Austrian Standards will Forschung und Standardisierung vernetzen

18. Mai 2022 Drucken
Austrian Standards will Forschung und Standardisierung vernetzen
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Das Normungsinstitut Austrian Standards hat Ende April einen „Präsidialratsausschuss Forschung, Innovation, Standardisierung“ ins Leben gerufen.

Gemeinsames Ziel der 16 Mitglieder ist es, Forschung und Standardisierung besser miteinander zu vernetzen. Vor allem aber will man einen Beitrag dazu leisten, Forschungsergebnisse rascher auf den Markt zu bringen, erklärte Austrian Standards Vorsitzender Ludovit Garzik im APA-Gespräch: „Wer den Standard setzt, hat einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.“

Österreich weist bei den Forschungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit 3,22 Prozent hinter Schweden (3,53 Prozent) und Belgien (3,48 Prozent) zwar die dritthöchste Forschungsquote innerhalb der EU auf (2020), im EU-Innovationsranking „European Innovation Scoreboard“ (EIS) ist das Land aber mit Rang acht als „Strong Innovator“ nicht unter den führenden Nationen. „In der Innovationsüberleitung haben wir ein paar Defizite und da gehört auch die Standardisierung dazu“, so Garzik, der seit 2005 Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE) ist.

Mit Standardisierung ist im Wesentlichen die Vereinheitlichung von Bauteilen, Prozessen, Fertigungsverfahren oder Maßeinheiten gemeint, um etwa Produkte oder Dienstleistungen miteinander kompatibel und vergleichbar zu machen. Wer also zuerst einen Standard einführt, nach dem muss sich die Konkurrenz in der Regel später richten und dafür Lizenzgebühren berappen.

Austrian Standards: Vorsprung bei Quantentechnologien

Ein bekanntes Beispiel aus der Technikgeschichte ist der „Formatkrieg“ konkurrierender Videokassettensysteme, bei dem sich letztlich das VHS-Format gegenüber Betamax und Video 2000 als Standard durchsetzte. Österreich habe laut Garzik beispielsweise bei Quantentechnologien in der Grundlagenforschung einen „deutlichen Vorsprung gegenüber anderen Regionen“, müsse nun aber zusehen, die Überleitung der Forschungsergebnisse in Innovationen nicht zu verschlafen.

Bis zur nächsten Sitzung des Präsidialratsausschusses im November soll im Rahmen von einigen Workshops anhand von „griffigen Beispielen“ überlegt werden, wie das Bewusstsein für Standardisierung erhöht werden kann. Ein Bestandteil der Arbeit des Gremiums soll auch „strategische Intelligenz“ sein, also systematisch einige Jahre in die Zukunft zu blicken und daraus Empfehlungen und Maßnahmen abzuleiten. Erreichen will der Ausschuss-Vorsitzende etwa, Standardisierung gezielt im Bildungswesen zu verankern, etwa bereits bei Lehrenden an Pädagogischen Hochschulen: „Es ist wichtig, dass die Menschen, die später aus dieser Ausbildung rauskommen, das Thema schon mittragen. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt.“

Mitglieder von AIT bis weXelerate

Austrian Standards ist die österreichische Organisation für Standardisierung und Innovation, beschäftigt 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist Teil eines internationalen Netzwerks in 167 Ländern. Die Gründungsmitglieder für den „Präsidialratsausschuss Forschung, Innovation & Standardisierung“ sind: Austrian Institute of Technology (AIT), Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFTE), Austrian Cooperative Research (ACR), Wirtschaftsagentur Wien, Wirtschaftskammer Österreich, Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), weXelerate GmbH, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW), Österreichische Fachhochschul-Konferenz (FHK), Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), Österreichisches Patentamt, Oxfirst Ltd., Industriellenvereinigung (IV), OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik und Infineon Technologies AG. (APA/red)