Menschengemachter Klimawandel sorgt für mehr Hitzetote

31. Mai 2021 Drucken
Menschengemachter Klimawandel sorgt für mehr Hitzetote
© APA/HARALD SCHNEIDER

Ein Forschungsteam hat untersucht, wie sich der Klimawandel in den letzten 30 Jahren auf durch Hitze verursachte Todesfälle niederschlug.

Die Forscher unter der Führung der Umweltepidemiologin Ana Maria Vicedo-Cabrera von der Universität Bern und Antonio Gasparrini von der London School of Hygiene & Tropical Medicine haben herausgefunden, dass der Klimawandel für weltweit rund ein Drittel der hitzebedingten Todesfälle verantwortlich ist. Besonders betroffen sind Süd- und Mittelamerika sowie Südostasien.

Die Klimaerwärmung wirkt sich direkt auf die menschliche Gesundheit aus, und extreme Hitze kann Menschenleben fordern. Mit Modellierungen entkoppelten die Wissenschafter den menschlichen Einfluss von natürlichen Klimaschwankungen. Demnach schätzen sie, dass durchschnittlich 37 Prozent der hitzebedingten Todesfälle auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführen sind, wobei die Werte in den untersuchten Ländern zwischen 21 und 76 Prozent liegen.

Für die im Fachmagazin „Nature Climate Change“ erschienene Studie trugen die Forschenden die Mortalitäts- und Temperaturdaten der jeweils wärmsten vier Monate zwischen den Jahren 1991 und 2018 zusammen. In die Berechnungen flossen Informationen aus 732 Orten in 43 Ländern weltweit ein.

Klimawandel: Pariser Abkommen reicht nicht

„Wir gehen davon aus, dass der Anteil der hitzebedingten Todesfälle weiterwächst, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen oder uns anpassen“, betonte Vicedo-Cabrera in einer Mitteilung der Uni Bern. Denn die von den Studienautoren ermittelten Zahlen gelten für eine Welt, die sich im Vergleich zur vorindustriellen Zeit im Durchschnitt um ein Grad erwärmt hat. Selbst wenn die Ziele des Pariser Klimaabkommens erfüllt werden, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, wird die Gesundheitsbelastung durch Hitze verschärft.

Demgegenüber sollte mit der Klimaerwärmung die Rate an Todesfällen durch Kälte sinken. Allerdings, so zeigte eine frühere Studie des Forschungsteams im Fachblatt „The Lancet Planetary Health“, wird ohne entschiedenen Klimaschutz bis zum Ende des 21. Jahrhunderts die erwartet höhere Todesrate durch Hitze nicht durch weniger kältebedingte Todesfälle ausgeglichen.

Es ist nicht nur die Temperatur, die das Risiko, an Hitze zu sterben, bestimmt. Die Verletzlichkeit der Menschen unterscheidet sich von Ort zu Ort, abhängig unter anderem von der Altersstruktur, dem sozioökonomischen Status und dem Gesundheitszustand der Bevölkerung, dem Gesundheitssystem und der Infrastruktur. So ermittelten die Forschenden anhand der beobachteten Temperaturen und Sterblichkeit für jede einzelne Stadt die Hitzetoleranz und den entsprechenden Temperaturschwellenwert, ab dem das Risiko eines Hitzetodes exponentiell ansteigt.

Am stärksten betroffen von der durch die menschengemachte Erderwärmung verursachte Hitze sind demnach Menschen in vielen Ländern in Süd- und Mittelamerika, in Südostasien sowie Iran und Kuwait. Dort belief sich der Anteil des anthropogenen Klimawandels auf über fünfzig Prozent.

Südliche Länder besonders betroffen

Auch in Südeuropa und einigen Ländern Südosteuropas forderte Hitze viele Tote. Allerdings: „Der Anteil des menschengemachten Klimawandels an der Gesamtzahl der hitzebedingten Todesfälle war in diesen Ländern geringer“, sagte Vicedo-Cabrera im Gespräch mit Keystone-SDA. Die Verletzlichkeit der in diesen Orten lebenden Menschen gegenüber Hitze sei generell hoch. Eine Hypothese sei, dass es an der hohen Bevölkerungsdichte, einer schlechten Qualität der Infrastruktur oder der Gesundheitsversorgung liegen könnte.

Die Studienautoren merken an, dass sich ihre Schätzungen nicht unbedingt auf ein ganzes Land übertragen lassen, da in die Berechnungen nur die Daten von einzelnen Städten oder Regionen eingeflossen sind. Zudem ließ sich keine globale Analyse erstellen, da für viele Länder keine oder nur lückenhaft Daten verfügbar sind, insbesondere für den afrikanischen Kontinent und Südasien. Diese Länder gehören allerdings oft zu den ärmsten und dem Klimawandel gegenüber verletzlichsten Regionen, wo – und das sei besorgniserregend – die größten „Hotspots“ für den prognostizierten zukünftigen Bevölkerungszuwachs liegen würden, schrieb Dann Mitchell von der britischen Universität Bristol in einem Begleitartikel zur Studie. (APA/red)