Erste Group: CEE-Volkswirtschaften erweisen sich als widerstandsfähig

02. Mai 2022 Drucken
Erste Group: CEE-Volkswirtschaften erweisen sich als widerstandsfähig
Bernhard Spalt, CEO Erste Group © Erste Group

Während das Wirtschaftswachstum in CEE und Österreich im ersten Quartal 2022 robust blieb, wurde der Ausblick für das Gesamtjahr in der Region – wie für ganz Europa – gesenkt. Die Inflationserwartungen für die CEE-Region bleiben erhöht.

Die Erste Group geht als sehr profitable Bank mit starker Kapital- und Liquiditätsausstattung in die aktuelle Krise. Das ermöglicht es uns, für unsere Kundinnen und Kunden ein verlässlicher und stabiler Partner zu sein“, erklärt Bernd Spalt, CEO der Erste Group. „Die Volkswirtschaften in unserer Region haben die Covid-Krise gut überstanden und erweisen sich vor allem dank des starken Jahres 2021 auch in der aktuellen Krise bislang als widerstandsfähig. Die wirtschaftliche Erholung hätte sich in einem günstigen Szenario fortsetzen können. Doch durch den Krieg hat sich alles verändert und stellt nicht nur den Frieden in Europa, sondern auch fundamentale Dinge wie Energie- und Nahrungsmittelsicherheit in Frage. Wir erwarten zwar nach wie vor Wachstum in der Region, wenn auch deutlich abgeschwächt.“

Gedämpftes BIP-Wachstum und erhöhte Inflation im Jahr 2022

Vor dem Krieg in der Ukraine haben sich die Volkswirtschaften im CEE-Raum in einer dynamischen Erholung vom pandemiebedingten Einbruch befunden. Der Krieg ist jedoch, abseits der humanitären Katastrophe, ein weiteres, wirtschaftlich stark schwächendes Krisenereignis innerhalb von nur zwei Jahren.

Die wirtschaftliche Rolle Russlands als Exportmarkt für die CEE-Volkswirtschaften hat zwar in den letzten Jahren stetig abgenommen, Russland ist für die meisten Länder der Region nicht mehr unter den Top 10 Handelspartnern. Dennoch sind die meisten Länder – allen voran Österreich, Tschechien und die Slowakei – nach wie vor vom Import russischer Energieträger, insbesondere von Erdgas, abhängig.

Vor allem aufgrund der angestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreise steigen die Inflationsraten an. Während die Erste Group die Inflation in Österreich für 2022 bei 5,5 Prozent schätzt, liegt sie in einer Reihe von CEE-Ländern im hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Bereich, bis hin zu 11,7 Prozent in Tschechien. Dadurch wird die Kaufkraft und in weiterer Folge das Wachstums des Bruttoinlandsproduktes beeinträchtigt. Insgesamt rechnet die Erste Group für die Märkte der Bankengruppe im Jahr 2022 mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von ca. 3 Prozent – damit unterhalb der derzeitigen Erwartungen für die Eurozone. Zudem trägt der durch den Konflikt in Mitleidenschaft gezogene Handel zur ohnehin schon vorhandenen Lieferkettenproblematik bei. Auch die Sanktionen gegen Russland werden auch auf europäischer Seite Spuren hinterlassen.

Trotz all dieser Herausforderungen rechnet die Erste Group, dass aufgrund der nach wie vor robusten Auftragslage, ein – wenn auch abgeschwächtes – Wachstum das Jahr 2022 kennzeichnen wird.

Ausblick: Erste Group bleibt auf Wachstumskurs

Vor dem beschriebenen Hintergrund erwartet die Erste Group für 2022 ein Nettokreditwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das sollte, unterstützt durch stärker als erwartete Zinserhöhungen in der Region, zu einer Steigerung des Zinsüberschusses zumindest im hohen einstelligen Bereich führen – trotz weiterhin negativer Leitzinsen in der Eurozone. Für den Provisionsüberschuss wird nach der außerordentlichen Entwicklung 2021 ein Anstieg im mittleren einstelligen Bereich erwartet. Für das Jahr 2021 strebt die Erste Group eine zweistellige Eigenkapitalrendite (ROTE) an. Die CET1-Quote der Erste Group sollte hoch bleiben.

Die Risikokosten sollten 2022 auf niedrigem Niveau bleiben. Zwar sind genaue Prognosen im Hinblick auf die gegenwärtig niedrigen Risikokostenniveaus schwierig, doch geht die Erste Group davon aus, dass sich die Risikokosten 2022 auf unter 20 Basispunkte der durchschnittlichen Bruttokundenkredite belaufen werden. Die NPL-Quote sollte unter 3,0% liegen.

Die sich entwickelnde Situation in Russland und der Ukraine hat keine direkten Auswirkungen auf die Erste Group, da sie in diesen Ländern nicht operativ tätig ist. Das Exposure in beiden Ländern ist vernachlässigbar und es wird in diesem Zusammenhang derzeit keine zusätzliche Risikovorsorge erwartet. Indirekte Auswirkungen, wie z.B. die Volatilität der Finanzmärkte oder sanktionsbedingte Folgewirkungen auf einige unserer Kunden, können jedoch nicht ausgeschlossen werden.