Neues CD-Labor will Donau als stabiles Ökosystem erhalten

08. März 2022 Drucken
Neues CD-Labor will Donau als stabiles Ökosystem erhalten
© Christof Reuther

Die Donau wurde und wird durch Flussregulierungen, den Ausbau der Wasserkraft und andere Eingriffe massiv verändert. Dem soll nun Einhalt geboten werden.

Ein neues Christian Doppler-Labor (CD-Labor) will die Auswirkung menschlicher Aktivitäten auf die Artenvielfalt und Ökosystemleistung des Flusses erforschen und besser verstehen. Die Forscher wollen darauf aufbauend nachhaltige ökologische Maßnahmen entwickeln und so zur Stabilität des Ökosystems Donau beitragen.

Der Mensch verändert die Donau seit hunderten Jahren, um sich vor Hochwasser zu schützen oder um sie als Verkehrsweg und zur Energiegewinnung zu nutzen. All das hat vielfältige Konsequenzen auf den Fluss und sein Ökosystem, etwa Veränderungen der Strömungs- und Sedimentdynamiken oder der Nährstoffflüsse. Das führt in Summe zu einem dramatischen Verlust an Lebensräumen und biologischer Diversität, wie zum Beispiel für die Fischfauna der Donau. Weiter beschleunigt und verstärkt werden diese Veränderungen durch den Klimawandel.

CD-Labor: Gesamtheitlicher Ansatz

Um diesen negativen Trend umzukehren und wichtige ökologische Funktionen zu erhalten, bedarf es solider Grundlagen für Entscheidungen, die im neuen, am Montag eröffneten CD-Labor für Dynamik von Meta-Ökosystemen in regulierten Flusslandschaften (MERI) an der Universität für Bodenkultur (Boku) geschaffen werden sollen. Das Team um den Leiter des CD-Labors, Thomas Hein, vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der Boku, will dabei nicht nur lokale Maßnahmen und ihre lokalen Effekte untersuchen. Die Forscher verfolgen vielmehr einen gesamtheitlichen Ansatz und gehen davon aus, dass Eingriffe nicht nur unmittelbar an Ort und Stelle Auswirkungen haben.

Datenanalysen zur Erhöhung der Effizienz von Maßnahmen

Im CD-Labor sollen Datenanalysen mit Feldbeobachtungen und -experimenten verbunden werden. Um nachzuvollziehen, welchen Einfluss menschliche Aktivitäten hatten und haben, sollen historische und aktuelle Daten der Donau und ihrer Hauptzuflüsse in Österreich mit neuen Ansätzen analysiert werden. Im zweiten Teil des Projekts stehen die Lebewesen im Zentrum. Dabei werden Fische markiert, ihre Bewegungen verfolgt, Bestände erfasst und ihre Ernährung analysiert. Darauf aufbauend sollen ökologische Flaschenhälse identifiziert und verbessert sowie bei stark gefährdeten Arten wie dem Sterlet natürliche Bestände gezielt durch Besatz unterstützt werden.

Nach fünf Jahren wollen die Wissenschafter Möglichkeiten und Varianten des Flussmanagements testen, um herauszufinden welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. Die Ergebnisse sollen an die Unternehmenspartner des CD-Labors zur Umsetzung weitergegeben werden. Dabei handelt es sich um die Österreichischen Bundesforste, die Wasserstraßengesellschaft via donau und Verbund Hydro Power.

In den von der Christian Doppler Gesellschaft (CDG) für jeweils sieben Jahre genehmigten CD-Laboren kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Das Budget kommt dabei jeweils zur Hälfte über das Wirtschaftsministerium von der öffentlichen Hand und den Unternehmenspartnern. (APA/red)