Medientage: „Match der digitalen Zukunft“ gemeinsam gewinnen

24. September 2021 Drucken
Medientage: „Match der digitalen Zukunft“ gemeinsam gewinnen
© AAPA/HANS PUNZ

Die Medienbranche befindet sich in einem großen Transformationsprozess. Um die technologischen und digitalen Umwälzungen bestmöglich zu bewältigen, empfiehlt es sich, die Mitarbeitenden einzubinden und unternehmensübergreifend Entwicklungen voranzutreiben.

Mit dieser Einschätzung herrschte breite Einigkeit bei den Diskutantinnen und Diskutanten der Debatte „Transformation und Technik“ bei den Österreichischen Medientagen am Donnerstagnachmittag. „Medienhäuser gewinnen das Match der digitalen Zukunft nicht, wenn sie technische Systeme ausschließlich selbst entwickeln“, sagte Clemens Pig, vorsitzender Geschäftsführer der APA – Austria Presse Agentur. Dabei sei die APA mit ca. 150 Mitarbeitern im IT-Bereich für einen österreichischen Medienbetrieb „sehr breit aufgestellt“, was auch daran liege, dass „Agenturjournalismus schon immer ein hochtechnologisches Gewerbe“ gewesen sei. Dadurch könne man zwar für sich selbst entwickeln und IT exportieren – etwa das hauseigene Redaktionssystem oder im Bereich der automatisierten Texterstellung -, doch gehe die Nachrichtenagentur auch Partnerschaften mit weltweiten Systemherstellern ein. „Wir wollen nicht unser eigener Flaschenhals sein“, so Pig im Rahmen der Veranstaltung Österreichische Medientage.

„Journalismus ist technologischer und experimentiergetriebener denn je“, stellte Martina Salomon, Chefredakteurin des „Kurier“ fest. Derzeit lerne man mit technischen Tools zu verstehen, welche Artikel besonders gut funktionieren, experimentiere mit Transkriptionstools („Man ist damit wirklich viel flotter.“) oder arbeite mit der APA im Bereich des „Roboterjournalismus“ zusammen.

Medientage: Kein Angst vor Roboterjournalismus

Dabei werden Systeme mit menschlich vorgefertigten Texten trainiert, um im besten Fall automatisch Meldungen auf Basis strukturierter Daten zu erstellen, erklärte Pig. Das helfe dabei, dröge Tätigkeiten loszuwerden und Journalistinnen und Journalisten für ihre Kernkompetenz freizuspielen oder auch neue Texte und Grafiken anzubieten, für die zuvor schlichtweg keine Zeit gewesen sei. „Man muss keine Angst vor Roboterjournalismus haben. Er wird das große Meinungsstück nicht ersetzen“, sagte Salomon. Bei den vergangenen Nationalratswahlen kam die Technologie zum Einsatz, um Ergebnisse aus kleineren Gemeinden automatisch zu berichten.

„Wichtig ist, dass neue Features nicht zulasten des Kerngeschäfts gehen, dann ist die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden dafür hoch“, sagte Nicole Meier, Chefredakteurin der Keystone-SDA. Redakteurinnen und Redakteure werden in der Breite nur für Dinge geschult, die sie unbedingt benötigen. Darüber hinaus setzt die Schweizer Nachrichtenagentur auf Freiwilligkeit. „Es wird von den Mitarbeitenden erwartet, dass sie beispielsweise bei einem Großbrand mit ihrem Handy Fotos oder ein kurzes Video machen können“, erklärte Meier. Bei planbaren Events setzt die Nachrichtenagentur aber weiterhin auf die jeweiligen Kernkompetenzen der Redakteure.

ÖMedientage zeigen auch Grenzen auf: Bei der APA muss nicht jeder alles können. „Das wäre ein vermessener Anspruch“, erklärte Pig. Kompetenzen würden aber sukzessive aufgebaut. Beim „Kurier“ befinde man sich derzeit in einer Übergangsphase, in der Redakteurinnen und Redakteure lernen, alle Kanäle zu bedienen. „Es ist völlig klar, dass jeder, der für den ‚Kurier‘ tätig ist, auch auf kurier.at schreibt oder für Schau TV tätig ist“, erklärte Salomon.

Die Österreichischen Medientage hätten mit einem Talk zur Medienpolitik mit dem Kanzlerbeauftragten für Medien im Bundeskanzleramt, Gerald Fleischmann (ÖVP), enden sollen. Dieser Programmpunkt musste jedoch aufgrund einer Erkrankung entfallen. (APA/red)