Händler kämpfen mit Lieferverzögerungen und Existenzängsten

06. Mai 2021 Drucken
Händler kämpfen mit Lieferverzögerungen und Existenzängsten
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Die Umsätze im Onlinehandel sind während der Corona-Krise zwar stark angestiegen, aber mehr als die Hälfte davon fließt ins Ausland. Jeder zweite Händler hat zudem Existenzängste und 42 Prozent können Rechnungen nicht mehr bezahlen. Das sind Ergebnisse einer Studie der JKU Linz.

Die Corona-Krise hat die Umsätze im österreichischen Onlinehandel laut EU-27-Online-Shopping-Studie der Johannes Kepler Universität Linz auf 8,4 Milliarden Euro ansteigen lassen. Allerdings fließen 52 Prozent davon unmittelbar ins Ausland ab. Ausländische Versandhandelsunternehmen haben hierzulande im Vorjahr mehr als 4,4 Milliarden Euro erwirtschaftet, eine massive Steigerung von +30 Prozent. Heimische Händler haben demnach das Nachsehen.

„Das Corona-Jahr 2020 hat dem Onlinehandel in Österreich einen dramatischen Schub gegeben. Die Zahl der heimischen Webshops ist auf 14.500 gestiegen, die Umsätze kletterten auf einen neuen Rekordwert von 8,4 Milliarden Euro. Leider fließt jeder zweite Euro, der online erwirtschaftet wird, unmittelbar an ausländische E-Commerce-Giganten wie Amazon ab“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Die Herausforderung dabei ist laut Will die Ungerechtigkeit auf allen regulatorischen Ebenen: „Während heimische Händler mit Betriebsstätte in Österreich nicht nur Steuern, sondern auch Mietvertrags-, Abfallgebühren und hohe Lohnnebenkosten stemmen, agieren die globalen E-Commerce-Giganten hierzulande völlig vogelfrei. Daher fordert der Handelsverband einmal mehr faire Rahmenbedingungen sowie eine Mindestertragssteuer auf nationaler, europäischer und globaler Ebene“, so Will.

Beschaffungskrise: 75 Prozent der Händler kämpfen mit Lieferverzögerungen

Die Corona-Pandemie hat aber nicht nur einen beispiellosen E-Commerce-Boom ausgelöst, sondern auch eine gravierende Beschaffungskrise, wie eine aktuelle Händlerbefragung des Handelsverbandes bestätigt. „Mehr als 75 Prozent unserer Händler kämpfen zurzeit mit Lieferverzögerungen. Die Ursachen sind vielschichtig. Wir erleben einen Containermangel in Fernost, steigende Rohstoffpreise bei Metall, Engpässe bei Vorlieferanten, Verzögerungen durch die Einführung der neuen EU-Energie-Labels sowie Covid-bedingte Ausfälle bei internationalen Fabriken und jüngst den Rückstau im Suezkanal. Hinzu kommt eine enorm gestiegene Nachfrage der Kunden nach Unterhaltungselektronik, Fitnessgeräten, Küchen und Möbel. Die Verbraucher können ihr Geld während der Pandemie nicht für Auslandsreisen, Restaurantbesuche oder Hotels ausgeben, daher investieren sie es in die Verschönerung der eigenen vier Wände. Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Beschaffungskrise noch zumindest drei bis sechs Monate andauern wird. Spätestens im Herbst sollte eine Entspannung der Lage eintreten“, erläutert Will.

Händler wünschen sich Verbesserungen bei Corona-Hilfen

Akuter Handlungsbedarf besteht nach wie vor im Bereich der Corona-Staatshilfen, immerhin sehen 60 Prozent der Betriebe große Verbesserungspotenziale bei den bestehenden Unterstützungsleistungen. Die Zeit drängt, denn bereits vor den anstehenden doppelten Gehältern (Urlaubsgeld) ist jeder vierte heimische Händler zahlungsunfähig. Die Hälfte aller österreichischen Händler leidet unter Existenzängsten, weil 5.000 Geschäfte akut gefährdet sind. Je kleiner der Betrieb, je weniger digital und je abhängiger vom Tourismus, desto geringer die Liquiditätsreserven und desto dicker das Minus.

Die heimischen Händler stehen mit der Regierung in laufendem Austausch, welche Maßnahmen jetzt zu setzen sind. Der Handelsverband hat der Regierungsspitze hierfür die Ergebnisse einer groß angelegten Händlerbefragung übermittelt, damit das wirtschaftliche Comeback gelingt. Dieser Maßnahmenkatalog umfasst u.a. die Abschaffung der Mietvertragsgebühr, einen Beteiligungsfreibetrag für Investoren, eine Neuauflage der Corona-Prämie (Comeback-Prämie), eine Senkung der Lohnnebenkosten, uvm. Und alles am besten sofort.

Die wichtigsten Links von Behörden und Institutionen für Unternehmen rund um das Coronavirus finden sich hier.