Unternehmensleitung: Freunderlwirtschaft in Chefetage schreckt Bewerber:innen ab

30. November 2022 Drucken
Unternehmensleitung: Freunderlwirtschaft in Chefetage schreckt Bewerber:innen ab
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Über die Hälfte der Arbeitnehmer:innen in Österreich würden sich bei einem Unternehmen nicht bewerben, wenn sich die dortigen Leitungsorgane und Führungskräfte nicht integer verhalten, also etwa persönliche Vorteile aus ihrer Position beziehen. Das ergab eine Umfrage von Marketagent im Auftrag des Jobportals karriere.at.

Kandidat:innen erwarten sich nicht nur ein angenehmes Arbeitsklima und finanzielle Sicherheit vom Arbeitgeber, sondern auch werteorientiertes Handeln: Am wichtigsten ist den österreichischen Arbeitnehmer:innen dabei ein korrektes und integres Verhalten der Führungskräfte und Unternehmensleitung, gefolgt von Maßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit und die Förderung von Frauen und Minderheiten. Das geht aus der Umfrage „So ticken Kandidat:innen 2022“ hervor, für die im Juli 501 erwerbsfähige Personen und 810 Unternehmensvertreter:innen in Österreich befragt wurden.

Für neun von zehn Arbeitnehmer:innen spielt ein korrektes und integres Verhalten der Führungskräfte und Unternehmensleitung eine Rolle bei der Bewertung von potenziellen Arbeitgebern. Für über die Hälfte der Befragten ist die fehlende Integrität von Führungskräften dabei Grund genug, sich gar nicht zu bewerben. Übernimmt ein Unternehmen keine soziale Verantwortung, achtet also etwa nicht auf Chancengleichheit und Diversität, spricht das für ein Viertel der Befragten gegen eine Bewerbung und 17 Prozent würden sich nicht bei einem Unternehmen bewerben, das nicht nachhaltig agiert. Umgekehrt betrachten zwei Drittel der Befragten nachhaltige Initiativen und das Übernehmen sozialer Verantwortung als einen ansprechenden Benefit für Mitarbeitende.

„Menschen möchten in Unternehmen arbeiten, die ihre gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmen. Das betrifft den ökologischen Fußabdruck, den Umgang mit Minderheiten und die Führungskultur im Unternehmen. Wer diese Themen nicht aktiv angeht, verliert auf lange Sicht an Attraktivität als Arbeitgeber”, erklärt karriere.at-CEO Georg Konjovic.

Aufholbedarf der Unternehmen bei Kommunikation von Werten

Auf Unternehmensseite ergab die Umfrage, dass die Kommunikation von Verhaltensgrundsätzen in Österreichs Unternehmen noch keine Selbstverständlichkeit ist: Von den befragten 810 Unternehmensvertreter:innen gaben nur 46 Prozent an, einen Verhaltenskodex zu haben, der für die Mitarbeitenden, aber auch externe Partner gilt. Nur etwa ein Drittel kommuniziert Werte auf den Karriereseiten des Unternehmens und nur rund ein Viertel in Stelleninseraten.

„Die Menschen erwarten von ihren Führungskräften, dass diese sich korrekt verhalten und von Unternehmen, dass sie einen entsprechenden Verhaltenskodex und Compliance-Richtlinien festlegen. Für eine attraktive Positionierung am Arbeitsmarkt müssen diese Maßnahmen und die gelebten Werte aber auch als Teil des Arbeitgeberprofils nach außen kommuniziert werden“, so Konjovic.

„Jedes Unternehmen muss sich mit Compliance befassen, daran führt kein Weg vorbei. Die Notwendigkeit ergibt sich nicht nur aus den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen. Eine transparente und glaubwürdige Auseinandersetzung ist auch erforderlich, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden“, erklärt Compliance-Expertin Andrea Pilecky, Geschäftsführerin und Gründerin der Unternehmensberatung rosa elefant OG.