Neue EU-Innovationsagenda soll Innovationspotenzial Europas stärken

06. Juli 2022 Drucken
Neue EU-Innovationsagenda soll Innovationspotenzial Europas stärken
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Die EU-Kommission hat eine neue Europäische Innovationsagenda vorgestellt, um Europa bei technologieintensiven Innovationen und Start-ups zu stärken. Sie soll dabei helfen, neue Technologien zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, um die dringendsten gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen.

Die Europäische Kommission hat ihre „Neue Innovationsagenda“ mit rund 21 Maßnahmen und Initiativen für die kommenden Jahre bis 2024 vorgestellt. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören insbesondere Initiativen, die die Erprobung und Testung von neuen Innovationen erleichtern sollen, wobei im Fokus der EU-Innovationsagenda die Bereiche „scale-up“, „framework conditions“, „innovation ecosystems“, „innovation policy“ und „talents“ stehen.

„Ziel ist, das Forschungs- und Innovationspotenzial Europas besser zu mobilisieren und somit die Innovationsfähigkeit Europas zu stärken, denn um die Herausforderungen von heute zu lösen und zu meistern bedarf es Ideen mit wirksamen Innovationen, um mehr Wertschöpfung zu hebeln“, sagt Mariana Kühnel, stv. Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Innovationshotspots besser vernetzen

Mit der neuen Innovationsagenda versucht die EU-Kommission Innovationshotspots in Europa besser zu vernetzen und so den Wissenstransfer zu stärken. Dies ist deshalb essenziell, da Innovation sehr stark auf lokaler Ebene entsteht. Um als Forschungs- und Wirtschaftsraum Europa Synergieeffekte optimal zu nutzen, bedarf es jedoch eines Wissens- und Technologietransfers zwischen den einzelnen Hotspots.

Zudem schlägt die Innovationsagenda Lösungen für einen besseren Zugang zur Finanzierung für Start-ups und innovativen Unternehmen vor. Dabei geht es insbesondere um die Schaffung von Anreizen für private und institutionelle Investoren, um Venture Capital in Europa zu stärken. Gleichzeitig fordert Brüssel Maßnahmen, um die Mobilisierung von Kapital für Unternehmen zu erleichtern – z.B. eine Modernisierung der steuerlichen Vorgaben bei Equity oder die Möglichkeit, geistiges Eigentum als Sicherheit zu verwenden.

Förderung von Talenten

Die neue Innovationsagenda enthält ferner einen europäischen Rahmen, um Forschung, Innovation und unternehmerische Talente anzuziehen und in Europa zu halten. Für die WKÖ hat dieses Thema Priorität, denn praxisnahe Innovation braucht Talente, und der globale Wettbewerb um die besten Köpfe zwischen Wirtschaftsstandorten hat sich deutlich intensiviert. Konkret wird durch das European Institut for Innovation and Technolgy (EIT) und den European Innovation Council (EIC) eine Initiative gestartet, damit dem Forschungs- und Wirtschaftsraum Europa kurz- bis mittelfristig rund 1 Mio. zusätzliche Deep tech-Talente zur Verfügung stehen.

Viele der Ansätze aus der Neuen Europäischen Innovationsagenda werden von der WKO sehr positiv beurteilt. Allerdings sollte auch das EU-Forschungsprogramm „Horizon Europe“ durch weitere Vereinfachungen optimiert werden. „Der administrative Aufwand sowie Unklarheiten bei den Förderegeln – vor allem beim Europäischen Innovationsrat (EIC) – sind immer noch eine große bürokratische Barriere für potenzielle Teilnehmer:innen, die uns nicht wie gewünscht weiterbringt. Dies gilt es zu transformieren, denn der Erfolg des Ganzen resultiert aus dem innovativen Beitrag jedes Einzelnen“, so Kühnel.

Die Innovationsagenda setzt den Fokus besonders auf folgednen Themen:

  • die Verbesserung des Zugangs zu Finanzmitteln für europäische Start-ups und Scale-ups, z. B. durch Mobilisierung ungenutzter privater Kapitalquellen und Vereinfachung der Börsennotierungsregeln;
  • die Verbesserung der Rahmenbedingungen, damit Innovatoren mithilfe von Reallaboren mit neuen Ideen experimentieren können;
  • einen Beitrag zur Schaffung von „regionalen Räumen für Innovationen“, die die Innovationsakteure in Europa, auch in Regionen mit Entwicklungsrückstand, stärken und besser miteinander vernetzen werden;
  • die Anwerbung von Talenten in Europa und Maßnahmen für deren langfristige Bindung, z. B. durch die Ausbildung von einer Million Talenten in technologieintensiven Bereichen, die verstärkte Unterstützung von Innovatorinnen und innovative Aktienoptionen für Mitarbeiter von Start-ups;
  • die Verbesserung des politischen Rahmens durch klarere Terminologie, Indikatoren und Datensätze sowie durch politische Unterstützung der Mitgliedstaaten.

Die „Neue Europäische Innovationsagenda“ kann hier heruntergeladen werden.