„Wir machen in der Region erlebbar, welche Potenziale die Energiewende bringt.“

01. Februar 2022 Drucken
„Wir machen in der Region erlebbar, welche Potenziale die Energiewende bringt.“
Karin Mottl und Michael Hannesschläger, Geschäftsführer im Energiepark Bruck an der Leitha © EBSPK

Karin Mottl und Michael Hannesschläger, beide Geschäftsführer im Ener-giepark Bruck an der Leitha, sprechen im Interview über die nachhaltige Energiewende und welche Wertschöpfung diese in den Regionen bringen kann.

Der Energiepark Bruck an der Leitha ist ein Pionier im Bereich der nachhaltigen Energieproduktion in Österreich, angesiedelt in der Region Römerland-Carnuntum. Insgesamt versorgt der Energiepark heute bereits mehr als 100.000 Haushalte. Karin Mottl und Michael Hannesschläger, beide Geschäftsführer im Energiepark Bruck an der Leitha, sprechen im Interview darüber, wie eine Energiewende in Österreich möglich ist und wie ihre Zukunftspläne aussehen.

Wann wurde der Energiepark Bruck an der Leitha gegründet und was war der Anlass dafür?

Karin Mottl: Bereits 1995 wurde der Energiepark gegründet. Die Intention war, aus der Region für die Region konkrete Projekte umzusetzen und das in der gesamten Bandbreite dessen, was die Region zu bieten hat – Sonnenkraft, Wasserkraft, Windenergie, Biomasse und Biogas.

Pioniere haben es nicht leicht. Wie sind Sie in dieses Geschäft gestartet? 

Michael Hannesschläger: Gestartet sind wir mit dem Bereich Biomasse. Wir haben eine Fernwärmeanlage errichtet, um die Stadt Bruck an der Leitha auf erneuerbare Energie umzustellen. Schritt für Schritt sind dann Bereiche wie Windkraft, Photovoltaik und auch eine Biogasanlage hinzugekommen. Mittlerweile haben wir 75 Windkraftanlagen errichtet. 54 dieser Anlagen sind in Eigenbesitz, damit produzieren wir etwa 0,6 bis 0,7 Prozent des gesamten Strombedarfs Österreichs. 

Karin Mottl: Wichtig war uns dabei, dass wir nicht nur Anlagen errichten, sondern auch in der Bevölkerung einen Prozess der Bewusstseinsbildung anstoßen. Eine Anlage zu planen, zu bauen und zu betreiben ist nur eine Seite unserer Arbeit. Wir wollen auf der anderen Seite auch Wissen weitergeben und den Bürgern sowie Gemeindevertretern klar machen, dass jeder etwas im Bereich nachhaltige Energie beitragen kann. 

Das heißt, heute können Sie die Gesamtregion Römerland-Carnuntum komplett mit nachhaltiger Energie versorgen?

Karin Mottl: Im Strombereich haben wir heute in dieser Region eine Abdeckung von 160 Prozent. Das heißt, inklusive OMV und Flughafen produzieren wir im Strombereich deutlich mehr, als die Region verbraucht. Im Segment Fernwärme decken wir rund 50 Prozent der Haushalte in der Region ab. Aber im Segment Mobilität liegen wir erst bei zehn Prozent, hier haben wir noch viel Überzeugungsarbeit vor uns. 

Michael Hannesschläger: Insgesamt versorgt der Energiepark also bereits mehr als 100.000 Haushalte.

Wäre Ihr Zugang ein Zukunftskonzept für die nachhaltige Energieversorgung Österreichs?

Karin Mottl: Österreich kauft seit über zehn Jahren Energie aus dem Ausland zu. Viel sinnvoller wäre es natürlich, wenn wir die Ressourcen und Energie nutzen würden, die wir im Land selbst produzieren können und damit auch die Wertschöpfung im Inland belassen.

Aber haben wir überhaupt ausreichend Potenzial zur Verfügung? 

Michael Hannesschläger: Potenzial für die Energieerzeugung gibt es nahezu überall. Jedes Gebäude kann dahingehend adaptiert werden, auch Energie zu produzieren. Wenn wir alle Ressourcen in Österreich nützen würden, könnten wir im Land auch jene nachhaltige Energie erzeugen, die wir brauchen.

Was braucht es hierfür?

Karin Mottl: Hierfür müsste man auf die jeweiligen Regionen angepasst, einen geschickten Mix unterschiedlicher Systeme nutzen. Also in Tirol würde verstärkt Wasserkraft, in Wien und Umgebung Wind und im Süden Österreichs würde ein Fokus auf Photovoltaik Sinn machen. Und es braucht immer die „Energiezwillinge“ – also Energieeffizienz bzw. sorgsamer Umgang mit Energie und dann die Vollabdeckung durch Erneuerbare.

Konnten Sie in der Region Römerland-Carnuntum die Vorbehalte gegen alternative Energieformen abbauen? 

Karin Mottl: Wir machen in der Region erlebbar, welche wirtschaftlichen Potenziale die Energiewende birgt. Zum Beispiel haben wir über 50 Arbeitsplätze direkt im Energiepark geschaffen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Zuliefer- und Servicefirmen, die vom Energiepark Bruck an der Leitha profitieren. Auch die Gemeinden bekommen Pacht für die Erneuerbare Energie-Anlagen und profitieren damit zusätzlich von der Wertschöpfung, die in der Region geschaffen wird. 

Gibt es Pläne für die Zukunft, auch andere nachhaltige Technologien einzusetzen? 

Kairn Mottl: Photovoltaik ist mit Sicherheit ein sehr spannendes Thema für uns. Wir sind jetzt gerade dabei, eine weitere Anlage zu planen und zu errichten, bei der Stromversorgung mit einer landwirtschaftlichen Nutzung kombiniert wird. Dieses Projekt startet im März.

Michael Hannesschläger: Als Energiepark wollen wir unsere Produktion um 50 bis 70 Prozent in den nächsten fünf bis zehn Jahren steigern. Wobei das ein sehr dynamischer Prozess ist, und man wird sehen, ob die Steigerungsraten nicht doch noch höher ausfallen werden.

Welche Herausforderungen gilt es in Österreich vor allem in Hinblick auf die Energiewende zu bewältigen?

Karin Mottl: Bis 2030 haben wir im Pariser Klimaabkommen und dem New Green Deal klare Klimaziele in Österreich, aber auch auf EU-Ebene definiert. Es ist bereits 2022 und wir haben also nur noch acht Jahre Zeit. Das heißt also: Gas geben und umsetzen, damit wir diese Ziele auch erreichen können.

Michael Hannesschläger: Wir werden dabei Fehler machen, das ist unvermeidlich. Aber wir müssen diese erkennen und schnell gegensteuern. Wenn wir unser Ziel aber nicht aus den Augen verlieren, werden wir die Umstellung auf ein nachhaltiges Energiesystem schaffen.

Wo hakt es noch aus Ihrer Sicht?

Karin Mottl: Österreich ist im Bereich erneuerbare Technologien – und das über alle Bereiche hinweg – ausgezeichnet aufgestellt. Was uns derzeit noch bremst, ist der fehlende konkrete Umsetzungsplan bis 2030.

Michael Hannesschläger: Darüber hinaus muss allen klar sein, dass die Wende nicht einfach so passieren wird, sondern jeder muss seinen Beitrag leisten. Die Bürger, die Unternehmen, die Gemeinden, Bund und Länder sind hier gefordert. Wir alle konsumieren Energie, sind damit Teil dieser großen Veränderung und damit können wir es auch nur alle gemeinsam schaffen. 

Wie kann eine Bank Sie bei Ihren zukünftigen Herausforderungen unterstützen?

Michael Hannesschläger: War es früher so, dass Kohle- und Atomkraftwerke leichter eine Finanzierung bekommen haben, als kleine nachhaltige Energieprojekte, so muss es heute umgekehrt sein. Durch ein breites Umdenken haben sich hier aber die Rahmenbedingung deutlich verbessert, und mit der Erste Bank haben wir einen Partner, der uns auf diesem Weg in die Zukunft begleitet. 

Karin Mottl: Zudem ist wichtig, dass Finanzinstitute nicht nur auf die Zahlen schauen, sondern das Gesamtpaket bewerten. Unternehmen wie der Energiepark Bruck an der Leitha, sind Unternehmen, die einer gesamten Region wichtige Impulse geben.

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