ATX: Zwischen Pandemie und Aufschwung

14. Januar 2022 Drucken
ATX: Zwischen Pandemie und Aufschwung
© AdobeStock/Kurt Kleemann

Der ATX war im internationalen Vergleich 2021 ein klarer Outperformer. Auch wenn die Pandemie noch nicht überwunden ist, sollte auch dieses Jahr von einer weiteren wirtschaftlichen Erholung geprägt sein.

Die erwarteten Rekordergebnisse für 2021 könnten 2022 noch einmal übertroffen werden, auch wenn das Momentum deutlich nachlassen wird. Eine nach wie vor attraktive Bewertung des österreichischen Leitindex trotz hoher Kursgewinne im abgelaufenen Jahr weckt wieder verstärkt das Interesse internationaler Investoren. Die Rückkehr zu Value-Stocks sollte auch weiterhin die Entwicklung des ATX begünstigen.

Aktien bleiben attraktiv, auch vor dem Hintergrund gestiegener Inflation. „Das Jahr 2021 ließ das Pendel für österreichische Aktien aufgrund starker Unternehmensergebnisse wieder nach oben schlagen. Der ATX war international gesehen ein klarer Outperformer. Auch wenn das Momentum nach den Rekordergebnissen im Jahr 2022 deutlich nachlassen wird, sehen wir weiteres Kurspotenzial. Dies auch angesichts steigender Inflation, da Unternehmen Preisanstiege langfristig weitergeben müssen und folglich von höheren Umsätzen und Gewinnen profitieren werden“, sagt Fritz Mostböck, Bereichsleiter für Group Research bei Erste Group.

  • Die wirtschaftliche Erholung sollte heuer ihre Fortsetzung finden
  • Das Gewinnniveau der ATX-Unternehmen sollte auch 2022 trotz der massiven Ergebnissteigerungen im abgelaufenen Jahr (+155%) zumindest zu halten sein, wir prognostizieren sogar ein leichtes Plus von 3%
  • Die Bewertung bleibt attraktiv (KGV 2022e: 10,6x und Dividendenrendite 2022e: 3,6%)
  • Der Spread zwischen Gewinnrendite Aktien zu 10Y-Staatsanleihen ist hoch (2022e: +925 BP),
  • ATX-Kursziel Ende 2022 bei 4.500 Punkten, Top-Picks Andritz und OMV

Positiver Ausblick unterstützend für den ATX

Die Kombination von günstiger Bewertung und erwarteter Gewinndynamik in 2022 lassen die Sektoren Banken, Öl und Gas und Automobile besonders attraktiv erscheinen. Der ATX sollte von seiner Zusammensetzung mit einer hohen Gewichtung bzw. Bedeutung dieser Sektoren profitieren,“ meint Christoph Schultes, Chief Equity Analyst Österreich. „Unser Kursziel von 4.500 Indexpunkten ist nicht übermäßig aggressiv, impliziert ein Kurs/Gewinn-Verhältnis von lediglich 12x und liegt damit noch immer deutlich unter dem historischen Schnitt,“ führt Christoph Schultes fort. „Als Einzeltitel bevorzugen wir Andritz und OMV, daneben setzen wir auf AT&S, Palfinger, SBO, Polytec und DO & CO. Die attraktivsten Dividendenrenditen sehen wir aktuell bei UNIQA, VIG, UBM, Porr und der Österreichischen Post. Von einer Änderung der Aktionärsstruktur bzw. Übernahmen könnten die Kurse von STRABAG, Immofinanz und S Immo profitieren,“ zählt Christoph Schultes auf.

Der ATX rückt wieder vermehrt international in den Fokus, die CEE-Region bleibt eine treibende Kraft für österreichische börsennotierte Unternehmen. Die Pandemie wird daran nichts ändern, langfristiges Aufholpotential bleibt intakt. „Die herausragende Entwicklung des ATX vom letzten Jahr lässt die Wiener Börse wieder im Rampenlicht erscheinen. Internationale Investoren sind auf der Suche nach Alternativen zu größeren und höher bewerteten Märkten und auch wieder bereit Einzeltitel-Risiken einzugehen. Der ATX bietet viele interessante Titel mit attraktiver Bewertung. Die starke Ergebnisentwicklung des abgelaufenen Jahres ist unserer Meinung nach noch nicht voll eingepreist, weshalb wir von einem weiteren zweistelligen Kurszuwachs für das Jahr 2022 ausgehen,“ erklärt Fritz Mostböck, Leiter des Bereichs Group Research abschließend.