Risikomanagement: Unternehmen sind ungenügend auf Krisen vorbereitet

20. Juni 2022 Drucken
Risikomanagement: Unternehmen sind ungenügend auf Krisen vorbereitet
© AdobeStock/Jacob Lund

Pandemie, Sanktionen, Störungen in den Lieferketten: Die aktuellen Ereignisse verändern die weltweite Wirtschaft und somit auch das Risikoumfeld der Unternehmen. Damit im Fall der Fälle proaktiv, schnell und flexibel reagiert werden kann, muss das Risikomanagement hoch priorisiert werden. Dies zeigt die Global Risk Survey 2022 von PwC Österreich.

Fehlende strategische Konsistenz kostet wertvolle Zeit, doch es gestaltet sich schwierig, mit den schnellen Entwicklungen Schritt zu halten. 79 Prozent der Befragten empfinden es als große Herausforderung, insbesondere dem Tempo der digitalen Veränderungen nachzukommen. Mehr als zwei Drittel der teilnehmenden Führungskräfte sind dabei, ihre Budgets für Risikomanagement-Technologie zu erhöhen – vorwiegend in den Bereichen Data Analytics, Prozessautomatisation sowie Risiko-Überwachung und -Erkennung. Eine weitere Problematik ist die fehlende Konsistenz: 75 Prozent der Teilnehmenden geben an, dass ihr Risikomanagement nicht unternehmensweit einheitlich ist. Die verschiedenen Prozesse und Systeme verlangsamen die Reaktion weiter und stellen selbst ein erhebliches Risiko dar.

Am meisten Sorge bereitet den Teilnehmenden über alle Branchen hinweg gesehen die aktuelle Marktentwicklung. Doch die Bedenken unterscheiden sich auch je nach Bereich. Für den öffentlichen Sektor, Tech-Unternehmen und das Gesundheitswesen stellen beispielsweise digitale Risiken wie Cyberkriminalität oder Falschinformationen die größten Gefahren dar. Die Energiebranche sorgt sich primär um die geopolitische Lage, der Finanzsektor ebenfalls um die Marktlage und die industrielle Fertigung um das strategische und operative Geschäftsmodell.

Mit Key Risk Indicators neu entstehende Risiken frühzeitig erkennen

Im Zentrum des proaktiven Risikomanagements steht eine fundierte Vorbereitung inklusive Risikoanalyse und Modelle. Doch weniger als 40 Prozent der Teilnehmenden nutzen die Vorteile, die sich durch die frühe Einbindung von Risikospezialist:innen ergeben. Die Studienergebnisse zeigen auch, dass die Messung von Risiko-Parameter vorteilhaft ist. „Analog der Nutzung von KPIs – Key Perfomance Indicators – können KRIs – Key Risk Indicators – helfen, Chancen und Risiken frühzeitig zu entdecken. Für Ransomware-Risiken wäre zum Beispiel die Anzahl der empfangenen Phishing-E-Mails ein KRI“, erklärt Christoph Obermair, Partner bei PwC Österreich.

Auch ein adäquates Maß an Risikobereitschaft kann zum Wachstum verhelfen. Die befragten Unternehmen mit dem besten Risikomanagement haben fast doppelt so hohe Chancen, ihr Umsatzwachstum um mindestens 11 Prozent zu steigern. Folglich investiert gerade mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmenden in eine strategische Neuausrichtung des Risikomanagements – allerdings können erst 22 Prozent daraus Vorteile ziehen.

„Das Risikomanagement war lange Zeit ein Stiefkind in vielen Unternehmen, doch die Unsicherheiten der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig es ist, relevante operative Steuerungsgrößen im Blick zu haben“, ergänzt PwC-Experte Obermair.