Wirtschaft fordert Hilfe: Kurzarbeit und Co. wird verlängert

19. November 2021 Drucken
Wirtschaft fordert Hilfe: Kurzarbeit und Co. wird verlängert
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Nach dem heute Vormittag angekündigten bundesweiten Corona-Lockdown ruft die Wirtschaft nach finanziellen Hilfen. Finanzminister Gernot Blümel und Arbeitsminister Martin Kocher (beide ÖVP) kündigten am späteren Vormittag die Fortsetzung und Verlängerung bereits bekannter Hilfsmaßnahmen an.

Corona-Kurzarbeit gilt ohnehin noch bis Jahresende, vertraute Hilfsmaßnahmen vom Ausfallsbonus und Verlustersatz bis zum Härtefallfonds werden bis März 2022 verlängert. „Wir nutzen den bewährten Instrumentenkoffer. Dadurch sind wir schnell startklar und die Unternehmer kommen schneller zu ihrem Geld“, so Blümel über die Konsequenzen für die heimische Wirtschaft. Kocher empfahl Home-Office wo möglich und setzt die Möglichkeit, sich ein Risiko-Attest zu besorgen und im Bedarfsfall freistellen zu lassen, wieder in Kraft.

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer und Generalsekretär Karlheinz Kopf hatten von einer „Vollbremsung vor Weihnachten“ gesprochen und „rasch wirkende Wirtschaftshilfen“ gefordert. Die einzelnen Branchen sind von der Maßnahme hart getroffen. Ab 22. November dürfen für drei Wochen nur Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien und Apotheken, Postämter und Telekom-Shops komplett offen halten. Bei den anderen Händlern ist nur „Click & Collect“ sowie Abholung nach Vorbestellung möglich.

„Historische Katastrophe“

„Es ist eine historische Katastrophe“, sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik zur APA. Besonders schlimm sei, dass es „vermeidbar gewesen wäre“. „Es trifft uns zum zweiten Mal beim Weihnachtsgeschäft.“ Es gebe außerdem wieder das Problem der Sortimentsabgrenzung, dass nun Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte vermehrt Spielwaren verkaufen würden und Spielwarengeschäfte im Lockdown geschlossen seien.

„Ein harter Lockdown im Weihnachtsgeschäft bedeutet, dass wesentliche Teile des stationären österreichischen Handels existenziell gefährdet sind und selbstredend dessen Arbeitsplätze“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer Aussendung. In der Branche werde es Umsatzverluste von rund 2,7 Mrd. Euro geben.

Die Hotellerie müsse die „sehr schmerzlichen Maßnahmen“ gezwungenermaßen mittragen, um zumindest die für die Wintersaison wichtige Zeit von Jänner bis März zu retten. Die Wintersaison hänge nun neuerlich „an einem seidenen Faden“, sagt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die Beschäftigten drohten angesichts der großen Unsicherheit nun endgültig aus der Branche abzuwandern. „Unverständnis, Frustration und auch Wut beschreiben wohl am besten die Emotionen, die aktuell in der Branche vorherrschen“, so Kraus-Winkler.

Wirtschaft: „Hart aber alternativlos“

„Der generelle Lockdown trifft Tourismus und Freizeitwirtschaft genau zum Start von Wintersaison und Weihnachtsgeschäft ungebremst und in voller Härte. Er ist aber angesichts der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems sowie zur Rettung der Wintersaison wohl unausweichlich“, hat Robert Seeber, Tourismus-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKÖ), bei aller Kritik auch Verständnis für den Lockdown.

Die Reisebüros sehen in den heute angekündigten Maßnahmen einen „wirtschaftlich kaum zu verkraftenden Schlag“, sagt Gregor Kadanka, WKÖ-Obmann der Reisebüros. Schon im Sommer hätten sich die Erwartungen leider nicht erfüllt. Für den Winter habe man vorsichtig mit 2G geplant, selbst dies treffe nun nicht mehr zu. „Mitten in der normalerweise buchungsstarken Zeit sind unsere Betriebe mit einer Stornowelle konfrontiert. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind derzeit deshalb leider wieder am Limit“.

Mit viel Frustration reagiert der Gastronomie-Obmann in der Wirtschaftskammer, Mario Pulker, auf den nun verhängten Lockdown. „Leider ist nun das eingetreten, was viele Experten bereits seit langem prophezeit haben. Wir alle müssen nun den Preis für die Versäumnisse der letzten Monate zahlen“, so Pulker am Freitag. Die Gastronomie werde durch diese neuerliche „Vollbremsung kurz vor Weihnachten“ wieder einmal in ganz besonderer Weise getroffen.

Man wisse aber, dass die nun verkündeten Maßnahmen „alternativlos“ seien. „Die Branche trägt diese wohl oder übel mit, wenngleich bei vielen Wirten Enttäuschung, Frust, aber auch Wut vorherrschen“, schildert Pulker. Um endlich einmal aus dieser Krise zu kommen, müsse die Impfquote rasch gehoben werden, „damit wir endlich dorthin kommen, wo viele europäische Länder bereits jetzt sind“, fordert Pulker am Freitag.

Wirtschaft unterstützt Impfflicht

Für den Wiener Tourismusdirektor Norbert Kettner ist der Lockdown „eine Hiobsbotschaft“. „Der vermeidbare, aber jetzt unausweichliche Lockdown bringt Wien, Österreichs zweitwichtigstes Tourismusbundesland, in der Phase schrittweiser Erholung erneut in eine frustrierende Situation.“ Erholungstendenzen in der Branche seien nun „zunichtegemacht“.

Die Impfpflicht wird von der Wirtschaft im wesentlichen unterstützt. „Die Wirtschaft begrüßt jede Maßnahme, die wirksam zur Erhöhung der Impfquote beiträgt“, sagte die WKÖ-Spitze. „Ich begrüße ausdrücklich, dass sich die Bundesregierung nun doch zu einer allgemeinen Impfpflicht durchgerungen hat“, so Mario Pulker, Gastronomie-Obmann in der Wirtschaftskammer. Die Impfpflicht sei ein Ansatz, um endlich dauerhaft aus dem „Stop-and-Go-Betrieb“ auszubrechen, schreibt Robert Seeber, Tourismus-Spartenobmann in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Betreffend der angekündigten Impfpflicht gebe es jetzt zumindest Klarheit. Unverständlich sei es, dass kein größerer Fortschritt beim Impfen erzielt wurde, sagte Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer. (APA/red)

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