Studie: Echtzeitüberweisungen bringen Vorteile für Handel und Banken

17. Juni 2022 Drucken
Studie: Echtzeitüberweisungen bringen Vorteile für Handel und Banken
© Erste Bank

Der heimische Handel und Bankensektor kann von Payment-Innovationen wie Instant Payment stark profitieren. Das zeigt eine Studie der OeNB und Eurogroup Consulting.

Das Thema Instant Payment ist für viele in Österreich Neuland, gewinnt jedoch weltweit zunehmend an Bedeutung. In zahlreichen Ländern werden Transaktionen als Echtzeittransaktionen – Instant Payment – getätigt, in Österreich sind sie eher vernachlässigbar und werden auch als kostspieliger Premium-Service angeboten. Dabei würden standardmäßiges Instant Payment besonders für den heimischen Handel und den Bankensektor zahlreiche Chancen bieten. Die in wenigen Sekunden durchgeführte Überweisung von Geldbeträgen von Konsument:innen an Händler:innen würde zahlreiche Kosten- und Ertragspotenziale für den Handel bringen, wie eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank und Eurogroup Consulting belegt.

Zum einen würde er von der Kostenreduzierung durch günstigere Abwicklung, effizientere Prozesse, Echtzeit-Verarbeitung und höheres Ertragspotenzial profitieren. Zum anderen kann das Angebot an Endkund:innen über solche Payment-Innovation ausgebaut und verbessert werden. So belegt die Studie, dass im österreichischen Einzelhandel mehr als 40 Prozent der Transaktionen am physischen Point-of-Sale durch Instant Payments ersetzt werden könnten. Fest steht: Der Dialog zwischen Handel und Bankensektor, wie Instant Payment als „New Normal“ des Zahlungsverkehrs bestmöglich genutzt werden kann, muss schon jetzt beginnen.

Ertrags- und Kostenvorteile durch Instant Payment

Aktuell werden die Zahlungen zu einem Großteil durch Bankkarten getätigt, die von internationalen Anbietern, sogenannten Payment Schemes, angeboten werden. Scheme Fees, die für Bankkarten-Transaktionen gezahlt werden müssen, könnten anhand von Instant Payment zu großen Teilen eingespart werden. „Knapp 74 Milliarden Euro beträgt das Volumen der Zahlungen am physischen Point-of-Sale im österreichischen Einzelhandel. 34 Prozent davon werden mittels Debitkarten durchgeführt. Diese Transaktionen könnten über Instant Payment abgewickelt werden, was deutliche Ertrags- und Kostenvorteile für Händler und Banken bringen kann“, so Rainer Schamberger, Partner bei Eurogroup Consulting und Leiter der Studie. „Jetzt ist die Zeit, Instant Payment in Österreich voranzutreiben und diese Vorteile so gut es geht zu nutzen“, so Schamberger.

Instant Payment als Chance für Banken

„Für den österreichischen Bankensektor birgt Instant Payment viel Potenzial“, so Petia Niederländer von der Oesterreichischen Nationalbank: „In ersten Quartal 2022 wurden europaweit bereits knapp 12 Prozent aller SEPA-Überweisungen als Instant Payment abgewickelt und dadurch schneller und effizienter gemacht. Die Vorteile dieser neuen Zahlungsmöglichkeit sind jedoch mehr als nur Geschwindigkeit und Effizienz. Die EU-Kommission und die EZB erwarten, dass Instant Payment die Innovationen im Handel und die strategische Zahlungsverkehr-Autonomie in Europa stärken“. So habe die EU bereits Schritte zur Implementierung von Instant Payment als „New Normal“ gemacht, die entsprechende Regulierung wird noch in diesem Jahr von der Kommission veröffentlicht. Doch auch aus dem Markt kristallisiert sich die Notwendigkeit zur Umsetzung und Implementierung von Instant Payment, so Niederländer: „Instant Payment bietet zahlreiche neue Geschäftsmodelle, welche die Schnittstelle zum Kunden stärken können und Vorteile für heimische Banken bieten.“

Stärkung des Handels über unabhängigen Zahlungsverkehr

Für den heimischen Handel ist die Unabhängigkeit von den Entscheidungen internationaler Zahlungsanbieter wesentlich, wie Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich, festhält: „Viele Händler beklagen sich, dass sie dem Willen internationaler Payment-Anbieter ausgesetzt sind. So ist nicht immer sicher, dass Kartenzahlungen entgegengenommen werden können, auch, weil die Kostenstruktur undurchsichtig gestaltet ist.“ Mit Instant Payment-Lösungen könnten große sowie kleine Händler:innen viel der aktuellen Händlergebühren von internationalen Anbietern einsparen.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, führt weiter aus: „Die vollständige Umsetzung der Echtzeitüberweisung in Europa ist überfällig. Sobald alle heimischen Banken Instant Payment zu fairen Konditionen anbieten, sind weitreichende Synergieeffekte zwischen Handel und Finanzsektor erzielbar. Unsere mittelständischen Händler könnten Gebührenkosten einsparen, und Kundinnen und Kunden könnten von einer raschen, nutzerfreundlichen und sicheren Abwicklung profitieren. Machen wir die Überweisung endlich fit für das 21. Jahrhundert.“ Gut 25 Prozent aller Konsument:innen nutzen Bonusprogramme mittels Smartphone, so die Studie. Instant Payment-Lösungen, die mit solchen Programmen kombiniert werden, könnten Anreize bei Kunden und Liquiditätssicherheit bei Händler:innen generieren.

Branchenübergreifender Dialog startet

Einig sind sich die Banken- und Handelsvertreter:innen, dass der Dialog zwischen Bankensektor und Handel forciert werden muss. Auch dass sich Instant Payment als neuer Standard für Transaktionen in Europa etablieren wird, wie es in einigen Ländern bereits der Fall ist, sei gewiss. Handlungsbedarf gibt es jetzt schon: „Es ist Zeit, die Silos aufzubrechen. Die Branchen nutzen die P19 Möglichkeit einander zu sagen, was sie brauchen, um den europäischen Zahlungsverkehr und die Wirtschaft zu stärken“, so P19 Co-Founderin, Birgit Kraft-Kinz und meint weiter: „Unser P19 Initiative und den Payment Pioneers liegt der Austausch am Herzen. Denn Innovation braucht den Dialog mit hohem Vertrauenskapital und ermöglicht Kollaboration.“