Neue Bildungsperspektive für Lehrabsolventen soll kommen

24. Februar 2022 Drucken
Neue Bildungsperspektive für Lehrabsolventen soll kommen
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Die Regierung will Absolventen einer Lehre eine neue Weiterbildungsschiene im nicht-akademischen Bereich eröffnen. Unter dem Namen „Höhere berufliche Bildung“ soll daher ein Prozess zur Erarbeitung der Rahmenbedingungen gestartet werden – etwa die Kriterien für die entsprechenden Qualifikationen sowie die Abschlussbezeichnungen.

Derzeit gibt es für Lehrabsolvent:innen nur eingeschränkte Weiterbildungsmöglichkeiten. Sie können etwa entsprechende Angebote im Hochschulbereich wahrnehmen – dafür maßgeschneiderte Lehrgänge wie der Bachelor oder der Master Professional (für sie braucht es keine Matura, Anm.) wurden gerade geschaffen. Ansonsten stehen nur diverse schwer einzuordnende Kurse als Bildungsperspektive zur Auswahl.

Nicht alle für Lehrabsolvent:innen relevanten Weiterbildungsangebote stehen aber an Hochschulen zur Verfügung – das Wirtschaftsministerium nennt in einer Aussendung etwa als einen möglichen Pfad für Dachdecker eine „Dach-Solar“-Weiterbildung zum eigenständigen Planen, Auslegen, Kalkulieren, Montieren und Herstellen von Solartechnikanlagen für das Energie- bzw. Wärmemanagement. Auf diese könnte dann ein weiteres Modul aufgesetzt werden, die zum eigenverantwortlichen Führen eines Solartechnikunternehmens befähigt.

Neue Bildungsperspektive: Schritte erst in Planung

Vorerst werden diese Schritte aber erst geplant: Zunächst sollen die entsprechenden Stakeholder mit Bildungsexperten einen Vorschlag für eine gesetzliche Grundlage schaffen, die dann in Abstimmung zwischen Wirtschafts- und Bildungsministerium in eine Regierungsvorlage münden sollen. „Wir setzen den Startschuss für einen Systemumbruch in der österreichischen Berufsbildung“, meinte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) in der Aussendung. Ähnliche Modelle gebe es bereits in der Schweiz und in Deutschland. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) sieht eine Chance, „die Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschulbildung zu fördern und Personen mit beruflichen Qualifikationen mehrere Pfade einer weiterführenden Ausbildung zu ermöglichen“.

Wirtschaft begrüßt Startschuss für Höhere Berufliche Bildung

„Neue Bildungsperspektiven für Lehrabsolventinnen und -absolventen sind einer der Schlüsselfaktoren dafür, die Lehrausbildung attraktiver zu machen und damit den Fachkräftenachwuchs in unserem Land abzusichern“, sagt Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), zum Beschluss des Ministerrates, den Gesetzwerdungsprozess für die Höhere Berufliche Bildung in Gang zu setzen. Erst kürzlich hatte eine Studie, unter anderem im Auftrag der IV, gezeigt, dass immer noch die Matura und der damit verbundene Hochschulzugang von Jugendlichen und ihren Eltern als das Nonplusultra des Bildungssystems betrachtet würden. Die Lehre mit oder nach der Matura auszubauen, wäre eine mögliche Antwort darauf. Aber: „Für jene Fachkräfte, die sich praxisnah weiterentwickeln und vertiefen wollen, soll die Höhere Berufliche Bildung zukünftig das gleiche Prestige und Ansehen mit sich bringen wie ein Studium“, so Neumayer weiter.

„Dieser Tag ist für den Wirtschaftsstandort Österreich und für die heimischen Fachkräfte historisch: Mit der Höheren Beruflichen Bildung wird ein eigenständiger berufspraktischer Bildungsweg geschaffen, der nahtlos an die Lehre anschließt und parallel bzw. gleichwertig zum schulisch-akademischen Bildungsweg verläuft. Ein immens wichtiger Schritt zur Aufwertung des dualen Systems“, sagt Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). (APA/red)