Holzindustrie mit großer Nachfrage bei stagnierendem Ertrag

07. Juni 2022 Drucken
Holzindustrie mit großer Nachfrage bei stagnierendem Ertrag
© APA (dpa)

Österreichs Holzindustrie geht es gut. Die große Nachfrage lässt trotz der hohen Energie- und Rohstoffpreise Erträge auf bisherigem Niveau erwarten. Ausfälle beim Schnittholz könnte Österreich kompensieren.

Trotz eines kräftigen Exportüberschusses spricht sich die Holzindustrie weiterhin für ein Aussetzen der teilweisen Außernutzungstellung der Wälder aus, wie dies der Green Deal der EU vorsieht. „Unsere Mitglieder haben im Jahr 2021 Waren im Wert von 10,43 Milliarden Euro abgesetzt, das ist eine Steigerung von fast 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, rechnete Industrievertreter Erlfried Taurer heute vor.

Auch im Außenhandel gab es 2021 eine spürbare Belebung. Den Exporten im Wert von 7,28 Mrd. Euro standen Importe von 5,66 Mrd. Euro gegenüber. „Unsere Unternehmen haben 2021 einen Außenhandelsüberschuss von 1,62 Milliarden Euro erwirtschaftet, ein Zuwachs von 67 Prozent“, so Taurer. 80 Prozent der Produkte der Holzindustrie (vom Bauholz über Küchenmöbel bis zum Ski) gehen ins Ausland. Und heuer? „Der Start ins Jahr 2022 war gut“, so Fachverbands-Obmann Herbert Jöbstl am Dienstag vor Journalisten.

Holzindustrie allerorts zufrieden

„Es ist überall gut gelaufen“, sagte auch Verbandskollege Andreas Ludwig. Es gebe einen starken Trend zum Bauen mit Holz und auch das Einrichtungsgeschäft sei – nicht zuletzt wegen der Coronapandemie – gut gelaufen. Auch die Skiindustrie habe die Geschäftseinbrüche durch das Virus gut überstanden. Die Preisdynamik beim Bauholz, unter der viele Häuselbauer stöhnen, habe sich stabilisiert. „Wir liegen bei vielen Holzprodukten unterhalb der Preisspitzen vom Sommer 2021. Die Steigerung der Produktion und der Fokus auf den Heimatmarkt haben die Preisdynamik gebremst, die Marktlage stabilisiert und Lieferfristen normalisiert“, so Ludwig. „Außerdem stellen wir fest, dass viele Kunden vorausschauender planen und von just-in time-Bestellungen absehen“, ergänzte er.

Bei der energetischen Nutzung von Holz betonte heute die Holzindustrie, dass sie auf eine „kaskadische Nutzung“ setzt, also Holz vor dem Verbrennungsvorgang noch eine anderweitige Verwendung findet, eben als Bauholz oder für die Papier- und Kartonindustrie. Ende Mai hatte Bundesforste-Vorstandssprecher Rudolf Freidhager vorgerechnet, dass es zwar in Österreich einen jährlichen Holzzuwachs von an die 30 Mio. Festmeter gibt, deswegen die Wälder als strategische Energiereserve zu sehen, sei aber nicht möglich. „Es gibt offensichtlich ein sehr großes Missverständnis zwischen dem Zuwachs im österreichischen Wald und der möglichen Erntemenge“, sagte Vorstandssprecher Rudolf Freidhager. Bei den 30 Mio. Festmetern handle es sich nicht um Ernte- sondern Vorratsfestmeter, also gesamte Bäume samt Rinde und Äste. Dazu kämen Millionen Festmeter Holz in Schutzlagen oder Lagen, wo schlicht nicht geerntet werden könne.

Voriges Jahr sind in Österreichs Wäldern insgesamt 18,42 Millionen Erntefestmeter Holz eingeschlagen worden. Das waren knapp 10 Prozent (1,63 Mio. Erntefestmeter) mehr als 2020, so Zahlen des Landwirtschaftsministeriums. Österreich sei als Schnittholzproduzent derzeit die Nummer 4 in Europa und an 9. Stelle weltweit mit zuletzt rund 11 Mio. m3 Schnittholz im Jahr. (APA/red)