E-Control erwartet Umwälzungen wie nach der Liberalisierung

19. April 2021 Drucken
E-Control erwartet Umwälzungen wie nach der Liberalisierung
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Für die Energie-Regulierungsbehörde E-Control werden die nächsten Jahre etliche Neuerungen und zusätzliche Aufgaben bringen. Nun haben Wolfgang Urbantschitsch und sein neuer Co-Vorstand Alfons Haber die Schwerpunkte ihrer Arbeit skizziert.

Einer davon ist der Ökostrom-Ausbau auf Basis des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes, das derzeit im Parlament behandelt wird. Seine Aufgaben hat sich das E-Control-Vorstandsduo so aufgeteilt: Haber wird sich schwerpunktmäßig um den technisch-ökonomischen Bereich kümmern, der Spezialist für alle rechtlichen Aspekte ist Urbantschitsch. Um viele Themen, insbesondere die regulatorischen Fragen, will man sich gemeinsam kümmern.

„Die kommenden Jahre werden sicherlich noch einmal so viele Neuerungen und Umwälzungen bringen wie damals seit der Liberalisierung“, sagte Urbantschitsch am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien. Eine wesentliche Basis für die Arbeit der Behörde werde das Erneuerbaren Ausbau Gesetz sein. „Wir gehen davon aus und sind zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen eine Entscheidung darüber getroffen werden wird.“ Das EAG werde die Basis für die Förderung von Wind- und Wasserkraft und der Photovoltaik-Anlagen darstellen und sicherstellen, dass in den nächsten zehn Jahren rund eine Milliarde Euro an Förderung pro Jahr aufgebracht wird. Darüber hinaus sei derzeit auch das Energieeffizienzgesetz in Vorbereitung.

E-Control: Stärkerer Fördermechanismus

Das EAG bringe nicht nur einen noch stärker marktorientierten Fördermechanismus, sondern auch eine transparentere Stromkennzeichnung. „Wettbewerb und Erneuerbarenziele schließen einander nicht aus“, betonte Urbantschitsch, „der Wettbewerb bleibt für uns ein zentrales Anliegen.“ Mehr Wettbewerb werden nach seiner Ansicht die im EAG vorgesehenen Energiegemeinschaften bringen.

Die Regierungsvorlage zum EAG sieht vor, dass Energiegemeinschaften auch Netze betreiben können, dass sie dabei aber denselben Regeln unterliegen wie anderen Netzbetreiber. „Es wird im ersten Schritt eher unwahrscheinlich sein, dass viele private Netze entstehen werden“, glaubt Urbantschitsch. „Wir haben in Österreich praktisch überall öffentliche Netze, es besteht also gar nicht die Notwendigkeit, dass parallele Netze entstehen.“ Außerdem werde es vergünstigte Tarife geben, damit Energiegemeinschaften Strom zum Ortstarif austauschen können.

Ein Top-Thema für die Zukunft werde die Versorgungssicherheit sein, sagte Haber. „Wir werden uns nicht nur um leistbare Preise kümmern, sondern auch darum, wie wir die Versorgungssicherheit im Strom- und im Gasbereich aufrechterhalten können.“ Der Erzeugungspark in Österreich sei bereits gut aufgestellt, wichtig sei aber auch der Ausbau der Stromnetze und der Stromspeicher.

Auch die Tarifstruktur müsse an die künftig neuen Gegebenheiten angepasst werden: „Es ist wichtig auch zu erfassen, wie z.B. ein Auto geladen wird. Wenn ich in der Nacht ein Auto lade, dann belaste ich das Netz viel ausgeglichener und gleichmäßiger, wie wenn ich es in einer Stunde voll laden will.“ Dafür seine eine faire Tarifstruktur notwendig.

Ruf als Ombudsstelle festigen

Die E-Control habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren als die Ombudsstelle für Kunden etabliert, wenn es um Fragen zu Strom und Gas gehe, betonte Urbantschitsch. Diese Rolle wolle man festigen und ausbauen. Die Kritik der Arbeiterkammer, dass Haushalte auf ihre Ökostrom-Förderbeiträge auch noch eine Umsatzsteuer in den allgemeinen Steuertopf bezahlen müssen und dadurch stärker belastet werden als Unternehmen, verwies Urbantschitsch an den Gesetzgeber: „Das ist eine politische Entscheidung.“ Juristisch wäre es natürlich möglich, die Ökostrom-Förderbeiträge von der Umsatzsteuer auszunehmen, so der E-Control-Vorstand.

Der Kärntner Alfons Haber hat mit 24. März 2021 Andreas Eigenbauer als E-Control-Vorstand abgelöst. Der Energieexperte Haber hat sein Geschäft von Grund auf gelernt: Nach einer Lehre als Elektroinstallateur bei der Kelag besuchte er die HTL für Elektrotechnik in Klagenfurt, danach folgen ein Diplom- und ein Doktoratsstudium an der TU Graz. Haber war zunächst für die Kelag tätig, von 2002 bis 2009 bereits einmal für die E-Control und war seit 2013 Professor für Netz- und Systemintegration an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Landshut.

Der Vertrag von Urbantschitsch wurde verlängert, die neue Funktionsperiode läuft bis März 2026. Die Regulierungsbehörde hatte im Vorjahr 115 Mitarbeiter (Vollzeit-Äquivalente) und Kosten in Höhe von mehr als 18 Mio. Euro. (APA/red)