FLiP: Acht Tipps zur Gelderziehung für Schüler

09. September 2021 Drucken
FLiP: Acht Tipps zur Gelderziehung für Schüler
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Eine frühe Gelderziehung und umfassende Finanzbildung sind in unserer Konsumgesellschaft wichtiger denn je. Der Schuleintritt ist dabei der ideale Zeitpunkt für das erste Taschengeld, sagen die Experten des Erste Financial Life Park (FLiP).

Eltern sollten ihren Kindern bereits in frühen Jahren  beibringen und vorleben, wie man mit Geld verantwortungsvoll umgeht“, sagt Philip List, Leiter des Erste Financial Life Park (FLiP). Wie das funktionieren kann und was man beachten sollte, haben List und sein Team in folgenden Tipps rund um das Thema Gelderziehung zusammengefasst.

Tipp 1: Altersgerechte Vermittlung

In den ersten Lebensjahren steht das Verstehen von Geldbeträgen und das Sparen auf einen besonderen Wunsch im Mittelpunkt. Ab dem sechsten Lebensjahr sollten Sinn und Ziel des Sparens, das Einschätzen von Bedürfnissen und Geldbeträgen sowie kritisches Konsumdenken vermittelt werden. Ab dem Teenageralter steht unter anderem der Zusammenhang von Geld und Arbeitsleistung, aber auch der selbstständige Umgang mit den eigenen Euros am Plan.

Tipp 2: Zum Sparen animieren 

Die Fähigkeit „längerfristig zu sparen“ ist eine wichtige Voraussetzung, um größere finanzielle Ziele erreichen zu können. „Kinder, die das Sparen und somit ihre Bedürfnisse aufschieben lernen, sind später erfolgreicher bei der Budgetplanung“, sagt List. Den Sinn des Sparens – also Geld beiseitezulegen, um für schlechte Zeiten vorgesorgt zu haben beziehungsweise sich einen Wunsch erfüllen zu können – sollte spätestens im Vorschulalter vermittelt werden.

Tipp 3: Wert von Dingen begreifbar machen

Kinder haben oft viele materielle Wünsche. Wie viel das begehrte Gut kostet bzw. wert ist, lernen sie am besten durch erlebnisorientierte Vermittlung. Durch das Erzählen einer Spargeschichte, einfache Übungen, Spiele oder Visualisierungen kann der Wert von Dingen begreifbar gemacht werden. Ein Beispiel: Das Kind zeichnet das Wunsch-Stofftier auf Papier auf. Mit einer 1-Euro-Münze als Schablone malt es genauso viele Euro-Kreise, wie das begehrte Gut kostet. Sobald das Kind Geld geschenkt bekommt, kann es dieses in eine Sparbüchse werfen und dementsprechend viele 1-Euro-Kreise in der Zeichnung ausmalen. So lernt es, wie viel sein Wunsch wert ist und übt gleichzeitig, das Bedürfnis aufzuschieben.

Tipp 4: Taschengeld für sorgsamen Umgang mit Geld

Taschengeld ist ein geeignetes Mittel, um dem Kind den Umgang mit Geld näher zu bringen. Der Nachwuchs muss selbst entscheiden, was er sich leisten kann und was nicht. Dafür trägt er auch die Verantwortung. Starten kann man beispielsweise mit Schuleintritt. Die vom Nachwuchs gerne geforderte Erhöhung des Taschengeldes, kann ebenso mit dem Schulstart einher gehen. Die ersten Jahre sollte das Kind das Taschengeld in bar ausbezahlt bekommen, ab dem zehnten Lebensjahr kann der Betrag auch auf ein Jugendkonto überwiesen werden. Internetbanking hilft zum Beispiel, den Weg des Geldes leichter nachzuverfolgen.

Tipp 5: Kontobewegungen besprechen

Regelmäßige Kontoauszüge sind wichtig, um den Überblick über die Geldflüsse zu behalten. Eltern sollten mit ihren Kindern üben, eine Kontoübersicht korrekt zu lesen. „Im FLiP sehen wir immer wieder, dass Jugendliche wenig Überblick über ihre Finanzen haben. Die Lebenskosten werden auch oft falsch eingeordnet. Besprechen Sie mit ihrem Kind die eigenen Einnahmen und Ausgaben. Dadurch lernt es, dass beispielsweise die Ausgaben für Miete, Energie und Versicherungen den Großteil der monatlichen Kosten ausmachen“, so List.

Tipp 6: Über Geld sprechen

„Eltern sollten mit ihren Kindern über Geld sprechen und ihr eigenes wirtschaftliches Denken und Handeln erklären“, rät List. Ebenso wichtige Aspekte sind, wie sie den Umgang mit Geld vorleben und wie zum Beispiel zu Hause mit dem monatlich zur Verfügung stehenden Budget, Krediten, Ratenkäufen, Internet und Handy umgegangen wird. 

Schuldenfallen sollten thematisiert werden. „Erklären sie ihren Kindern, dass sie sich nur dann etwas kaufen können, wenn sie das Geld dafür haben“, so der Experte. Mit Jugendlichen sollten die Erziehungsberechtigten außerdem über Verträge sprechen und erklären, dass genaues Lesen und Verstehen die Voraussetzungen schlechthin sind, um einen Kauf oder eine Verpflichtung einzugehen. 

Tipp 7: Bewusstseinsschaffung von Leistung und Verdienst

Von berufstätigen Eltern bekommen Kinder die Verbindung von „Job und Verdienst“ bereits früh mit. Eine stärkere Gewichtung bekommt das Thema aber oft erst durch selbst verdientes Geld. Autonomie, Stolz auf die eigenen Leistung und Selbstwertgefühl sind wichtige Erfahrungen, die beim ersten Job in den Vordergrund rücken. Der wesentliche Aspekt jedoch ist das Erkennen des Zusammenhangs von persönlichem Einsatz und erwirtschaftetem Geldbetrag. Die Jugendlichen erleben, wie viel persönliche Energie in dem erarbeiteten Geld steckt. Eine wichtige Erkenntnis, die dazu beiträgt, den Wert des eigenen Geldes schätzen zu lernen.

Tipp 8: Interesse für Wirtschafts- und Finanzthemen wecken

Der Wunsch ständig die neusten Trends der Technik und Mode zu besitzen, aber auch In-App-Käufe lassen viele junge Menschen in die Konsumfalle tappen: Knapp 25 Prozent aller Verschuldeten sind unter 30 Jahre alt. Eine frühe Gelderziehung und umfassende Finanzbildung sind deshalb wichtig. Eltern, das familiäre Umfeld an sich, Schulen und Institutionen sind hier gefordert. „Wissen ist die Basis für Entscheidungen schlechthin und führt zu einem verantwortungsvollen Umgang in Sachen Finanzen“, so List abschließend.

Den Taschengeld-Leitfaden finden Sie online.

Weitere Infos: „Geld im Griff“