Start-ups sehen Änderungsbedarf bei Mitarbeiterbeteiligung

30. November 2021 Drucken
Start-ups sehen Änderungsbedarf bei Mitarbeiterbeteiligung
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Der Verband AustrianStartups fordert von der Regierung eine Modernisierung der Mitarbeiterbeteiligung. Beschäftigte am Unternehmen zu beteiligen sei „sehr wichtig“, unter anderem um wettbewerbsfähig zu bleiben, sagte AustrianStartups-Vorstand Markus Raunig.

Die im Rahmen der Steuerreform 2022 geplante steuerbegünstigte Mitarbeiter-Gewinnbeteiligung bringe aber nichts bei Start-ups, weil in den ersten Jahren noch Gewinne fehlen würden. Wenn ein Unternehmen in Österreich seine Beschäftigten beteiligen will, muss es zuerst den Unternehmenswert ermitteln lassen und danach echte Kapitalanteile bzw. Substanzgenussrechte oder echte stille Beteiligungen gewähren. Das bedeute „viel Bürokratie und wenig Flexibilität“, sagte der Managing Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Mazars Austria, Peter Wundsam im Rahmen eines Pressegesprächs. Schwierig sei bei Start-ups auch die Bewertung der Firma, die „vor allem aus einer guten Idee und leidenschaftlich engagierten Mitarbeitenden“ bestehe. Deswegen müsse die Politik, beim aktuellen Modell der Mitarbeiterbeteiligung die Spezifika von Start-ups besser berücksichtigen, so Wundsam.

Verbandsvertreter Raunig warnte davor, dass Österreich den Anschluss an europäische Start-up-Hotspots verliert. Während Länder wie Frankreich oder Portugal die Rahmenbedingungen für Start-ups zuletzt deutlich verbessert hätten, trete Österreich „weitgehend auf der Stelle“, sagte Raunig. „Die Start-ups von heute sind die Leitbetriebe von morgen.“ AustrianStartups hatte im Herbst 2019 den Koalitionsverhandlern von ÖVP und Grüne 36 Maßnahmen für verbesserte Rahmenbedingungen für Start-ups empfohlen. Davon würden sich 18 im Regierungsprogramm finden, aber nur drei seien bisher umgesetzt worden, so der Verbandsvertreter. „Bei der Umsetzung geht es aber viel zu langsam voran, hier müssen wir deutlich besser in die Gänge kommen.“

Reform der Mitarbeiterbeteiligung gefordert

Neben der Reform der Mitarbeiterbeteiligung braucht es nach Ansicht von Raunig vor allem drei Maßnahmen, damit Österreichs Start-up-Szene wettbewerbsfähiger wird. Die Rot-Weiß-Rot-Karte für Arbeitskräfte von außerhalb der EU müsse schneller bewilligt werden, Investitionen für Start-ups von Stiftungen und Pensionsfonds mehr mobilisiert werden und bürokratische Hürden bei der Firmengründung abgebaut werden.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei Mazars Austria hat auch einen Reformvorschlag ausgearbeitet, wie man die Start-up-Thematik bei der Mitarbeiterbeteiligung besser berücksichtigen kann. Beteiligungen am Unternehmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen laut Vorschlag von Mazars ungeachtet einer Freigrenze nicht als Vorteil aus dem Arbeitsverhältnis betrachtet werden und daher würde sich bei Gewährung keine Lohn-Besteuerung und SV-Pflicht ergeben. Gewinne aus dem Verkauf einer Mitarbeiter-Beteiligung sollen stattdessen mit der Kapitalertragssteuer (KESt) besteuert werden.

Wichtig sei, dass diese Regelungen ausschließlich für Unternehmen in den ersten 15 Jahren nach Gründung gelte und der Unternehmensanteil auf maximal 20 Prozent pro Mitarbeiter begrenzt werde, so Mazars-Partner Wundsam. Das Modell müsse außerdem auf alle Mitarbeiter anwendbar sein und dürfe kein „Fördermodell“ für Vorstände und leitendes Management werden. (APA/red)