Handel verzeichnet schwaches erstes Halbjahr

24. August 2022 Drucken
Handel verzeichnet schwaches erstes Halbjahr
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Der gesamte Handel erzielte im Halbjahr – vom Großhandel gibt es nur Zahlen bis Mai – ein Umsatzplus von 14,4 Prozent, wie aus einer Studie des Economica Institutes auf Basis der Daten von Statistik Austria hervorgeht. Doch bereinigt um die steigenden Preise bleibt nur ein Plus von 1,5 Prozent über. Vor allem der Großhandel litt unter stark steigenden Vorleistungskosten.

Der Handel kann nur auf den ersten Blick mit der aktuellen Geschäftsentwicklung zufrieden sein: „Bei näherem Hinsehen bleibt angesichts der hohen Preissteigerungen vom Wachstum kaum etwas übrig“, so Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Nach den Strompreiserhöhungen bleibe von den zum Teil mageren Gewinnmargen nichts mehr übrig.

Der Einzelhandel kann für das Halbjahr zwar ein Umsatzwachstum von 7,6 Prozent verbuchen, aber preisbereinigt bleibt nur ein Plus von 0,2 Prozent. Der Großhandel kann sich zumindest über einen preisbereinigten Umsatzanstieg von 5,4 Prozent freuen. Preiserhöhungen der Hersteller, hohe Energiekosten sowie Liefer- und Logistikschwierigkeiten führten zum Preisanstieg im Großhandel, so Trefelik. Allerdings seien diese Preiserhöhungen noch nicht im Einzelhandel angekommen. Während der Großhandelspreisindex um 22,5 Prozent gestiegen ist, legten die Einzelhandelspreise bisher nur um 7,4 Prozent zu.

Überdurchschnittliche Zuwächse erzielten im ersten Halbjahr die modischen Branchen, die aber die Rückgänge der Vorjahre bei weitem nicht ausgleichen konnten: Die Umsätze des Bekleidungseinzelhandels stiegen im Jahresvergleich nominell um +21,7 Prozent, die des Schuheinzelhandels um +12,3 Prozent. Grund für das Wachstum ist allerdings vor allem die äußerst niedrige Ausgangsbasis: „Die hohen Steigerungsraten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die modischen Branchen das Vorkrisenniveau nach wie vor deutlich unterschreiten“, so Voithofer. Gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 liegen die Umsätze im Bekleidungseinzelhandel noch -12,7 Prozent darunter, im Schuheinzelhandel sogar noch um -21,2 Prozent.

Beschäftigungszahlen im Handel steigen

Positiv entwickelt hat sich die Beschäftigungssituation im heimischen Handel. Im März 2022 konnte erstmals die Zahl von 570.000 unselbständig Erwerbstätigen in der Branche überschritten werden. Konkret legte die Beschäftigtenzahl im Großhandel um +3 Prozent und im Einzelhandel um +2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Gleichzeitig waren mit 14.285 weniger Arbeitslose aus der Branche gemeldet und es gibt so viele offene Stellen wie noch nie: Insgesamt blieben 21.049 Stellen im Handel im ersten Halbjahr unbesetzt.

„Dieser Arbeitskräftemangel wird den heimischen Handel noch länger beschäftigen, ebenso die außergewöhnlichen Steigerungen der Preise auf Lieferantenseite und vor allem die Energiepreissteigerungen“, sagt Spartenobmann Trefelik. Der Ausblick auf das zweite Halbjahr sei daher mit vielen Fragen behaftet. Etwa bleibt abzuwarten, ob sich die sinkende Sparquote (7,3 Prozent nach 11,8 Prozent im Vorjahr) auf den Einzelhandel positiv auswirkt. Trefelik hofft daher, dass die Arbeitsmarktreform Linderung für die angespannte Personalsituation bringt und die Branche insgesamt krisenresistenter wird. Zudem fordert er Maßnahmen, die die Eigenkapitalsituation der Betriebe stärken: „Die Corona-Pandemie sowie der Krieg in der Ukraine mit den daraus resultierenden massiven Veränderungen haben uns gezeigt, dass den Betrieben viel Resilienz abverlangt wird. Dafür müssen rasch Maßnahmen gesetzt werden“, so der Handelsobmann. Zudem gelte es, das Merit-Order-System zu überdenken. „Es muss hier von europäischer Seite Maßnahmen geben, auf Dauer können sich die Händler die hohen Energiepreise keinesfalls leisten“, warnt Trefelik. (APA/red)