Fachkräftemangel: Unternehmen wollen keine höheren Gehälter bezahlen

01. Dezember 2021 Drucken
Fachkräftemangel: Unternehmen wollen keine höheren Gehälter bezahlen
© AdobeStock/Andrey Popov

Trotz des zunehmenden Fachkräftemangels sind Österreichs Unternehmen mehrheitlich nicht bereit, höhere Löhne zu zahlen, um Stellen attraktiver zu machen. Laut einer aktuellen Online-Umfrage von karriere.at gibt jedes zweite befragte Unternehmen an, zumindest eine Stelle seit mehr als sechs Monaten nicht besetzen zu können.

Österreichs Unternehmen sind mit einem zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert. So klagt knapp jedes zweite befragte Unternehmen (47 Prozent), zumindest eine Stelle zu haben, die seit mehr als sechs Monaten nicht besetzt werden kann. 53 Prozent der Unternehmen ergreifen diesbezüglich konkrete Maßnahmen, um potenzielle Kandidaten aktiv anzusprechen, z. B. via Social Media, Bewerberdatenbanken oder Headhunting. Gleichzeitig geben zwei Drittel der befragten Mitarbeiter an, keinen jährlichen Termin zur Gehaltsverhandlung in ihrem Unternehmen zu haben

Wenn es um die Entlohnung der Mitarbeiter geht, zeigen sich die heimischen Arbeitgeber eher verhalten: So denkt lediglich jeder Zweite, das Gehalt sei ein essenzieller Faktor, um bestehende Mitarbeiter zu halten und auch schwer besetzbare Stellen im Unternehmen attraktiver zu machen. Für ein Viertel der befragten Arbeitgeber (26 Prozent) ist das Gehalt sogar kein Thema, wenn es um die Attraktivität der Arbeitsplätze für bestehende und künftige Mitarbeiter geht. Gleichzeitig geben nur 53 Prozent der befragten Unternehmen an, ein transparentes System der Gehaltsentwicklung zu besitzen.

„Es zeigt sich wieder, dass die Frage des Fachkräftemangels oft mit der Attraktivität der Arbeitsplätze einhergeht. Der Kampf um die besten Fachkräfte wird sich in den nächsten Jahren zuspitzen. Heimische Unternehmen sind jetzt gut beraten, eine vor allem transparente Gehaltsstrategie für ihre Mitarbeiter zu entwickeln. So gewinnt man Vertrauen und baut längerfristige Beziehungen auf“, sagt Georg Konjovic, CEO von karriere.at.

Arbeitnehmer beklagen fehlende Transparenz bei Gehältern

Für Arbeitnehmer ist das Gehalt der wichtigste Faktor, wenn es um die Attraktivität der Arbeitsplätze geht. So ist für jeden dritten Befragten ein höheres Gehalt „auf jeden Fall“ ein Grund, den Job zu wechseln. Ein weiteres Drittel würde das nur tun, wenn der aktuelle Job nicht passt. Für lediglich ein Fünftel der Arbeitnehmer spielt das Gehalt keine Rolle bei der Wahl des Arbeitsplatzes.

Gleichzeitig geben rund zwei Drittel von ihnen (64 Prozent) an, dass in ihrem Unternehmen kein jährlicher Termin zur Gehaltsverhandlung existiert, bei knapp einem Fünftel der Befragten (19 Prozent) wird zumindest einmal im Jahr im Mitarbeitergespräch über das Gehalt diskutiert. 44 Prozent der Arbeitnehmer klagen, dass es in ihrem Betrieb kein transparentes System der Gehaltsentwicklung gibt.

„Bei Arbeitnehmer herrscht in Sachen Gehaltsverhandlung Aufklärungsbedarf. Denn nur rund ein Viertel von ihnen fragt nach alternativen Benefits wie Urlaub, Firmenhandy oder anderen Sach- und Sozialleistungen, wenn die Gehaltsverhandlung scheitert. Fast jeder Zweite – 40 Prozent – macht sich in dem Fall auf die Suche nach anderen Jobangeboten. Gleichzeitig gibt es aber viele attraktive Alternativen zur Gehaltserhöhung, von denen sowohl die Arbeitnehmer als auch die Unternehmen profitieren können, beispielsweise eine Weiterbildung oder das ortsunabhängige Arbeiten“, so Konjovic.