Andreas Rohringer: „Grundsätzlich ist es anzuraten das Zinsrisiko abzusichern“

05. August 2022 Drucken
Andreas Rohringer: „Grundsätzlich ist es anzuraten das Zinsrisiko abzusichern“
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Inflation, deutlich steigende Energiepreise und anhaltende Lieferkettenprobleme stellen Unternehmer:innen vor Herausforderungen. Durch die Anhebung der Leitzinsen steigen nun auch die Kreditzinsen. Andreas Rohringer, verantwortlich für das Unternehmenskundengeschäft für den Raum Wien und Niederösterreich Nord bei der Erste Bank, gibt Einblicke in die derzeitigen Entwicklungen und wie Unternehmer:innen sich absichern können.

Welche Folgen haben die derzeitigen Entwicklungen für Österreichs Unternehmer:innen

Unternehmer:innen sind durch die derzeitigen Entwicklungen mehrfach betroffen. Durch die hohen Energiepreise und die hohe Inflation, gehen auch die Einkaufspreise und Personalkosten nach oben. Gleichzeitig können Preissteigerung nicht immer leicht an Kund:innen weitergegeben werden, da durch die hohe Inflation auch der Privatkonsum zurückgeht. Jeder hat einfach weniger im Geldbörsel.

Auf was sollten Unternehmer:innen in dieser Situation besonders achten?

Es hat sich in letzter Zeit gezeigt, dass es einfach wieder wichtiger geworden ist, größere Sicherheitspuffer aufzubauen. Das nicht nur wegen unerwarteten Ereignissen oder Mehrkosten, sondern auch um den fortlaufenden Betrieb zu garantieren. Die Lieferkettenprobleme sind hier ein gutes Beispiel. Der Trend der letzten Jahre zu „just in time“-Warenmanagement wird momentan zum Teil wieder zurückgebaut. Es muss entweder rasch Liquidität zur Verfügung stehen, um große Warenlieferungen kurzfristig anzukaufen oder es müssen wieder größere Lager aufgebaut werden. Beides ist kapitalintensiv und benötigt eine entsprechende langfristige Planung.

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„Es hat sich in letzter Zeit gezeigt, dass es einfach wieder wichtiger geworden ist, größere Sicherheitspuffer aufzubauen.“

Andreas Rohringer, Erste Bank

Sicherheitspuffer aufbauen gut und schön, aber die Kreditzinsen gehen auch nach oben. Wie können Unternehmer:innen sich gegen steigende Finanzierungskosten absichern?

Fixzinssätze sind natürlich bereits am Steigen. Viele Kund:innen fragen sich, ob es sich jetzt überhaupt noch auszahlt, eine fixe Verzinsung zu wählen, da die Raten natürlich schon gestiegen sind. Wir raten auf jeden Fall dazu, frühzeitig mit Ihrer Betreuer:in Kontakt aufzunehmen, um Optionen zu besprechen. Grundsätzlich ist es anzuraten, das Zinsrisiko abzusichern. Hier gibt es neben der klassischen Fixverzinsung auch die Möglichkeit mit Zins-Caps zu arbeiten – also der Kredit bleibt variabel, hat aber eine Deckelung nach oben beim Referenzzinssatz, bei zum Beispiel zwei Prozent für den 3-M-EURIBOR.

Mit Anfang August werden für Unternehmer:innen keine Negativzinsen für Einlagen mehr verrechnet. Wird das nicht automatisch dazu führen, dass Unternehmer:innen wieder größere Rücklagen bilden?

Ja und nein: Einerseits fällt es ohne Verwahrungsgebühren leichter Rücklagen zu bilden, aber die hohe Inflation kann auch dazu führen, dass größere Unternehmen Zahlungsziele wieder stärker ausnutzen. Unternehmer:innen sollten damit rechnen, dass sie länger auf die Begleichung von ausstehenden Rechnung warten müssen. Angebote wie Factoring können hier Abhilfe schaffen und zusätzlich den Liquiditätsspielraum absichern.