. März 2021 Drucken
Öffnungsplan: Enttäuschung bei Gastronomie, Hotellerie und Tourismusbranche
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Regionale Lösung und Öffnung der Schanigärten seien Lichtblicke, würden aber dem Großteil der Betriebe nicht nützen. Gefordert werden klare Perspektiven und Planbarkeit.

Auch wenn der verkündete Weg einer regional unterschiedlichen Vorgangsweise und erster Öffnungsschritte in Vorarlberg sowie die österreichweite Öffnung der Schanigärten ab Ostern Lichtblicke sind, so überwiegen für einen Großteil unserer Betriebe dennoch Frustration und Enttäuschung, denn für sie bedeutet das eine Verlängerung des Lockdowns“, kommentieren die Obleute der Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler und Mario Pulker, den aktuellen Öffnungsplan der Bundesregierung. Da der Dauerlockdown für Unternehmer und ihre Mitarbeiter sowie Gäste eine enorme Belastung darstellt, hatten viele Betriebe auf ein rasches Öffnen gedrängt.

“Wir haben gezeigt, wie sicheres Öffnen geht, und unsere Hausaufgaben gemacht. Präventions- und Hygienemaßnahmen liegen am Tisch, gemeinsam mit Eintrittstests sowie Abstands- und Maskenpflicht hätten wir unseren Gästen größtmögliche Sicherheit bieten können. Man muss an Urlaub in Österreich wieder glauben können“, so Kraus-Winkler.

Perspektive und Planbarkeit gefordert

„Wir haben immer wieder auf die notwendige Vorlaufzeit hingewiesen. Mit jeder weiteren Verschiebung verlieren immer mehr Betriebe, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Vertrauen in eine planbare, baldige Öffnung. Je länger eine solche rausgezögert wird, um so schwieriger wird es auch, Mitarbeiter zu halten oder für die kommende Saison zu finden“, so Kraus-Winkler.

Die aktuellen Ergebnisse der bisherige Wintersaison würden – mit einem Einbruch der Nächtigungen um 92,3 Prozent von November 2020 bis Jänner 2021 – die dramatische Situation der Betriebe widerspiegeln. Für die entstandene und noch entstehende Neuverschuldung der Betriebe – durch Überbrückungskredite sowie gestundete Steuern und Abgaben – brauche es „dringend eine langfristige Lösung“, unterstreicht Kraus-Winkler: „Die kann nur heißen: Fremdkapitalbelastung reduzieren, Eigenkapital stärken und zusätzlich ganz wichtig Liquidität jetzt wieder sichern. Betriebe stehen hier mit dem Rücken zur Wand.“

Ernüchterung der Tourismussparte über zaghaften Öffnungsplan

Ernüchtert und enttäuscht zeigt sich auch der Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Robert Seeber, von den Öffnungsplänen der Regierung.

„Ich verstehe, dass die Situation angesichts der steigenden Infektionszahlen und der Mutationen herausfordernd ist und ein ständiges Auf- und Zusperren mehr schadet als nützt. Dennoch benötigen unsere Unternehmen, Gäste und Mitarbeiter endlich eine verbindliche Zusage zum raschen und dauerhaften Wiederöffnen.“ Zu dem angekündigten Probelauf in Vorarlberg brauche es nun dringend eine Perspektive für alle Tourismusbetriebe in ganz Österreich“, so Seeber.

Die Pandemie werde sich so schnell nicht in Luft auflösen, so Seeber: „Wenn wir die notwendigen Spielregeln einhalten, ist ein sicheres Öffnen und Offenhalten möglich. Dies bestätigen auch internationale Beispiele oder die Erfahrungen in anderen Bereichen, wo vielfach eine höhere Kundenfrequenz herrscht und Eintrittstests nicht erforderlich sind.“

Weiters appelliert der oberste Tourismussprecher, dass nach insgesamt mehr als einem halben Jahr des geschlossen Haltens, Betriebe wie auch Mitarbeiter an ihre wirtschaftlichen und psychischen Grenzen stoßen. Mittels umfangreichen Präventionskonzepten, Mitarbeitertests und Eintrittstestungen könne das Infektionsrisiko, wie auch alle einschlägigen Studien bestätigen, auf ein Minimum reduziert werden.

Abschließend spricht sich Seeber für ein verbindliches Öffnungsdatum für alle Branchen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft aus: „Es ist notwendig und längst überfällig, dass nun endlich ein konkretes Datum fixiert wird und bis dahin die Unterstützungen verbessert sowie rasch und unbürokratisch abgewickelt werden. Bei der Kurzarbeit sind tourismusspezifische Adaptierungen notwendig ebenso wie Liquiditätshilfen für den Restartprozess. Je mehr das Tempo bei den Impfungen forciert werde, und je früher internationale Kriterien für die Reisefreiheit akkordiert werden, desto schneller kann sich der Tourismus wieder erholen und Österreich seinem Ruf als einem der besten Gastgeberländer der Welt gerecht werden.“

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.