Bedeutung der Digitalisierung in heimischen Betrieben steigt

25. Februar 2022 Drucken
Bedeutung der Digitalisierung in heimischen Betrieben steigt
© AdobeStock/mrmohock

80 Prozent der heimischen Betriebe weisen digitalen Technologien eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung zu. Dennoch will fast jedes zweite Unternehmen in den kommenden zwei Jahren keine zusätzlichen digitalen Technologien umsetzen. Zu diesem Schluss kommen die Berater von EY.

Die Bedeutung digitaler Technologien für das Geschäftsmodell mittelständischer Unternehmen ist gegenüber dem Vorjahr leicht gewachsen: 80 Prozent der Betriebe weisen ihnen inzwischen eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung zu – vor einem Jahr noch lag der Anteil bei 77 Prozent. 29 Prozent (Vorjahr: 30 %) bewerten die Rolle der Digitalisierung sogar als sehr groß. Auf Platz Eins im Relevanz-Ranking liegen Finanzdienstleister (51 %), gefolgt von Transport, Verkehr und Energie (34 %), Schlusslicht ist der Real-Estate-Sektor (10 %).

Bereits 2020 hatte die Corona-Pandemie einen Digitalisierung-Schub in Österreich ausgelöst, der sich auch im Folgejahr erneut bemerkbar gemacht hat. Obwohl sich vergangenes Jahr Home-Office, virtuelle Zusammenarbeit und digitales Umdenken bereits vielerorts gut manifestiert haben, geben auch heuer fast drei von vier befragten Mittelständlern (73 %) an, dass die Wichtigkeit digitaler Technologien durch die COVID-19-Krise noch weiter gestiegen ist. Lediglich jedes 50. Unternehmen stellt hingegen eine gesunkene Bedeutung fest. Das sind Ergebnisse einer Studie der Beratungsorganisation EY, für die über 600 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeiter:innen in Österreich befragt wurden.

„Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass die digitalen Veränderungen, die aufgrund der Corona-Pandemie sehr rasch notwendig waren, zahlreiche Vorteile bieten und oft nun gar nicht mehr wegzudenken sind. Dennoch gilt es, sich nicht auf dem implementierten Status quo auszuruhen, denn der Technologiebereich entwickelt sich stetig weiter. Um auf der Überholspur zu bleiben, ist auch weiterhin Mut zu digitaler Transformation gefragt“, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY Österreich.

Hälfte der Mittelständler plant keine digitalen Investitionen

„Möchte man weiterhin mit der Digitalisierung Schritt halten, sind Investitionen unverzichtbar“, ergänzt Axel Preiss, Leiter der Unternehmensberatung bei EY Österreich. Aktuell kommen digitale Technologien vor allem im direkten Kundenkontakt zum Einsatz (78 %), gefolgt von der Nutzung mobiler Endgeräte (52 %). Rund jeder sechste Mittelständler in Österreich (16 %) will in den kommenden zwei Jahren Cloud Computing im eigenen Unternehmen einsetzen, zwölf Prozent wollen Data Analytics einführen und jedes zehnte Unternehmen (10 %) setzt auf Künstliche Intelligenz. Trotz des Digitalisierungsschubs will fast jeder zweite Mittelständler (49 %) in den kommenden zwei Jahren keine zusätzlichen digitalen Technologien im eigenen Betrieb umsetzen.

Immerhin acht von zehn Mittelständlern (81 %) sehen derzeit keine hindernden Faktoren, die sie von einer Investition in die Digitalisierung des eigenen Geschäfts abhalten. Bei gewünschten, aber nicht durchführbaren Investitionen macht vor allem der Fachkräftemangel einen Strich durch die Rechnung: Jedes elfte befragte Unternehmen (9 %) nennt fehlendes Personal als Investitionshemmnis Nummer Eins, rund jedes 14. befragte Unternehmen (7 %) begrenzte finanzielle Ressourcen. Fehlendes Know-how wird nur von sechs Prozent der Betriebe als Hindernis genannt. „Über alle Branchen hinweg haben 83 Prozent Probleme damit, geeignete Fachkräfte zu finden – das hat auch Auswirkungen auf geplante Digitalisierungsprojekte, die durch fehlendes Personal nur langsam oder gar nicht vorankommen“, führt Preiss aus. Die Verfügbarkeit von Fachpersonal für das Vorantreiben von digitalen Technologien ist derzeit am eingeschränktesten in Oberösterreich (18 %), gefolgt von Tirol und Vorarlberg (je 17 %).

Bundeshauptstadt als Digitalisierungshotspot

Im Bundesländer-Ranking liegen Unternehmen mit Sitz in Wien vorne: 41 Prozent der Unternehmen geben an, dass die Digitalisierung bereits jetzt eine sehr große Rolle für das eigene Geschäftsmodell spielt, für weitere 39 Prozent eine mittelgroße. Dahinter folgen Betriebe in Oberösterreich (31 % sehr wichtig, 52 % wichtig) und Vorarlberg (30 % sehr wichtig, 43% wichtig). Vergangenes Jahr lag Vorarlberg noch auf dem ersten Rang: 40 Prozent der Vorarlberger Mittelständler gaben 2020 an, dass die Digitalisierung sehr wichtig für das eigene Geschäftsmodell sei. Das Schlusslicht bildet heuer Niederösterreich (18 % sehr wichtig, 64 % wichtig).

KMU ziehen nach – Digitalisierung nicht mehr vorrangig Thema nur großer Unternehmen
Digitale Technologien sind für die Geschäftsmodelle von größeren Mittelständlern mit Jahresumsätzen jenseits der Zehn-Millionen-Grenze inzwischen lediglich geringfügig wichtiger als für Unternehmen mit Jahresumsätzen von weniger als zwei Millionen Euro: Der Anteil der Unternehmen, der digitalen Technologien eine mittelgroße oder sehr große Bedeutung beimisst, liegt bei größeren Unternehmen mit 82 Prozent nicht viel höher als bei Unternehmen mit Jahresumsätzen unter zwei Millionen Euro (78 Prozent).

„Eine stabile und leistungsstarke Digital-Infrastruktur wird für Unternehmen zu einem immer wichtigeren Standortfaktor. Das schnelle und mittelfristige Ziel sollte es daher sein, die digitale Infrastruktur auch in den aktuell noch oft unterversorgten ländlichen Regionen bestmöglich voranzutreiben. Ein kontinuierlicher, flächendeckender Ausbau ist für den Wirtschaftsstandort Österreich eine Investition in die Zukunft: Nur mit einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur kann es eine Chancengleichheit in allen Regionen geben“, so Preiss.