Österreichs Wälder müssen klimafitter werden

02. Dezember 2022 Drucken
Österreichs Wälder müssen klimafitter werden
29.11.2022, Baden-WŸrttemberg, Bernau: Nebel steht in einem Tal des Schwarzwalds nahe Bernau. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ WŠlder mŸssen dem Klimawandel angepasst werden

Die Klimafitness der Wälder in Österreich muss gezielt gefördert werden. Zu diesem Schluss kommt der Rechnungshof.

Der Rechnungshof (RH) empfiehlt im Bericht „Wald im Klimawandel: Strategien und Maßnahmen“. Er empfahl, Förderanreize zu schaffen, um die Widerstandsfähigkeit der Wälder zu erhöhen. Fast die Hälfte der Fläche Österreichs ist mit Wald bedeckt. 81 Prozent davon befinden sich in Privateigentum, der Rest im öffentlichen Eigentum. Die Wälder erfüllen vielseitige Aufgaben: Sie speichern Feuchtigkeit, binden Kohlenstoffdioxid und filtern Schaftstoffe aus der Luft. Sie schützen Menschen, Infrastruktureinrichtungen und Gebäude vor Lawinen, Muren und Steinschlag. Zudem sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. „Diese Funktionen sollten möglichst auf der gesamten Waldfläche gesichert werden. Jedoch: Im Forstgesetz 1975 wird die Bedeutung der Wälder und deren Leistung für den Klimaschutz nicht ausdrücklich berücksichtigt“, so der Rechnungshof.

80 Prozent der Ernte als Schadholz

Welche Kosten der Klimawandel verursachen kann, zeigt sich zum Beispiel bei der Österreichischen Bundesforste AG, die 15 Prozent der Wälder bewirtschaften. Im Jahr 2020 lag der Anteil an Schadholz, das durch Stürme, Schneebruch oder den Borkenkäfer verursacht wurde, bei über 80 Prozent der Holzerntemenge. Mindererlöse bei Schadholz sowie Mehrkosten bei der Waldpflege und Holzernte verursachten Kosten von 48 Millionen Euro. Die Österreichische Bundesforste AG führt diese Kosten auf den Klimawandel zurück.

Damit der Wald erhalten bleibt, muss er verjüngt werden. Im Zuge der Österreichischen Waldinventur von 2007 bis 2009 wurden bei 2,72 Millionen Hektar von 4,02 Millionen Hektar der gesamten Waldfläche Österreichs ein Verjüngungsbedarf festgestellt. Die Verjüngung unterblieb dem Bericht zufolge jedoch bei 1,62 Millionen Hektar. Der Rechnungshof empfahl dem Landwirtschaftsministerium, im bestehenden Fördersystem vorrangig Anreize für Maßnahmen zu setzen, die die Alters- und Baumartendurchmischung und somit die Widerstandsfähigkeit der Wälder erhöhen.

Der Rechnungshof legte ein besonders Augenmerk auf den Zustand des Schutzwaldes. Rund 34 Prozent der Schutzwaldflächen sind demnach stark überaltert oder bereits in der Zerfallsphase. „Um einen Schutzwald im weit fortgeschrittenen Zustand des Zerfalls wiederherzustellen, sind kostenintensive Investitionen notwendig. Diese müssen überwiegend von der öffentlichen Hand getragen werden“, hieß es.

Über 200 Millionen für Maßnahmen im Forstbereich

Wie in der Vergangenheit investiert wurde, war ebenfalls Gegenstand des Rechnungshof-Berichts: Im EU-Programm LE 14-20 waren insgesamt 206,63 Millionen Euro für Maßnahmen im Forstbereich vorgesehen. Davon wurden dem Rechnungshof zufolge tatsächlich nur 102,66 Millionen Euro der genehmigten Mittel für klimarelevante flächenbezogene Maßnahmen eingesetzt. Für klimarelevante Bildungs- und Beratungsmaßnahmen sowie Studien wurden 48,71 Millionen Euro aufgewandt. Diese haben nach Auffassung des Rechnungshofes allerdings nur eine indirekte Wirkung auf die Wälder.

Im Hinblick auf den sanierungsbedürftigen Zustand der Schutzwälder merkte der Rechnungshof kritisch an, dass mehr als die Hälfte der schutzwaldbezogenen Förderungen für Forststraßen bewilligt wurden. Weniger als 50 Prozent der Mittel wurden für Projekte zur Erhaltung oder zur langfristigen Verbesserung der Ökosysteme in Schutzwäldern eingesetzt.

Eine ähnliche Tendenz zeigt sich beim mit 350 Millionen Euro dotierten Waldfonds: Weniger als die Hälfte der Mittel des Waldfonds kam unmittelbar auf Waldflächen zum Einsatz. Der Rechnungshof empfahl dem Landwirtschaftsministerium, in künftigen Förderprogrammen die Mittel für Maßnahmen, die unmittelbar eine flächenbezogene Wirkung für den Wald aufweisen, nicht zugunsten von Maßnahmen mit indirekter Wirkung zu kürzen. (APA/red)