Job-Abbau: AUA kann weiter nicht aus roten Zahlen fliegen

05. August 2021 Drucken
Job-Abbau: AUA kann weiter nicht aus roten Zahlen fliegen
© APA/Herbert Pfarrhofer

Die Austrian Airlines (AUA) waren wegen der zurückhaltenden Flugreisetätigkeit infolge der Coronapandemie auch im zweiten Quartal mit einem Betriebsverlust (EBIT) unterwegs. Dabei war das Minus im Halbjahr kaum geringer als 2020.

Deshalb wird der Job-Abbau weitergehen, rund 500 Stellen sollen noch wegfallen. Sommertourismus und Restrukturierungen würden aber die Liquidität stabilisieren und steigende Buchungszahlen etwas Luft verschaffen, so die AUA am Donnerstag.

Um wettbewerbsfähig aus der Krise fliegen zu können, werde das restrukturierte Unternehmen etwa 20 Prozent kleiner sein, erklärte die Lufthansa-Tochter. Unter anderem deshalb müssten insgesamt 1.350 Vollzeitstellen gegenüber dem Vorkrisenniveau abgebaut werden. Rund 850 davon seien bereits durch natürliche Fluktuation erreicht. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2020 ist der Personalstand per 30.6. schon um 9 Prozent von 6.756 auf 6.132 gesunken, im ersten Halbjahr 2019 zählte man noch 6.999 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ein Job-Abbau ist dennoch unausweichlich.

Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen (adjusted EBIT) lag im zweiten Quartal bei -95 Mio. Euro, ein Jahr davor, während des ersten Covid-19-Lockdowns, waren es -99 Mio. Euro gewesen, vor der Krise im Jahr 2019 positive 46 Mio. Euro. Im gesamten Halbjahr lag das operative Minus heuer bei -201 (-235) Mio. Euro, nach -53 Mio. Euro von Jänner bis Juni 2019.

Der Halbjahresumsatz der AUA sank wegen der Coronakrise um 42 Prozent auf 187 (332) Mio. Euro – im zweiten Quartal waren es mit 126 Mio. Euro um 260 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, aber um 79 Prozent weniger als im zweiten Quartal 2019.

Die operativen Erträge verringerten sich von Jänner bis Juni um 45 Prozent auf 201 (363) Mio. Euro. Andererseits wurden auch die operativen Aufwendungen gedrückt, sie lagen im Halbjahr mit 402 Mio. um 33 Prozent unter Vorjahreshöhe (598 Mio. Euro); v.a. sanken die Aufwendungen für Kerosin und Gebühren, zudem gab es reduzierte Personalaufwendungen. Das Hochfahren des Flugbetriebs zu Sommerbeginn ließ die Gesamtaufwendungen im zweiten Quartal aber um 46 Prozent auf 231 Mio. Euro steigen.

Job-Abbau nach großem Minus bei Passagieren

Die Passagierzahl der AUA ging im Halbjahr um 44 Prozent von 1,99 Mio. auf 1,11 Mio. zurück, verglichen mit 2019 (damals rund 6,7 Mio.) war das ein Rückgang um 83 Prozent. Die Zahl der AUA-Flüge sank um 31 Prozent auf 16.286 – zwei Jahre davor waren es noch 66.419 gewesen. Die angebotenen Sitzkilometer schrumpften binnen Jahresfrist um 37 Prozent auf 2,91 Mrd., die verkauften Sitzkilometer halbierten sich sogar auf 1,54 Mrd. (-51 Prozent). Der Sitzladefaktor ging auf 53,1 (68,1) Prozent zurück. Ende des zweiten Quartals haben die Austrian Airlines lediglich 55 Prozent ihrer Kapazität von vor der Krise angeboten.

„Steigende Buchungszahlen im Sommer verschaffen uns Luft, doch die Krise lässt uns noch lange nicht aufatmen“, sagte CEO Alexis von Hoensbroech. Um der erhöhten Nachfrage auf Kurz- und Mittelstrecken zu entsprechen, habe man die Destinationen im Sommerflugplan auf über 100 Ziele angehoben. Steigende Buchungseingänge zu Halbjahresende, Kurzarbeit und „wirkungsvolle Modernisierungsmaßnahmen“ hätten eine weiter stabile Liquiditätssituation ermöglicht, die das Unternehmen auf Kurs halte, so der AUA-Chef.

Erfreulich sei für die AUA das am 14. Juni verkündete Urteil des Europäischen Gerichts. Mit diesem wurde die Klage von Ryanair und Laudamotion gegen die Staatshilfe für Austrian Airlines abgewiesen und die Beihilfe der Republik Österreich in Höhe von 150 Mio. Euro für unionsrechtskonform erklärt. Laut Lufthansa-Halbjahresbericht hat die AUA am 15. Juli 30 Mio. Euro aus dem im Rahmen der staatlichen Stabilisierungsmaßnahmen aufgenommenen Konsortialkredit von insgesamt 300 Mio. Euro vorzeitig getilgt.

Die Flotte der rot-weiß-roten Airline verkleinerte sich aufgrund der Redimensionierung im Halbjahresvergleich auf 73 Flugzeuge (1. Halbjahr 2020: 85). Einen großen Teil der ausgeflotteten Maschinen machte dabei die Verabschiedung der Dash-Flieger aus dem Flottenportfolio der Austrian Airlines aus.

„Im April verließ die zweite von drei Boeing 767-300ER die Flotte, die dritte soll im Laufe des Jahres folgen; Ende Mai erfolgte auch der letzte kommerzielle Flug der Dash 8-Q400“, heißt es dazu im Lufthansa-Bericht; künftig bestehe die Austrian-Flotte ausschließlich aus Flugzeugen von Airbus, Boeing und Embraer. (APA/red)