Green Finance: Großes Interesse an nachhaltigen Geldanlagen

16. November 2021 Drucken
Green Finance: Großes Interesse an nachhaltigen Geldanlagen
Gabriele Semmelrock-Werzer, Präsidentin des Österreichischen Sparkassenverbandes © Österreichischer Sparkassenverband/Daniel Waschnig

Nachhaltige Geldanlagen werden in Zukunft eine große Rolle spielen und sind ein Thema, das auch bei Privatanlegern eine immer größere Bedeutung bekommt. Das Interesse wächst stetig, ebenso der Informationsbedarf. Banken wird dabei das höchste Vertrauen entgegengebracht, das zeigt eine Gallup-Studie im Auftrag des Sparkassenverbandes.

Vor allem das Thema Umwelt- und Klimaschutz ist den Österreichern bei nachhaltigen Geldanlagen ein wichtiges Anliegen: 47 Prozent halten dies bei Veranlagungen für den wichtigsten Aspekt, gefolgt von Investitionen in Unternehmen, die sich einer „ethischen Führung“ verschrieben haben (30%) und Investitionen in Unternehmen mit sozialen Aspekten (23%). Interessant ist, dass diese Einordnung über Altersgruppen, Bildungsschichten und Geschlechter durchwegs gleichmäßig verteilt angesehen wird. Mit einer Ausnahme: Höhere Bildungsschichten halten den Umwelt- und Klimaschutz bei Veranlagungen mit 53 Prozent für deutlicher wichtiger als niederere Bildungsschichten (44%).

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Die Studie zeigt allerdings auch, dass 50 Prozent der Österreicher von nachhaltigen Finanzprodukten noch nichts gehört haben und 11 Prozent sind sich nicht sicher. „Wir als Sparkassen sehen dies als einen wichtigen Aspekt der Studie an, weil es uns zeigt, welchen Informationsbedarf unsere Kundinnen und Kunden bei dieser Form der Veranlagung noch haben“, erklärte Gabriele Semmelrock-Werzer, Präsidentin der 49 heimischen Sparkassen. „Das aktuell niedrige Zinsumfeld, verbunden mit dem wachsenden Wunsch, bei der Veranlagung nachhaltig zu agieren, ist eine enorme Chance für uns Sparkassen, unseren Kundinnen und Kunden nicht nur einen Ausweg aus derzeit ertraglosen, zinsbasierten Veranlagungen zu zeigen, sondern gleichzeitig auch einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Klimakrise zu leisten.“

Keine Unterschiede bei Veranlagungskriterien

Bei der Veranlagung schauen die Österreicher besonders auf Sicherheit (64%), Rendite (21%) und Liquidität (15%). Interessant ist, dass Finanzprodukte, die sich an ökologischen, ethischen und sozialen Aspekten orientieren, bezüglich der drei Kriterien Sicherheit, Rendite und Liquidität nicht schlechter angesehen werden. Die Österreicher sind also überzeugt, mit nachhaltigen Investments zumindest genauso gut, sicher und liquide veranlagt zu sein, wie mit einer herkömmlichen Veranlagung.

Ein klares Bild ergibt auch die Frage, welche Faktoren die ESG-Veranlagung noch attraktiver machen könnten: Hier stehen eine höhere Rendite als bei herkömmlichen Produkten (54%) vor dem Aspekt „etwas Gutes zu tun“ (48%) und dem Wunsch nach mehr Information darüber, wie sich nachhaltige Finanzprodukte auf den Klima- und Umweltschutz bzw. die soziale Gerechtigkeit auswirken (45%). „Besonders beim letzten Punkt sehe ich einen klaren Auftrag an uns als Sparkassen: Wir müssen unseren Kunden zeigen, welche Auswirkungen ihre Investments tatsächlich auslösen und wie eine positive Veränderung in den investierten Unternehmen aussieht“, so Semmelrock-Werzer.

Vertrauen in Banken hoch – Gütesiegel gefragt

Eine sehr eindeutige Meinung haben die Österreicher, wem sie bei der nachhaltigen Veranlagung vertrauen: 58 Prozent haben sehr großes oder großes Vertrauen in Banken, 45 Prozent in Versicherungen und nur 20 Prozent in Technologieunternehmen wie etwa Facebook. Bei Letzteren ist das Misstrauen bei Veranlagungen mit 74 Prozent besonders ausgeprägt. Dieses fällt bei Jüngeren (bis 30 Jahren) mit 63 Prozent und interessanterweise bei den Österreichern mit einer hohen Nachhaltigkeitsorientierung mit 64 Prozent etwas niedriger aus.

Einheitlich hoch ist hingegen das Vertrauen der Österreicher in Gütesigel: 63 Prozent meinen, dass die EU-Offenlegungsverordnung zu Nachhaltigkeit im Finanzbereich und nachhaltigen Finanzprodukten ein wichtiger Schritt war, um ESG-Produkte glaubwürdiger zu machen. Besonders stark ist diese Einschätzung in höheren Bildungsschichten (73%) und bei jüngeren Altersgruppen (bis 30 Jahre) mit 75 Prozent verankert.