E-Commerce: Cyberkriminalität wächst rasant

20. April 2022 Drucken
E-Commerce: Cyberkriminalität wächst rasant
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Gemeinsam mit dem Boom des Online-Handels steigt auch das Risiko für Cyberkriminalität. Fast zwei Drittel der österreichischen Händler waren bereits Opfer von Online-Betrug und 20 Prozent der Kund:innen haben Erfahrungen mit Fake-Webshops. Das sind Ergebnisse der Sicherheitsstudie 2021 von BMI & HV.

Die Digitalisierung öffnet weltweit viele Türen, doch leider mit einem bitteren Beigeschmack. Denn egal; ob es sich um Schadsoftware, Datendiebstahl oder digitale Erpressung handelt, die Möglichkeiten von Cyber-Kriminellen nehmen in diesem Bereich rasant zu – auch im Onlinehandel. E-Commerce boomt, im Corona-Jahr 2021 ist die Branche in Österreich um 20 Prozent gewachsen. Mit steigendem Umsatz wächst aber auch das Risiko für Betrug, so die zentrale Erkenntnis der Sicherheitsstudie 2021, die vom Handelsverband in Kooperation mit dem Innenministerium und dem Bundeskriminalamt durchgeführt wurde.

„2021 sind Cybercrime-Delikte im Vergleich zu 2020 um 26 Prozent angestiegen. Ein Grund dafür ist die COVID-19-Pandemie, die Auswirkungen auf unterschiedlichste Bereiche unseres Zusammenlebens hat. Auffallend ist, dass sich Kriminalität von traditionellen Formen hin zu neuen Phänomenen wendet“, sagt Innenminister Gerhard Karner.

Bezogen auf die Gesamtstatistik zeigt sich, dass die Schadenssumme der Betrugsfälle im Onlinehandel 2019 noch mehrheitlich (55%) unter 500 Euro lag. 2020 hat sich das Schadensausmaß signifikant erhöht: Nur noch ein Fünftel der Schadenssummen lag unter 500 Euro, in 30 Prozent der Fälle verloren die Handelsbetriebe hingegen zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Auch der Anteil der Fälle mit einem Schaden von bis zu einer Million Euro ist von 2 Prozent auf 13 Prozent angewachsen.

62 Prozent der Handelsbetriebe bereits Opfer von Betrug im Netz

„Das pandemiebedingte Wachstum an Webshops und Onlinebestellungen führte zu häufigeren Delikten, neuen Betrugsmaschen und deutlich höheren Schäden. Handlungsbedarf ist gegeben. 2021 waren fast zwei Drittel der heimischen Händler Opfer von Betrug im Netz, ein Viertel schon mehrmals. Damit steht Internetbetrug weit oben auf der Liste potenzieller Bedrohungen für den Handel. Die Schäden nehmen zu und gehen teilweise in die Millionen“, bestätigt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Ähnlich ist die Situation auf Konsumentenseite: Jede:r Zweite schätzt die Gefahren im E-Commerce als hoch ein. Für Online-Shopper zählt Sicherheit mittlerweile zu den wichtigsten Kaufkriterien.

„Die Händlerinnen und Händler haben in ihren Geschäftslokalen stets sicheres Shopping ermöglicht, gleiches gilt es auch für die ‚digitale Filiale‘ – den Webshop – zu gewährleisten. Die österreichische Sicherheitsstudie 2021 hat gezeigt, dass ein Drittel der heimischen Onlinehändler noch keine Betrugsvermeidungslösung im Einsatz hat. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Sicherheit zu geben, kostet deutlich weniger, als nichts zu tun. Nachdem auch ein Drittel aller heimischen Konsumentinnen und Konsumenten bereits negative Erfahrungen mit Cybercrime gemacht hat, muss der Handel größtmögliche Sicherheit im digitalen Raum gewährleisten, um Neukunden zu gewinnen und Stammkunden nicht zu verlieren“, ist Will überzeugt.

„Der E-Commerce-Boom ist auch den Kriminellen nicht entgangen. Sie nutzen die vermeintlichen Schwachstellen im Bestellprozess von Webshops für ihre Machenschaften. Die missbräuchliche Verwendung real existierender Identitäten beim Kauf auf Rechnung stellt den Großteil der angezeigten Delikte im Jahr 2021 dar“, so Manuel Scherscher, stellvertretender Direktor des Bundeskriminalamts und Leiter der Initiative „GEMEINSAM.SICHER in Österreich“.

Um das Betrugsrisiko zu reduzieren, kombinieren die heimischen Onlinehändler meist verschiedenste Schutzmaßnahmen – und verzichten dafür auch auf potenzielle Mehrumsätze. So setzen 55 Prozent der Befragten auf sichere Zahlungsmethoden und 29 Prozent auf eingeschränkte Lieferoptionen, etwa ausschließlich Inlandslieferungen. Die gängigste Zahlungsmethode im E-Commerce ist die Kreditkarte, mit der in 88 Prozent der Webshops bezahlt werden kann. Auch PayPal wird laut Studie von 85 Prozent der Onlinehändler angeboten.

Vielfältige Betrugsformen bei E-Commerce

Die Arten von Betrug, mit denen Onlinehändler konfrontiert werden, sind mannigfaltig. Zu den gängigsten Betrugsformen zählen aktuell der Retourenbetrug (48 Prozent), Bestellungen, die nicht bezahlt werden können (50 Prozent), die Angabe verfälschter Namens- oder Adressdaten (55 Prozent) und insbesondere das Abstreiten des Erhalts der Ware (63 Prozent).

Top 5 Cybercrime-Arten aus Konsumentensicht:

  • Infizierung von Computern mit Schadsoftware, z.B. Viren, Trojaner (33%)
  • Datendiebstahl, Hacker-Angriffe, Phishing (15%)
  • Betrug bei Online-Transaktionen, z.B. Zahlung ohne Leistung (14%)
  • Identitätsdiebstahl (6%)
  • Digitale Erpressung, z.B. mittels Ransomware (6%)

Darüber hinaus gab fast ein Fünftel der Befragten (19%) an, bereits zumindest einmal Opfer eines Fake-Webshops geworden zu sein. Die überwiegende Mehrzahl der Konsumentinnen und Konsumenten schützt sich mit Virenschutz-Programmen (78%) gegen Cyberangriffe, 68 Prozent setzen auf regelmäßige Security Updates, 63 Prozent haben eine Firewall im Einsatz, 29 Prozent schränken die Zugriffsrechte für Dritte bewusst ein, immerhin 26 Prozent verschlüsseln ihren Daten und 7 Prozent nutzen Anonymisierungsdienste wie TOR.

Initiative „GEMEINSAM.SICHER im Onlinehandel“ soll Prävention stärken

„Es ist aus Sicht der Polizei unumgänglich, ein besonderes Augenmerk auf den Faktor Sicherheit im Online-Handel zu werfen. Die Polizei forciert neben der Repression, der Verfolgung der Täter, verstärkt auch den präventiven Aspekt. Mit dem Programm ‚Gemeinsam.Sicher im Onlinehandel‘ haben das Bundeskriminalamt und der Handelsverband eine Plattform geschaffen, die es den heimischen Händlern ermöglicht, Sicherheitsaspekte bei der Etablierung ihres Webshops stets mitzudenken. Die Kooperation zwischen Polizei und Privatsektor stellt ein wesentliches Element dar, die Sicherheit im Onlinehandel zu verbessern“, so Manuel Scherscher.