Was Rohstoffe, Inflation und Schifffahrt gemeinsam haben

27. April 2021 Drucken
Was Rohstoffe, Inflation und Schifffahrt gemeinsam haben
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Knapp 20.000 Schiffe passieren den Suez Kanal jährlich und im Normalfall ist dies ein relativ unspektakuläres Manöver. Der Vorfall des Containerschiffes Ever Given hat gezeigt wie sehr der globale Handel von der Schifffahrt abhängig ist.

Kaum geht ein einziges Mal etwas schief macht sich das ganze Internet darüber lustig. Bestes Beispiel – die Ever Given, ein fast 400 Meter langes Container Schiff, das aufgrund eines Sandsturms an einer engen Stelle des Kanals gestrandet ist. Websiten wie https://istheshipstillstuck.com/ sind aus dem Boden geschossen um sich über die prekäre Lage lustig zu machen. Tatsächlich hatte der Unfall Auswirkungen auf den globalen Handel – Lieferungen haben sich verzögert und das zu einem Zeitpunkt in dem die Kapazitäten schon am Limit sind.

Viele Schiffe mussten eine alternative Route über das Kap der guten Hoffnung einschlagen – was eine längere Reisezeit zur Folge hat. Die Folge – höhere Frachtkosten und verzögerte Lieferungen werden bald auch in Europa gespürt werden.

Der Suez Kanal

Rund zwölf Prozent des globalen Schiff-Handels fließt durch den Suez-Kanal, knapp ein Drittel sind es für den Container-Verkehr. Kein Wunder, ist es doch die Haupthandelsroute zwischen Europa und China.
Generell nimmt der Schiffshandel eine dominante Stellung ein – 80 Prozent des globalen Handels werden über den Schiffsverkehr abgewickelt. Die Anzahl hat in den letzten Jahren stätig zugenommen, einhergehend mit größeren Schiffen und höheren Förderkapazitäten.

Die Schiffsfahrt ist wohl eines der sichtbarsten Zeichen der Globalisierung und hat als solche in den letzten Jahren inflations-hemmend gewirkt. Doch Ereignisse wie das Fiasko am Suez Kanal zeigen uns, wie vulnerabel die globalen Lieferketten sind, wenn nur ein paar neuralgische Punkte blockiert sind.

Die wichtigsten Handelsrouten

Der Suez Kanal ist nicht der einzige Engpass im globalen Schiffsverkehr, ein Schiff das von Shanghai nach Rotterdam fährt durchquert sogar 3 strategisch wichtige Punkte: Die Straße von Malacca, den Golf von Aden und den Suez Kanal.

Die Straße von Malacca ist der kürzeste Weg vom Pazifischen in den Indischen Ozean. Es ist die Haupt-Verkehrsroute für Schiffe, die aus dem Südchinesischen Meer in Richtung Europa, Afrika oder auch Naher Osten wollen. Durch den Aufstieg von Asien und insbesondere China ist die Straße von Malakka mittlerweile der wichtigste „Engpass“ der Welt – über 40 Prozent des Welthandels passieren die Meerenge jährlich.

Eine Eskalation hier, beispielsweise zwischen China und Indien könnte damit einen großen Teil des Welthandels zum Stillstand bringen. Kein Wunder, dass China sich nach alternativen Handelsrouten, wie dem Ausbau des Schienen-Netzes nach Europa, umschaut.

Schiffe auf dem Weg von Asien nach Europa können grundsätzlich zwischen zwei Routen entscheiden: die kürzere Variante über den Golf von Aden durch den Suez Kanal bzw. die längere Variante über das Kap der guten Hoffnung. Unter normalen Umständen wählen die meisten Schiffe die kürzere Route, da es wichtig ist, die Güter möglichst zeitnah zum Zielhafen zu bringen.

Dies bedeutet aber nicht nur die Passage durch den Suez Kanal sondern auch durch den Bab al-Mandab, welcher das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Direkt daran grenzt das sich seit Jahren im Bürgerkrieg befindliche Jemen auf der einen Seite und Djibouti an der anderen. Dies macht Djibouti zu einem strategisch sehr wichtigen Land. Frankreichs größte Übersee-Basis liegt in Djibouti. Japan eröffnete 2011 seine erste Übersee-Basis seit dem 2. Weltkrieg ebendort. Doch auch China hat nach Einsätzen gegen Piraterie im Jahre 2009 dauerhaft Marine-Einheiten im Golf von Aden stationiert und eine Militärbasis in Djibouti eröffnet. Auch die USA hat ihre einzige permanente Militärbasis in Afrika in Djibouti.

Ein Säbelrasseln oder sogar ein tatsächlicher Konflikt an einen dieser Engpässe würde die Preise für Rohstoffe aber auch Handelsgüter kurzfristig in die Höhe schießen lassen. Man erinnere sich an die drohende Eskalation in der Straße vom Hormuz, welche die Ölpreise in die Höhe schießen lassen hat – kurzfristig hatte man noch bis Anfang 2020 Ölpreisen von bis zu $ 100 spekuliert, heute kaum noch vorstellbar!

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Die Ever Given ist mittlerweile befreit. Allerdings kommt es nun zu Rechtsstreitigkeiten, wer für den entstandene Schaden aufkommen muss und das Schiff befindet sich noch immer im Suez Kanal.

Das Unglück der Ever Given war ein inflationärer Schock zur denkbar schlechtesten Zeit. Aufgrund der globalen Wiedereröffnung waren Schiffs-Raten bereits sehr hoch und werden nun noch teurer. Für viele Produkte, beispielsweise Elektrogeräte oder auch Nutzfahrzeuge, haben sich die Vorlaufzeiten bereits enorm erhöht.

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Der Autor Alexander Weiss ist Commodities Specialist bei Erste Asset Management.

Wichtige rechtliche Hinweise:
Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.