Tourismusbranche bereitet sich auf mögliche Hotelöffnung im Mai vor

09. April 2021 Drucken
Tourismusbranche bereitet sich auf mögliche Hotelöffnung im Mai vor
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Die heimische Tourismusbranche bereitet sich langsam auf mögliche Öffnungen im Mai vor. Seit vergangenem November sind Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen für Privatgäste coronabedingt gesperrt. Zwei Drittel der Hotels könnten bis Mitte Mai öffnen, wenn es die Corona-Infektionslage zulässt, geht aus einer aktuellen Branchenbefragung der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) hervor.

Die Hotelbetriebe wollen aber nur öffnen, wenn alle wichtigen Covid-Benchmarks erreicht und gehalten werden. „Und auch da nicht sofort und überall mit hoher Auslastung. Das wäre auch ein Argument für eine zeitnahe sanfte Hotelöffnung anstatt mit Vollgas in die Hochsaison zu gehen“, so ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. Wirtschaftlichkeit müsse „mit der Gesundheit Hand in Hand gehen“. ÖHV und Wirtschaftskammer (WKÖ) begrüßten die von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) angekündigte Öffnungskommission. Kultur, Sport, Tourismus und Gastronomie stellte Kurz Öffnungsschritte „im Mai“ in Aussicht. Um diese vorzubereiten, soll eine Kommission etabliert werden. In dieser sollen die Sozialpartner ebenso vertreten sein wie Städte- und Gemeindebund, der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz und Vertreter der Branchen.

„Mit der geplanten Öffnungskommission wird nun ein wichtiges Signal in Richtung unserer Branche gesetzt“, so WKÖ-Hotellerie-Obfrau Susanne Kraus-Winkler. Es sei erfreulich, dass Sozialpartner und Branchenvertreter in diesen Prozess eingebunden werden. „Wir erwarten, dass man mit uns gemeinsam jene Maßnahmen und Vorgaben bekanntmacht, unter denen wir öffnen werden können“, sagte die Branchenvertreterin. Der lange Lockdown mache eine Wiedereröffnung für die Betriebe organisatorisch immer schwieriger. Nun gehe es darum, die Zeit zu nutzen, um in dieser Öffnungskommission die Bedingungen für die Wiedereröffnung der Hotellerie endgültig festzulegen, erklärt Kraus-Winkler: „Wir erwarten, dass man mit uns gemeinsam jene Maßnahmen und Vorgaben bekannt macht, unter denen wir öffnen werden können. Jetzt planen, was planbar ist, lautet das Motto, denn der lange Lockdown macht ein Wiedereröffnung für die Betriebe organisatorisch immer schwieriger.“

Hotelöffnung: Knackpunkt Mitarbeiter

Laut ÖHV-Branchenumfrage beschäftigten die Hotels vor der Krise im Schnitt 63 Mitarbeiter, für die Wiedereröffnung bräuchten sie 41. Durchschnittlich hätten 9 Mitarbeiter je Betrieb die Branche seit Beginn der Krise verlassen. Es sei wichtig, die Zahlen richtig einzuordnen, sagte der ÖHV-Generalsekretär. „Es ist auch ein Erfolg, einen so großen Teil der Mitarbeiter in einer so schwierigen Zeit so lange zu halten.“ Neben der Kurzarbeit (86,4 Prozent) setzten die Arbeitgeber vor allem auf Wiedereinstellungszusagen (61,4 Prozent) und Investitionen in Weiterbildung (43,4 Prozent). Die Hotelbranche hofft nun gemeinsam mit der Politik, Lösungen für die Mitarbeiterlücke zu finden. Die hohe Arbeitslosigkeit sein ein Teil der Lösung, so der Branchenvertreter. Eine Möglichkeit wäre etwa die Vermittlung von Airline-Mitarbeitern an Tourismusbetriebe.

Für knapp drei Viertel der befragten Hotels ist die Akzeptanz der Wiedereinstellungszusagen bis zum Ende des Lockdowns durch Arbeitsminister Martin Kocher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) die wirksamste Maßnahme der türkis-grünen Regierung zum Halten der Mitarbeiter. Weiters hilfreich seien die Zuschüsse für Qualifizierungsmaßnahmen und die rasche Auszahlung der Kurzarbeitsgelder. Die gestern von der Regierung angekündigte Auszahlung des erhöhten Ausfallsbonus auch für April wird von ÖHV und WKÖ begrüßt. Die Branchenvertreter wünschen sich aber weitere staatliche Maßnahmen, um eine Pleitewelle im Tourismus zu verhindern.

Nachhaltige Maßnahmen notwendig

Nachdenklich zeigt sich Susanne Kraus-Winkler, wenn es um die Resilienz der Branche geht: „So sehr wir eine baldige Öffnung herbeisehnen, damit alleine werden, nach nunmehr sechs durchgehenden Schließmonaten, viele die nächsten Monate und Jahre nicht überstehen. Der lange Lockdown zehrt nicht nur an den psychischen, sondern auch enorm an den finanziellen Reserven unserer Unternehmer, so diese noch vorhanden sind.“ Maßnahmen wie die angekündigte Verlängerung des Ausfallbonus seien enorm wichtig für die Branche. Darüber hinaus braucht es nun auch eine rasche Umsetzung von langfristigen Stabilisierungsmaßnahmen, um die stark gestiegene Fremdkapitalbelastung der Branche zu bereinigen und das Eigenkapital zu stärken. „Wir haben konkrete Vorschläge, wie etwa die Verlängerung der Laufzeit von Überbrückungskrediten, die Verschiebung des Rückzahlungsstarts oder auch die Ablöse dieser kurzfristigen Überbrückungshilfen zur Finanzentlastung der Unternehmen ausgearbeitet. Die Finanzmaßnahmen sollten sobald als möglich umgesetzt werden, damit unsere Betriebe auch in den nächsten Jahren erfolgreich weiterwirtschaften und investieren können“, so Kraus-Winkler.

Rückkehr auf Vorkrisenniveau erst 2023 erwartet

Dominic Schmid, Obmann der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Wien, rechnet erst 2023 mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Bis dahin sei noch Unterstützung nötig. Heuer könnte im Sommer eine Auslastung von 30 bis 40 Prozent erreicht werden – wenn Touristen aus Deutschland, Spanien und Italien ohne Quarantäne ein- und zurückreisen dürfen. Um Gewinne zu schreiben, würde das aber nicht ausreichen.

Grundsätzlich könnten die Hotels in Wien mit einer Vorlaufzeit von drei Wochen wieder hochfahren, so Schmid. Um den Prozess zu starten, sei vor allem ein Öffnungsdatum nötig. Es würden auch Rahmenbedingungen reichen: „Wenn es heißt, ab einer gewissen Durchimpfungsrate dürfen wir aufsperren, hilft uns das auch schon, denn auch dann wissen wir ungefähr, wann es losgehen wird.“ Die nun präsentierte Öffnungskommission sieht er nicht nur als positives Zeichen für die Branche, sondern als wichtige Voraussetzung. Sie solle die Planbarkeit schaffen. (APA/red)

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