Neues „Mikrodatenzentrum“ nimmt Gestalt an 

31. Januar 2022 Drucken
Neues „Mikrodatenzentrum“ nimmt Gestalt an 
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Seit Jahresbeginn läuft bei der Statistik Austria der Aufbau des Austrian Micro Data Center (AMDC). Seitens der Forschung erhofft man sich einen Aufholprozess.

Tatsächlich gibt es beim Zugang zu Daten in Österreich „ganz schön Luft nach oben“, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas im Gespräch mit der APA. Erste Testläufe des Mikrodatenzentrum AMDC könnten im zweiten Quartal laufen, mit der Wissenschaftsgemeinde sei man im Austausch, „live geschaltet“ wird die Plattform am 1. Juli.

Um den Aufbau eines Zentrums, das der Wissenschaft unter strengen Voraussetzungen Zugang zu Daten wie etwa anonymisierten Informationen aus dem Melderegister oder dem Bildungsstandregister bieten kann, wurde lange Zeit gerungen. Im Herbst nahm das Mikrodatenzentrum die letzten legistischen Hürden. 505.000 Euro stellt das Bildungsministerium für den seit kurzem laufenden Aufbau und den Betrieb im ersten Jahr zur Verfügung.

Die Forderung aus dem wissenschaftlichen Bereich stützte sich auch darauf, dass der Zugang zu Mikrodaten für Forschungseinrichtungen in vielen Ländern Europas seit langem gewährt wird, betonte Thomas. Jetzt traten die notwendigen Änderungen im Bundesstatistik- und dem Forschungsorganisationsgesetz in Kraft, die Vorgaben sind durchaus detailliert. So auch „der relativ strenge Zeitplan“ bis 1. Juli für die Umsetzung.

Akkreditierung für Mikrodatenzentrum erforderlich

„Wir bauen komplette Workflows und die Technik rundherum auf“, sagte Thomas. Zugang erhalten nur im Gesetz definierte Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel Universitäten oder die Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Für andere wissenschaftliche Einrichtungen gilt es eine Kriterienliste zu erfüllen. Ein solcher Akkreditierungsprozess soll dann im ersten Schritt über ein Webportal begonnen werden können – möglichst automatisiert. Dann erfolgt eine Prüfung.

Forschungseinrichtungen sollen zudem im Portal einsehen können, welche Daten im Mikrodatenzentrum AMDC prinzipiell verfügbar sind. Wird eine Forschungsfrage formuliert, können die dafür notwendigen Informationen beantragt werden. Was gebraucht wird, muss genau begründet werden. Es gibt keinen freihändigen Zugang, betonte Thomas. Dieser eigens erstellte „Forschungsdatenkörper“ wird dann nach einer Prüfung von der Statistik Austria geschnürt. Wissenschafter können in einem „virtuellen Arbeitszimmer“ mit den Daten rechnen, in denen Personen oder Firmen nicht direkt zuordenbar sind. Diese Daten bleiben aber bei der Statistik Austria, Zugang hat nur die spezielle Forschungseinrichtung aus der Ferne.

Die Berechnungen unterliegen auch noch einer „Outputkontrolle, um ganz sicher zu gehen, dass in den Ergebnissen nicht einzelne statistische Einheiten direkt identifiziert werden können“, so Thomas. Die Tabellen werden über einen sicheren Übertragungsweg den Forschern für ihre Veröffentlichungen zur Verfügung gestellt. Hauptergebnisse müssen jedenfalls öffentlich und unentgeltlich zugänglich gemacht werden.

Abstimmung mit der Wissenschaft

Bis es so weit ist, sei man im Abstimmungsprozess mit der Wissenschaft. „Das AMDC wird ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort, da hier nach den Bedürfnissen der Wissenschaft und unter den strengen Vorgaben von Datenschutz und -sicherheit ein Zugang zu Mikrodaten geschaffen wird“, gab sich Thomas überzeugt. Im zweiten Quartal könnten erste Testläufe mit Forschern starten.

Letztlich baue man hier „eine ganz neue Forschungsdateninfrastruktur auf“. Gestartet wird mit jenen vielfältigen Daten, die bei der Statistik Austria bereits vorliegen. In Abstimmung mit dem Bildungsministerium können alle Ressorts bei ihnen oder nachgeordneten öffentlichen Stellen verortete Daten bereitstellen und einpflegen. Thomas hofft hier auf rege Teilnahme: „Das Potenzial ist umso größer, je mehr Stellen dazu bereit sind, Daten im AMDC der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen. Das ist eine ganz große Chance, die man ressortübergreifend am besten realisieren kann.“

Er hege aber auch die Hoffnung, dass das Zentrum einen Beitrag dazu leistet, Daten österreichweit künftig einheitlicher zu erheben, zu verwalten und darzustellen. Es brauche einheitliche Standards, um nicht mehr in Situationen zu kommen, in denen zum Beispiel Minister auch lange nach Pandemiebeginn nicht wissen, wie viele Lehrer, Ärzte oder Pflegekräfte eigentlich bereits geimpft sind. Es gebe gute Beispiele in anderen Ländern, wie man Daten besser nutzen kann, um im Endeffekt bessere Entscheidungen zu treffen, betonte Thomas: „Wir können es uns eigentlich nicht leisten, auf die Vorteile zu verzichten, die sich aus einer besseren Datennutzung ergeben würden.“ (APA/red)