Eine:r von fünf Arbeitnehmer:innen plant Jobwechsel

13. Juni 2022 Drucken
Eine:r von fünf Arbeitnehmer:innen plant Jobwechsel
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Die „Great Resignation“, also die große Kündigungswelle, die in den USA ihren Anfang genommen hat, ist mittlerweile auch in weiten Teilen der Welt angekommen. Denn eine:r von fünf Beschäftigten weltweit hält es für wahrscheinlich, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitsplatz zu wechseln. So lautet das Kernergebnis der „Global Workforce Hopes and Fears“ Studie von PwC.

Die Studie zeigt zudem auf, dass 35 Prozent planen, ihren Arbeitgeber in den nächsten zwölf Monaten um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Dabei ist der Druck auf die Gehälter im Tech-Sektor am höchsten, wo 44 Prozent der befragten Studienteilnehmer:innen eine Gehaltsverhandlung planen – am niedrigsten liegt dieser Wert mit 25 Prozent im öffentlichen Sektor. Der Wunsch nach einem höheren Gehalt ist für 71 Prozent der Befragten auch der Hauptgrund für einen Jobwechsel. Danach zählen die Suche nach einem erfüllenden Job (69 Prozent) sowie das Bedürfnis bei der Arbeit „man selbst sein zu können“ (66 Prozent) zu den Top 3 Voraussetzungen, die Arbeitnehmer:innen suchen. Für knapp die Hälfte (47 Prozent) ist zudem die Wahl des Arbeitsortes entscheidend.

„Neben dem enormen Bedarf an Möglichkeiten zur Weiterbildung, sind Beschäftigte auch auf der Suche nach angemessener Entlohnung. Sie wollen außerdem mehr Kontrolle darüber, wie sie arbeiten und sie versuchen größeren Sinn in ihrer Arbeit zu finden. Führungskräfte müssen sich anpassen, um mit den aktuellen und künftigen Herausforderungen und Chancen erfolgreich umgehen zu können“, erklärt Nicole Prieller, New World New Skills Leader bei PwC Österreich.

Geschlecht & Generation: Die polarisierte Belegschaft

Frauen gaben mit einer um 7 Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit als Männer an, dass sie sich angemessen entlohnt fühlen, während Frauen wiederum um 7 Prozent weniger wahrscheinlich um eine Gehaltserhöhung bitten werden. Bei der Beförderung zeigt sich ein ähnliches Bild: 8 Prozent weniger Frauen planen, ein entsprechendes Gespräch zu führen, da sie sich auch weniger von ihren Vorgesetzten gehört fühlen als ihre männlichen Kollegen.

Die Studie verdeutlicht auch signifikante Unterschiede zwischen Generationen: Arbeitnehmer:innen aus der Gen Z sind weniger zufrieden mit ihrem Job und machen sich doppelt so häufig Sorgen, in Zukunft durch Technologie ersetzt zu werden als Baby Boomer.

Qualifikationen als spaltender Faktor für Zufriedenheit

Einer der Hauptgründe der Polarisierung sind Qualifikationen. Die Daten zeigen, dass Personen mit gefragten Qualifikationen eher mit ihrem Job zufrieden sind als jene mit weniger gefragten Fähigkeiten (70 Prozent vs. 52 Prozent). Das äußerst sich auch in dem Befinden, dass ihre Vorgesetzten ein offenes Ohr für sie haben (63 Prozent vs. 38 Prozent).

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, investieren Unternehmen in die aktuelle Belegschaft, indem sie in Fortbildung und höhere Löhne investieren – jene Faktoren, die sie am effektivsten abwickeln können. Im Gegensatz dazu scheint der Einsatz von Technologie, wie Automatisierung, aber auch Outsourcing und die Rekrutierung neuer Fachkräfte eine geringere Priorität zu haben. Nur 40 Prozent der Arbeitnehmer:innen gaben an, dass ihr Unternehmen Schritte zur Weiterbildung setzt, und noch weniger (26 Prozent) sagten, dass ihre Arbeit durch neue Technologien verbessert wird. Beide Zahlen weisen auf ein erhebliches Verbesserungspotenzial hin.

„In einem hart umkämpften Arbeitsmarkt ist es umso wichtiger, dass Unternehmen einen menschengeführten, technologiegetriebenen Ansatz wählen. Das bedeutet sowohl in digitale Transformation als auch in Fertigkeiten der Mitarbeiter:innen zu investieren. Der Fokus sollte dabei auf die Stärkung der Fähigkeiten von qualifizierten Arbeitnehmer:innen, dem Bereitstellen von Zugangsmöglichkeiten für jene, denen es an Qualifikationen mangelt und der Automatisierung, die Menschen entlastet, liegen. Es geht sowohl um die Ausbildung von Lehrlingen als auch die Einstellung von Universitätsabsolvent:innen, wobei eine Verpflichtung zu kontinuierlicher Weiterbildung benötigt wird“, so die Expertin.

Die Studie zeigt, dass 65 Prozent der Arbeitnehmer:innen soziale und politische Themen mit ihren Kolleg:innen besprechen, wobei der Prozentsatz für jüngere Beschäftigte (69 Prozent) und ethnische Minderheiten (73 Prozent) höher ist. Während Führungskräfte beunruhigt sind, wenn die Belegschaft solche potenziell polarisierenden Themen am Arbeitsplatz besprechen, ist die Auswirkung positiv. 79 Prozent gaben mindestens ein positives Resultat solcher Gespräche an. Mit politischen und gesellschaftlichen Themen am Arbeitsplatz liegt es an Unternehmen, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die eine positive offene Gesprächskultur sichert und gleichzeitig die negativen Auswirkungen eindämmt.

Die Studie zeigt zudem auf, dass Arbeitnehmer:innen ein großes Interesse an den Auswirkungen ihres Unternehmens auf Wirtschaft, Klima und Gesellschaft haben. Der Hälfte (53 Prozent) ist es wichtig, dass Unternehmen transparent mit ihrer Auswirkung auf die Umwelt umgehen, zwei Drittel (65 Prozent), dicht gefolgt von den wirtschaftlichen Auswirkungen (60 Prozent) und Bemühungen im Bereich von Diversität und Inklusion (54 Prozent).

„Eine diverse Belegschaft bringt unvermeidbar unterschiedliche Meinungen über wesentliche gesellschaftliche Probleme mit an den Arbeitsplatz. Es liegt an den Führungskräften sicherzustellen, dass Teams von diesen Diskussionen eher profitieren anstatt von ihnen gespalten werden. Arbeitnehmer:innen, vor allem jüngere und ethnische Minderheiten, spüren die Vorteile von respektvollen und toleranten Gesprächen“, so Prieller.

Arbeitnehmer:innen bevorzugen Hybrid Work

Ein erheblicher Teil der weltweiten Belegschaft kann nicht remote arbeiten. Es sind 45 Prozent der Befragten in der PwC Umfrage und sie sind weniger zufrieden mit ihrer Arbeit als diejenigen, die hybrid oder vollständig remote arbeiten (50 Prozent gegenüber 63 Prozent). Arbeitnehmer:innen, die nicht remote arbeiten können, geben auch weitaus seltener als andere an, dass sie ihre Arbeit als erfüllend empfinden, dass ihr Team an ihrem Wohlergehen Interesse hat, oder dass sie finanziell fair entlohnt werden.

62 Prozent der Beschäftigten bevorzugen eine Mischung aus Präsenz- und Fernarbeit. Genauso viele erwarten von ihren Arbeitgebern, diesen Mix für mindestens zwölf weitere Monate anzubieten. 26 Prozent würden es sogar bevorzugen, vollständig remote zu arbeiten, während nur 11 Prozent der Arbeitnehmer:innen ausschließlich in Präsenz arbeiten wollen.

„Mit anderen Worten: Hybridarbeit wird sich durchsetzen. Das genaue Verhältnis zwischen Büro- und Heimarbeitszeit wird variieren, aber die Unternehmen müssen experimentieren und sich anpassen. Dazu gehört auch, dass sie sich mit den Faktoren befassen, die die Bindung an das Unternehmen erhöhen, wie Authentizität, sinnvolle Arbeit und Lohntransparenz“, sagt Nicole Prieller.