„Horizon Europe“: Österreich will 2 Mrd. Euro aus EU-Programm holen

23. März 2021 Drucken
„Horizon Europe“: Österreich will 2 Mrd. Euro aus EU-Programm holen
© APA (AFP/ESA)

Seit Jahresbeginn läuft mit „Horizon Europe“ das neue, mit 95,5 Mrd. Euro für die Jahre 2021-2027 ausgestattete EU-Forschungsrahmenprogramm. Österreich strebt Rückflüsse von jährlich rund 300 Mio. Euro – in Summe also etwa zwei Mrd. Euro aus dem Programm an, sagt Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP).

Es komme bei „Horizon Europe“ aber nicht nur auf das Geld sondern auch darauf an, neue Partnerschaften abzuschließen, über den Wettbewerb eine erhebliche Qualitätssicherung für die eigenen Projekte zu erhalten und es gebe dem wissenschaftlichen Nachwuchs andere Perspektiven als die eigene Uni. Das Programm sei „ein ganz wichtiger Baustein für die österreichische Wissenschaft und Forschung“, so Faßmann bei einer Online-Veranstaltung der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, in der die politischen Erwartungen an das Forschungsprogramm formuliert wurden.

EU-Forschungskommissarin Mariya Gabriel verwies auf die 30-prozentige Budgetsteigerung gegenüber dem Vorläuferprogramm „Horizon 2020“. Damit werde „Horizont Europe“ ein wichtiger Hebel sein, um den grünen und digitalen Wandel voranzutreiben. Rückblickend werde „Horizon Europe“ erfolgreich gewesen sein, wenn „Europa führend in der Wissenschaft ist, dies auch in Innovationen umgewandelt hat – und all dies zum Nutzen aller Bürger“, sagte Gabriel.

Horizon Europe: Kräfte in Missionen bündeln

Für Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ist in „Horizon Europe“ die sogenannte „Missionsorientierung“ der Forschung wichtig. Die EU will damit Ziele mit hoher gesellschaftlicher Relevanz erreichen. Als Themenfelder wurden dafür „Krebs“, „Klimawandel“, „Gesunde Ozeane und Gewässer“, „Klimaneutrale und smarte Städte“ sowie „Bodengesundheit und Lebensmittel“ definiert und dafür konkrete Ziele formuliert. „Die Missionen ermöglichen es, die Kräfte zu bündeln“, um den großen Herausforderungen gerecht zu werden, müsse europäisch gehandelt werden. Ein Beispiel, wo sich Österreich stark engagiere, sei die Mission, an 100 Städten in Europa zu zeigen, dass Klimaneutralität möglich ist.

Auf das „erfolgreichste Jahr in F&E“ könne Österreich trotz der Pandemie zurückblicken, sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und nannte als Beispiel die FFG, die bei der Zahl der Anträge und den ausgeschütteten Förderungen eines der erfolgreichsten Jahre gehabt habe. Auch die Auszahlungen der Forschungsprämie seien auf über eine Mrd. Euro gestiegen. Eines der größten Projekte auf europäischer Ebene seien die „Important Projects of Common European Interest“ (ipcei). Für den österreichischen Standort seien hier die Bereich Halbleiter, Batterien, Wasserstoff und Life Science sehr wesentlich. Schramböck setzt sich für einen Ausbau dieser „ipcei“ sowie eine Kofinanzierung seitens der EU ein.

Die Teilnahme von Verteidigungsministerin Claudia Tanner (ÖVP) an der Veranstaltung erklärt sich dadurch, dass „erstmals auch im Verteidigungsbereich Geld von der EU Geld zur Verfügung gestellt wird“, nämlich über den „Europäischen Verteidigungsfonds“ in „Horizon Europe“. Dieser ist mit insgesamt acht Mrd. Euro dotiert. „Wenn wir uns die Szenarien und sicherheitspolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anschauen, wie Pandemien, Terror- und Cyber-Attacken, Blackouts und Naturkatastrophen“ komme der Verteidigungsfonds „gerade zur rechten Zeit“, so Tanner. Denn ein zentrales Anliegen des Programms sei es ja, die Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit der Staaten im Fall von Krisen zu stärken.

Mahrer über neuen Innovationsrat erfreut

„Besonders erfreut“ zeigte sich Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer in einer Videobotschaft über den neuen, mit zehn Mrd. Euro ausgestatteten „Europäische Innovationsrat“ (EIC), speziell dessen „Accelerator“-Programm, das Start-ups ermöglichen werde, schneller zu wachsen. Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) erwartete in einer Videobotschaft vom neuen EU-Forschungsprogramm Antworten auf die großen Herausforderungen, etwa einen „resilienten, gesunden und nachhaltigen Planeten zu schaffen“. Dabei gehe es auch um die Frage, wie man die Land- und Forstwirtschaft zukunftsfit, aber gleichzeitig ökologischer machen könne.

Seitens der Nutzer des Forschungsrahmenprogramms betonten etwa der Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT), Wolfgang Knoll, und Infineon Austria-Chefin Sabine Herlitschka, dass man durch die Teilnahme am EU-Rahmenprogramm „kritische Masse“ erlangen könne, „um im globalen Kontext wirklich Wettbewerbsfähigkeit zu generieren“. Der Chef von AustrianStartups, Markus Raunig, plädierte dafür, die bürokratischen Hürden in „Horizon Europe“ niedrig zu halten, damit auch kleinere Organisationen und Unternehmen Chancen haben. Jama Nateqi, Chef des Medizin-Startups Symptoma, verwies auf den großen Aufwand, der für Förderanträge notwendig sei, und würde sich schon dafür finanzielle Unterstützung wünschen. Und Barbara Streicher, Geschäftsführerin des ScienceCenter-Netzwerks, kritisierte, dass es im Gegensatz zum Vorläuferprogramm „Horizon 2020“ keine explizite Förderschiene für Wissenschaftsvermittlung und „Public Engagement in Science“ gebe. (APA/red)