Weltwetterorganisation (WMO) aktualisiert Referenzrahmen für Klimadaten

09. März 2021 Drucken
Weltwetterorganisation (WMO) aktualisiert Referenzrahmen für Klimadaten
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Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf hat den Referenzrahmen für neue Klimadaten aktualisiert. Die Aktualisierung erfolgt alle zehn Jahre.

Ob und um wie viel neue Messungen im Vergleich zu früher abweichen, wird künftig verglichen mit dem Durchschnittswert des Zeitraums 1991 bis 2020, nicht mehr mit dem Durchschnittswert von 1981 bis 2010, sagte eine WMO-Sprecherin Clare Nullis in Genf. Inzwischen warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD), dass das Zweigradziel des Pariser Klimaabkommens nicht mehr erreicht werden könne.

Die Aktualisierung erfolge in jeder neuen Dekade und sei wichtig, weil etwa Landwirtschaft, Gesundheitsdienste und Transportwesen aktuelle Vergleichswerte brauchten. Der Effekt des Klimawandels werde dadurch nicht heruntergespielt, weil alle historischen Vergleichsrahmen gleich blieben, sagte Nullis: Die Zielwerte des Pariser Klimaschutzabkommens richteten sich etwa nach dem Durchschnitt der Temperatur-Messungen von 1850 bis 1900. Für historische Betrachtungen und die Überwachung von Klima-Anomalien bleibe als Vergleich der Durchschnitt der Messungen 1961 bis 1990.

WMO: Nur noch Zeitraum 1991 bis 2020 als Vergleichswert

In ihrem Statusbericht zum Klima 2020 hatte die WMO etwa vor acht Wochen die Ausdehnung des Eises in der Antarktis verglichen mit dem Durchschnittswert von 1981 bis 2010. Im Februar gab sie die Oberflächentemperatur der Meere im Vergleich zum Durchschnittswert derselben Periode an.

In künftigen Publikationen soll der neue Zeitraum verwendet werden. So halten es nach der WMO-Empfehlung künftig auch nationale und regionale Wetterdienste. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus habe ebenfalls bereits umgestellt.

Mit Verweis auf Daten des Copernicus-Klimawandelprogramms berichtete die WMO, dass die Temperaturen im Februar in Russland und den USA deutlich unter dem Durchschnitt von 1991 bis 2010 lagen, in einer Region von Nordostafrika über Südeuropa bis nach China dagegen deutlich darüber.

In den USA seien zwischen dem 11. und 16. Februar Dutzende Temperaturrekorde gebrochen worden. Hintergrund sei eine plötzliche Erwärmung der Stratosphäre rund 30 Kilometer über dem Nordpol gewesen. Das habe die Winde beeinflusst, und so sei kältere Luft von der Arktis weiter Richtung Süden vorgedrungen als sonst.

Das sei kein Anzeichen für eine Veränderung im Trend der Erderwärmung, sagte Nullis: „Kälterekorde werden seltener, im Gegensatz zu Hitzerekorden und Hitzewellen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend anhält.“

Zweigradziel von Pariser Klimaabkommen nicht mehr erreichbar

Allerdings ist nach Einschätzung des Deutschen Wetterdiensts (DWD) eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr erreichbar. „Leider sieht es im Moment sogar nach einem Plus von drei bis vier Grad aus“, erklärte DWD-Präsident Gerhard Adrian in Offenbach bei einer digitalen Pressekonferenz zu Fragen der Klimawissenschaft. Das Zweigradziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 werde verfehlt.

Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft und das globale Verkehrsgeschehen sei die CO2-Konzentration in der Atmosphäre im vergangenen Jahr weiterhin gestiegen, mahnte Adrian. Er ist zugleich auch Präsident der Weltorganisation für Meteorologie. Der Anstieg gehe ungebremst weiter. Seit Ende des 19. Jahrhunderts sei die globale Mitteltemperatur außerdem bereits um 1,1 Grad gestiegen, in Deutschland sogar um 1,6 Grad.

Die Folgen dieser Entwicklung seien inzwischen weltweit zu sehen, fügte der DWD-Präsident an. 2020 sei weltweit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, Wetterextreme hätten zugenommen und sich intensiviert. Der Weltklimarat habe diese Entwicklung bereits in den 1990er-Jahren erstaunlich genau prognostiziert. Heute lägen noch einmal „deutlich verbesserte wissenschaftliche Szenarien“ vor. Diese sollten „sehr ernst“ genommen werden. (APA/red)