WIFO: Ukraine-Krieg dämpft Erwartungen für die Tourismusbranche

05. April 2022 Drucken
WIFO: Ukraine-Krieg dämpft Erwartungen für die Tourismusbranche
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Nach Beendigung des COVID-19-bedingten Lockdown Mitte Dezember 2021 erholte sich die österreichische Tourismuswirtschaft überraschend schnell. Der Optimismus wurde durch Ausbrauch des Krieges in der Ukraine wieder gedämpft, die Aussichten für den Tourismus in Österreich sind damit einmal mehr von hoher Unsicherheit geprägt.

Mit Ausbruch des Krieges in der Ukraine Ende Februar 2022 verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für die österreichische Tourismusbranche aufs Neue. Es ist zu erwarten, dass dieser Konflikt die Nachfrage nach Urlaub in Österreich negativ beeinflussen wird, wobei die indirekten Wirkungen die direkten bei weitem überwiegen dürften.

Dabei schränkt der Preisanstieg in vielen Ländern das Urlaubsbudget vieler Menschen ein. Dies wird laut WIFO zwar selten zu einem gänzlichen Verzicht auf Urlaubsreisen führen, aber die Ausgabenfreudigkeit der Gäste dämpfen. Weniger und kürzere Urlaube, billigere Unterkünfte und Veränderungen in der Wahl von Destinationen und Transportmitteln könnten die Folge sein. Auch wird die Beeinträchtigung des internationalen Flugverkehrs zu einer geringeren Nachfrage aus Fernmärkten führen, zusätzlich könnte die Nachfrage aus diesen Märkten unter der Wahrnehmung Europas als „Kriegsschauplatz“ leiden.

Andererseits könnten innerhalb Europas nahe Reiseziele auf Kosten fernerer Destinationen profitieren, woraus sich ein nicht unbeachtliches (zusätzliches) Nachfragepotential für Österreich aus Deutschland und den anderen Nachbarländern ergeben würde; ebenso dürften sich die mit dem Pkw erreichbaren Ziele in Südeuropa in der kommenden Sommersaison einer noch größeren Beliebtheit erfreuen. Der Boom des Binnentourismus in Österreich wird sich diesen Sommer voraussichtlich etwas abschwächen, die Nachfrage aber über dem Vorkrisenniveau verbleiben.

Tourismusbranche geprägt von Unsicherheit

Das Aufeinandertreffen der COVID-19-Pandemie und des Ukraine-Krieges ist ein in der jüngeren Geschichte einzigartiges Ereignis. Es liegen keinerlei Erfahrungen dazu vor, inwieweit eine derartige Sondersituation das Urlaubsverhalten der Menschen konkret beeinflusst. Zudem kann derzeit weder der weitere Verlauf der Pandemie noch des Krieges und seiner wirtschaftlichen Konsequenzen seriös vorhergesagt werden. Die Aussichten für den Tourismus in Österreich im Jahr 2022 sind damit einmal mehr von hoher Unsicherheit geprägt.

Dabei fasste die Tourismusbranche nach fast zwei Jahren Pandemie und der Aufhebung des Lockdown Mitte Dezember sowie der unerwartet günstigen Entwicklung gegen Jahresende 2021 neuen Mut. Auch vor dem Hintergrund erwarteter Nachholeffekte und einer ungebrochenen Reiselust im In- und Ausland gestaltete sich der Ausblick auf das Jahr 2022 somit durchaus positiv. Trotz der ab Anfang Jänner 2022 raschen Verbreitung der neuen Virus-Variante Omikron mit neuen Höchstständen an Infizierten, wurde die touristische Nachfrage in Österreich mit den weitgehenden Lockerungen der Pandemiemaßnahmen im Februar wieder angeregt. Damit lag die Nachfrage von Jänner bis Februar 2022 bei Nächtigungen um 27,9 Prozent unter jener des Vergleichszeitraums 2019, gemessen in Ankünften um 29,5 Prozent.

Über die ersten vier Wintermonate betrachtet, verbuchten österreichische Beherbergungsbetriebe von November 2021 bis Februar 2022 mit 33,2 Mio. Übernachtungen lediglich ein Drittel weniger Nachfrage als in den ersten vier Monaten der letzten Normalsaison 2018/19 (49,7 Mio.). Die Zahl der Ankünfte lag im selben Zeitraum mit 8,0 Mio. noch 41,3 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. Die Lücke zum Vorkrisenniveau war dabei im internationalen Segment größer als im Binnentourismus (Nächtigungen ‑34,9% zu ‑27,5%). Die nominellen Einnahmen des Tourismus in Österreich beliefen sich von November 2021 bis Februar 2022 auf schätzungsweise 7,74 Mrd. Euro (‑26,0% bzw. real ‑33,2% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2018/19).