Kreuzimmunität mit „normalen“ Coronaviren schützt

12. Januar 2022 Drucken
Kreuzimmunität mit „normalen“ Coronaviren schützt
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Immer wieder fällt auf, dass in von SARS-CoV-2 „heimgesuchten“ Familien oder Partnerschaften manche Personen partout nicht krank werden. Britische Wissenschafter haben jetzt den Laborbeweis für die wahrscheinlichste Ursache gefunden.

Eine Kreuzimmunität der anhaltend „Pumperlgesunden“ mit den Covid-19-Erregern durch eine zuvor durchgestandene Infektion mit „normalen“ Coronaviren dürfte die Ursache sein. Die Forschungsergebnisse könnten auch Auswirkungen für die künftige Impfstoffentwicklung haben.

Offenbar scheinen bei dieser Kreuzimmunität T-Zellen eine wichtige Rolle zu spielen, die sich als Reaktion auf eine Infektion mit humanen Corona-Erkältungsviren (huCoVs) gebildet haben. Seit langer Zeit kursieren in der Menschheit zumindest vier Coronavirus-Arten als Erreger saisonaler banaler Erkältungen.

Kreuzimmunität: Letzter fehlender Beweis

Die Hypothese zur Kreuzimmunität ist nicht neu. Allerdings fehlte es bisher an überzeugender Evidenz, die jetzt von Wissenschaftern um Rhia Kundu vom Imperial College London geliefert wurde, hieß es in der deutschen Pharmazeutischen Zeitung online. Die Wissenschafter haben ihre Ergebnisse am Montag in „Nature Communications“ (DOI: 10.1038/s41467-021-27674-x) veröffentlicht. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin dass kreuzreaktive Gedächtnis-T-Zellen Personen ohne vorherigen Kontakt mit SARS-CoV-d vor einer solchen Infektion schützen“, schrieben die Experten in ihrer Zusammenfassung.

Die Wissenschafter hatten seit September 2020, als in England noch sehr wenig Menschen an Covid-19 erkrankt waren, 52 Personen untersucht, die nachweislich Kontakt zu SARS-CoV-2-infizierten Personen gehabt hatten, von denen sich aber nur die Hälfte nicht infiziert hatten. Das wurde per PCR-Test nachgewiesen. Der nächste Schritt: In den Blutproben dieser Probanden charakterisierten die Forscher dann T-Zellen, deren Bildung durch einen früheren Kontakt mit einem harmlosen Corona-Erkältungsvirus angestoßen worden war. Sie überprüften, ob diese T-Zellen auch auf SARS-CoV-2 reagierten.

Bei Probanden, die sich nicht infiziert hatten, wurden jedenfalls kreuzreaktive T-Zellen aus überstandenen huCoV-Infektionen in deutlich höherer Konzentration festgestellt als bei den 26 Personen, die sich infiziert hatten. Der Clou: Diese T-Zellen reagierten spezifisch vor allem auf Proteine aus dem Inneren der SARS-CoV-2 bzw. banalen Coronaviren: auf das Protein, welches die Kapsel um die Erbsubstanz (Nukleokapsid-Protein) bildet, auf das Membran- bzw. Hüllenprotein und auf das ORF1-Eiweiß. Bezüglich der T-Zellspezifität gegen das Spike-Protein (S-Protein), das als Antigen für die meisten derzeit verwendeten Covid-19-Impfstoffe dient, unterschieden sich die Gruppen der Infizierten und der Nicht-Infizierten nicht.

T-Zellen greifen das Innere des Virus an

Ajit Lalvani, der Seniorautor der Studie und Direktor der NIHR Respiratory Infections Health Protection Research Unit am Imperial College in London, wurde in einer Presseaussendung der Forschungseinrichtung so zitiert: „Unsere Sudie liefert den bisher deutlichsten Beweis dafür, dass T-Zellen, die durch Erkältungs-Coronaviren hervorgerufen werden, eine schützende Funktion gegen eine SARS-CoV-2-Infektion besitzen. Diese T-Zellen bieten Schutz, indem sie Proteine im Inneren des Virus angreifen und nicht das Spike-Protein auf der Virusoberfläche.“ Doch auch die T-Zell-Antwort sei nur ein Teil des immunologischen Schutzes. Deshalb müsse weiterhin die bisher verfügbare Impfung mit den drei Teilimpfungen bzw. Auffrischungsimpfungen propagiert werden, betonte der Experte.

Die wissenschaftliche Studie bereitet aber auch den Weg für die Entwicklung breiter wirkender SARS-CoV-2-Vakzine. Sie sollten nicht nur Antikörper und eine T-Zell-Antwort gegen das Spike-Protein auslösen, sondern auch zu einer Immunantwort mit Antikörpern und T-Zellen gegen die anderen SARS-CoV-2-Proteine führen.

Lalvani: „Das Spike-Protein steht unter starkem Selektionsdruck durch impfstoffinduzierte Antikörper, was die Entwicklung von Impfstoff-Fluchtmutanten vorantreibt. Im Gegensatz dazu mutieren die internen Proteine, gegen welche die von uns identifizierten schützenden T-Zellen gerichtet sind, viel weniger. Folglich sind sie zwischen den verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten, einschließlich Omikron, sehr konserviert. Neue Impfstoffe, die diese konservierten Proteine aus dem Inneren des Virus enthalten, würden daher eine breit angelegte schützende T-Zell-Antwort auslösen, die vor aktuellen und zukünftigen SARS-CoV-2-Varianten schützen sollte.“ (APA/red)

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