EcoAustria: Österreich muss sich um Digital Nomads bemühen

22. Juni 2021 Drucken
EcoAustria: Österreich muss sich um Digital Nomads bemühen
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Von den rund 4,3 Millionen Erwerbstätigen in Österreich könnten knapp 1,7 Millionen ihren Bürojob am Computer von jedem belieben Ort der Welt aus machen.

Wenn nur fünf Prozent dieser sogenannten Digital Nomads von ihnen tatsächlich auswanderten, weil sie in anderen Ländern weniger Steuern bezahlen und bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden, könnten dem österreichischen Budget jährlich fast 500 Mio. Euro an Lohnsteuer entgehen, warnt das industrienahe Wirtschaftsinstitut EcoAustria.

„In Österreich liegt das Potenzial der Menschen, die mobil arbeiten könnten, bei nicht ganz 40 Prozent“, sagte EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna am Dienstag zur APA. „Natürlich gehen wir nicht davon aus, dass jetzt alle auf einmal ausziehen.“ Daher habe man angenommen, dass nur fünf Prozent der Erwerbstätigen, deren Beruf es erlaubt, ins Ausland zu ziehen und ihr Einkommen dort zu versteuern, das auch wirklich tun. Das wären etwa 84.000 Menschen, vor allem in der IT-Branche und in der sogenannten „Gig Economy“. In anderen Ländern wie Luxemburg oder der Schweiz mit einem noch höheren Dienstleistungsanteil etwa im Bankensektor oder in der IT sei dieser Anteil größer.

EcoAustria: Problem anerkennen

Wichtig sei es zunächst, das Problem grundsätzlich anzuerkennen, sagte EcoAustria-Vertreterin Köppl-Turyna. Andere Länder würden sich bereits bemühen, mobile Leute anzulocken. Alleine im vergangenen Jahr hätten fünf europäische Länder „Digital Nomad Visas“ eingeführt, darunter Deutschland, Dänemark und Kroatien, die extrem starke steuerliche Vorteile anbieten und damit einen Standortwettbewerb führen würden. „Wir dürfen diese Entwicklung nicht verschlafen und müssen über Standortattraktivität nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Arbeitnehmer nachdenken.“

Dabei gehe es nicht nur um die Steuerhöhe, sondern auch um ein gutes Gesundheits- und Bildungssystem, digitale Infrastruktur und regulatorische Hürden, sagte Köppl-Turyn.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat im aktuellen Policy Note „Hiring Credits. Einstellungsförderungen: Was der Staat nun für den Arbeitsmarkt tun kann.“ auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf den österreichischen Arbeitsmarkt untersucht. (APA/red)