„Er schmeckt wie eine Prima Ballerina, die Pirouetten tanzt“

13. Januar 2022 Drucken
„Er schmeckt wie eine Prima Ballerina, die Pirouetten tanzt“
Dorli Muhr, Gründerin der Kommunikationsagentur Wine&Partners

Dorli Muhr, Winzerin und Chefin einer Kommunikationsagentur, spricht im Interview über die Herausforderungen am niederösterreichischen Spitzerberg, Nachhaltigkeit und internationale Weinauszeichnungen.

Der Spitzerberg ist eine 302 m hohe Erhebung im östlichen Niederösterreich an der Grenze zur Slowakei. Dorli Muhr, die ausgebildete Dolmetscherin für Französisch und Spanisch, sowie Gründerin der Kommunikationsagentur Wine&Partners hat 1995 eine geerbte brachliegende Parzelle am Spitzerberg wieder ausgepflanzt. Seit 2002 startete sie wieder die Weinproduktion und das sehr erfolgreich.

Schon bei der Gründung ihrer PR-Agentur Wine&Partners hatten Sie ihren Fokus auf die Themen Wein und Genuss gelegt. Wie kamen Sie auf die Idee Ihren eigenen Wein zu machen?

Dorli Muhr: Die Arbeit, die ich schon vorher machte, im Marketing und in der PR, ist sehr schön, aber endet meistens auf einem Blatt Papier. Mir war einfach wichtig, ein Produkt herzustellen, das auch ein eigenes Leben hat und sich weiterentwickelt. 

Haben Sie schon immer den Wunsch gehabt, einen eigenen Wein zu machen?

Der Wunsch einen eigenen Wein zu machen, manifestierte sich schon sehr früh, aber dass ich ihn dort mache, wo meine Familie herkommt, war eine spätere Entscheidung. Vorher überlegte ich Standorte wie Italien, Frankreich oder auch Portugal, wo ich auch einige Zeit lebte, doch letztendlich führte mich der Weg zurück zu meinen Wurzeln nach Österreich in das Weinbaugebiet Carnuntum. Hier produziere ich nun schon seit fast 20 Jahren Wein. 

Was verbinden Sie mit dieser Region?

Am Spitzerberg habe ich schon als Kind oft gespielt, aber ich habe den Hügel eigentlich nie als Terrain für Wein wahrgenommen Erst im Laufe der Jahre hat sich das herauskristallisiert. Mit jedem Jahrgang, den wir an diesem Standort vinifizieren, erkenne ich einerseits neue Herausforderungen aber gleichzeitig auch immer besser, dass der Spitzerberg das Potential für eine internationale Spitzenlage besitzt. 

Große Unterstützung erfuhren Sie von ihrer Großmutter, die Ihnen am Spitzerberg eine kleine Weinparzelle hinterlassen hat. War das der Moment, der die Wende gebracht hat oder ist diese Parzelle länger brach gelegen? 

Meine Großmutter hat diese Parzelle vor ungefähr hundert Jahren zu ihrer Hochzeit geschenkt bekommen. Meine Familie hat sie bis in die 70er Jahre bewirtschaftet. Dann wurde sie gerodet, weil sie schon alt war. Ich habe sie in den 90er Jahren wieder neu ausgepflanzt. Damals war mir aber nicht bewusst, welch einen Schatz mir meine Großmutter hinterlassen hatte. Erst mit den Jahren und der wachsenden Erfahrung habe ich erkannt, welche Top-Lage mir hier überantwortet wurde.

Was sind die Besonderheiten ihrer Wein-Lagen?

Durch seine Lage zwischen Alpen und Karpaten ist der Spitzerberg eine windexponierte und trockene Lage, deren sandiger Boden sehr kalkhaltig ist und wenig Feuchtigkeit halten kann. Das bringt einerseits sehr geringe Erträge mit sich, auf der anderen Seite resultieren daraus besonders intensiv aromatische Weine, die gleichzeitig aber elegant und feingliedrig sind. Diese Kombination der Eigenschaften ist weltweit einzigartig und macht unsere Weine so besonders.

Um Spitzen-Wein zu produzieren, braucht es neben einem guten Boden auch viel Erfahrung und Wissen. Woher haben Sie ihr Know-how?

Es hat einen großen Vorteil, wenn man durch die Welt gereist ist, viel auf allen Kontinenten verkostet hat und sich damit seinen eigenen Geschmack gebildet hat. Zudem sollte man auch genau zuhören, wie andere es machen und was einem besonders gut daran gefällt. Man kann eigentlich nur von den Besten lernen. 

Um als Winzerin zu bestehen, braucht man Weitsicht. Das bedeutet aber auch, nachhaltig und bio-zertifiziert zu produzieren. Wie stehen Sie zum Thema Bio-Weine?

Die besten Weine kommen von Reben, die 60, 70 oder sogar 80 Jahre alt sind. Aber, damit die Reben so alt werden können, muss man sie sehr sorgfältig pflegen. Nachhaltig und biologisch zu arbeiten ist hier also Pflicht, denn nur so können wir den uns nachfolgenden Generationen einen gesunden Boden und Reben weitergeben. Übrigens haben die meisten führenden österreichischen Weingüter schon längst auf eine biologische oder biodynamische Anbauweise umgestellt. Wir sind hier internationale Vorreiter.

Auch der Wine Spectator, das größte internationale Weinmagazin, hat das erkannt und Ihren Weinen die Höchstnote für österreichischen Rotwein verliehen. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Auszeichnungen und gute Bewertungen von Weinmagazinen sind sehr wichtig für uns als Winzer, denn es gibt weltweit unglaublich viele Weine, und Konsumenten richten sich daher oft nach Bewertungen. Ausgezeichnete Weine erfahren natürlich höhere Absatzmengen und auch bessere Preise. Aber um in die Top-Liga aufzusteigen, muss man auch über viele Jahre konsequent an der Qualität arbeiten. Gerade beim Wein lässt sich gute Qualität nicht über Nacht erzielen. 

Wie schmeckt ein typischer Dorli Muhr Wein? 

Der Spitzerberg in seiner schönsten Ausdrucksweise schmeckt wie eine Prima Ballerina, die Pirouetten tanzt. Viel Kraft, viel Dichte, viel Konzentration und viel Spannung – aber niemals schwer und sehr vertikal. Meine Weine sind aber nicht Everybody’s Darling, sondern die Komplexität erschließt sich erst, wenn man eine gewisse Erfahrung mit unterschiedlichsten Weinen gesammelt hat. 

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren auf sich zukommen?

Im Klimawandel ist  es eine große Herausforderung, unsere Weingärten fit zu halten, um unter immer trockeneren und heißeren Bedingungen weiterhin Top-Ergebnisse zu erzielen.

Wie kann eine Bank Sie bei Ihren Herausforderungen und Träumen unterstützen?

In Zukunft sind mutige Projekte gefragt und hier braucht es auch Partner, die gemeinsam mit einem diesen Weg gehen wollen und an einen glauben.

Was stimmt Sie für die Zukunft optimistisch?

Es wächst eine sehr spannende Generation heran, die nachhaltig denkt, und auch einen humanen Austausch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern pflegt. Das stimmt mich positiv und lässt mich an morgen glauben. 

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